• Von Christina Cassala
    Freitag, 15. Februar 2013
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    15 Fragen an Manuel Grossmann von knusperreich

    Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Die Vorstellung, täglich für seine eigene Vision zu arbeiten, hat mich schon früher fasziniert. Damals hätte ich wohl eher gesagt: „Ich will meine Träume […]

    Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
    Die Vorstellung, täglich für seine eigene Vision zu arbeiten, hat mich schon früher fasziniert. Damals hätte ich wohl eher gesagt: „Ich will meine Träume verwirklichen.“ Obwohl ich heute viel genauer einschätzen kann, was sich hinter der Floskel verbirgt, war mir bewusst: Ich möchte Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen und bin bereit, mit den Konsequenzen zu leben. Bei knusperreich verfolgen wir die Vision, den verstaubten deutschen Keksmarkt zu verändern. Unser Ansatz, ofenfrische Produkte zu verschicken, kommt sehr gut an. Man merkt, dass die Leute mit dem bisherigen Angebot des Marktes nicht zufrieden sind.

    Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
    Die Geschichte der ofenfrischen Bio-Cookies begann in einem kleinen Café am Bodensee. Simon Tüchelmann, Max Finne und ich hatten uns für eine Gruppenarbeit im Rahmen unseres gemeinsamen Studiums an der Zeppelin Universität getroffen. Im Café selbst stellten wir dann zu unserer Verwunderung fest, dass kein leckeres Gebäck angeboten wurde. Aus der Motivation heraus, richtig gute biologische Cookies zu backen, ist dann Stück für Stück die Vision einer Revolution im deutschen Keksmarkt geboren: ofenfrische Bio-Cookies statt staubtrockener Massenware.

    Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
    Das nötige Kapital für die Gründung haben wir zuerst einmal selbst aufgebracht. Nach einigen Monaten bekamen wir zudem Unterstützung von Benjamin Rohé und Maks Giordano. Mittlerweile können wir uns auf die Hilfe zweier strategische Partner stützen: Die mymuesli GmbH und der ZU Micro Equity Fond, ein universitätsnaher Fond der Zeppelin Universität hinter dem sich auch die Firma Wiesheu, ihres Zeichens Weltmarkführer für Ladenbacköfen, verbirgt. Auf dieser soliden Basis sind wir momentan in Vorbereitung einer umfangreichen Wachstumsfinanzierung.

    Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
    Die größten Stolpersteine waren die uns zu Beginn empfohlenen Partner in Design und Entwicklung. Das lag weniger an der Qualität der Akteure sondern mehr an der Priorität, die unserem damals kleinen Projekt zugewiesen wurde. Als kleiner Kunde in einer großen Agentur mussten wir uns oft hinten anstellen. Heute wissen wir den Vorteil, alles unter dem eigenen Dach zu haben, dafür besonders zu schätzen.

    Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase andersmachen?
    Wir haben knusperreich im dritten Semester, mit 21 Jahren gegründet. Hätten wir damals abschätzen können, was für ein Kraftaufwand es ist, ein Vollzeitstudium mit einem Start-up zu vereinen, hätten wir vielleicht die Finger davon gelassen. Aber wir haben es durchgezogen und das war gut so. Ganz klar, dass wir dabei nicht den direktesten Weg zum Ziel gegangen sind. Trotzdem würde ich nichts anders machen wollen. Das alles hat knusperreich heute in eine starke Position gebracht, von der aus wir jetzt nach Abschluss des Studiums durchstarten können.

    Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
    Wir möchten mit unserer Geschichte das Bewusstsein der Leute für ofenfrische Qualitäts-Produkte schärfen. Bislang haben sich die PR-Arbeit und große Kooperationen als Treiber erwiesen. Zukünftig könnte knusperreich auch ein TV-Thema sein, daher sind wir gespannt auf die ersten Tests in naher Zukunft. Gleichzeitig werden wir die ersten ersten Schritte im Lebensmitteleinzelhandel gehen. Daher kommen nun auch Offline-Instrumente in Frage.

    Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
    Benjamin Rohé und Hubertus Bessau haben unseren Weg von Anfang an begleitet und waren bei wichtigen Entscheidungen gute Ratgeber. Ihr Input – gerade kurz nach Gründung – war sicherlich wegweisend.

    Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
    Sich nicht von Meinungen Außenstehender verrückt machen zu lassen. Gerade zu Beginn hilft einem die Skepsis der Masse wenig weiter. Besser sind wenige Partner mit unterschiedlichen Hintergründen und Expertisen.

    Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
    Meiner Meinung nach sollte die gesellschaftliche Perspektive von Unternehmertum wieder stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Aus volkswirtschaftlicher Perspektive stecken schließlich genau dort die größten Potentiale. Ziel sollte es demnach sein, jungen Leuten Mut zu machen, etwas zu starten, kreativ zu werden und sich nicht mit dem Status Quo zufrieden zu geben. Parallel zu dieser Kampagne würde ich mir eine Professionalisierung der Beratungsstellen wünschen. Meine persönliche Erfahrung ist, dass viele Anlaufstellen sich noch nicht auf die aktuellen Herausforderungen und Probleme von Unternehmensgründern eingerichtet haben.

    Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
    Vielleicht hätte ich für ein Jahr Erfahrungen in einem etablierten Unternehmen im Bereich Konsumgüter oder FMCG gesammelt – um danach doch selbst zu gründen.

    Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschenspielen?
    Ich würde gerne dem Team von true fruits über die Schulter schauen. Vor einigen Jahren konnte sich noch niemand vorstellen frische, gekühlte Smoothies im LEH anzubieten – schon gar nicht zu dieser Qualität und diesem Preis. Mittlerweile ist eine eigene Produktkategorie entstanden, die beeindruckende Verkaufszahlen aufweist. Wir bei knusperreich glauben an einen ähnlichen Trend im europäischen Keksmarkt. Mittelfristig werden dort ofenfrische Produkte in hoher Qualität Einzug erhalten. Bei true fruits imponiert mir, neben dem leckeren Produkt, das humorvolle Marketing, so zum Beispiel der aktuelle Werbespot.

    Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
    Bei allem Verständnis für Nostalgie, ich freue mich auf die Zukunft.

    Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
    Ganz ernsthaft: Ich würde in der momentanen Phase in knusperreich investieren und aus der geplanten Revolution eine regelrechte Invasion machen – natürlich eine friedliche.

    Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
    Obwohl unter der Woche Schlaf oft Mangelware ist, stehe ich früh auf, treibe Sport und danach entspannt Frühstücken. Ansonsten verbringe ich den Tag mit meinen engsten Freunden oder meiner Familie an der frischen Luft. Ich bin überzeugt, dass es die einfachen Dinge sind, die einen schönen Tag ausmachen.

    Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
    Mit Vanessa Kullmann, der Gründerin von Balzac Coffee. Als ich kurz nach dem Abitur ihr Buch las, war ich fasziniert von ihrer persönlichen Gründungsgeschichte. Sie heute bei Kaffee und ofenfrischen Cookies zu treffen, wäre eine spannende Erfahrung.

    Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

    Zur Person:
    Manuel Grossmann hat Wirtschaftswissenschaften und Kommunikation an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen studiert. Bereits im dritten Semester gründete er mit seinen Kommilitonen Max Finne und Simon Tüchelmann das Cookie-Start-up knusperreich (www.knusperreich.de). knusperreich zählt momentan 8 Mitarbeiter und hat Anfang Februar neue Büroräume in Berlin bezogen.

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    Christina Cassala

    Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

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