15 Fragen an Nicolás Boldt von Purmeo

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Ich mag es, Dinge zu bauen und zum Funktionieren zu bringen. Das geht auch in einer Festanstellung, aber nicht in der Dimension mit der […]
  • Von Christina Cassala
    Freitag, 14. Dezember 2012
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Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Ich mag es, Dinge zu bauen und zum Funktionieren zu bringen. Das geht auch in einer Festanstellung, aber nicht in der Dimension mit der wir bei Purmeo agieren. Wir haben eine funktionierende Lösung für ein wichtiges Problem gefunden und auf den Markt gebracht. Fakt ist: Kein Pharmakonzern stellt ein individuelles Produkt her, obwohl Vitamine und Mineralstoffe nur individualisiert Sinn machen und im Körper ihre volle Wirkung entfalten können – als eigener Chef konnte ich hier etwas ganz neues schaffen: Eine überfällige Lösung in einem wichtigen Markt, dem Gesundheitsmarkt.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Wir haben Purmeo aus Eigenbedarf gegründet: Im Studium haben wir viel Sport gemacht und uns wie viele Studenten nicht perfekt ernährt. Vor einer Klausurphase standen Pete und ich warteten in der Schlange in der Apotheke. Vor uns verlangte eine ältere Dame „etwas, was mein Immunsystem auf Trapp bringt“. Keine 2 Minuten später wollte uns der Apotheker dasselbe Mittel empfehlen. Das konnte nicht sein, dass uns die gleichen Vitamine fehlen wie einer Dame mit Mitte sechzig. Da sind wir das erste Mal hellhörig geworden und es stellte sich heraus: „Viel hilft viel“ gilt nicht für Vitamine und Mineralstoffe – nur Purmeo setzt das um.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Zu Anfang haben wir Starthilfe von Mymuesli bekommen. Wir sind außerdem in der glücklichen Lage seit kurzem größere institutionelle Investoren an Bord zu haben und vor allem als Business Angel: Jörg Paulmann, den Easy Apotheken-Gründer. Jörg hebt seinem Know-How und seiner Erfahrung Purmeo mit großer Geschwindigkeit auf die nächste Stufe.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Das schwierige an Purmeo war, dass wir das Produkt gleich 100% perfekt machen mussten. Wir konnten nicht mit einer Beta starten: Das Produkt, der Fragebogen, die Dosierungen, Inhaltsstoffe, Produktionsvorgaben und Rohstoffe mussten alle medizinischen Anforderungen genügen und EU-weiten Richtlinien entsprechen. Die Experten haben hier eine Menge geholfen, denn „Done is better than perfect“ ist im Gesundheitsmarkt keine Alternative.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase andersmachen?
Ich würde mir wahrscheinlich ein näheres, einfacheres Produkt aussuchen. Wir bieten den Purmeo-Kunden 100.000 Vitamin-Kombinationen an. Wir waren voll auf die Experten angewiesen und mussten neben dem Gründen ein halbes Medizinstudium nachholen. Das war sehr anstrengend.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Natürlich basiert unser Shop auf Online-Marketing, trotzdem haben wir zeitnah nach Start einen TV-Test geschaltet, eher aus dem Bauchgefühl heraus, dass Purmeo ein TV-Thema ist. Der Test hat tolle Zahlen produziert und wir arbeiten bereits hart und mit viel Freude daran, dass wir Anfang 2013 wieder im Fernsehen zu sehen sein werden.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Unsere größten Vorbilder waren die Gründer von mymuesli, die wir seit unserem ersten Jahr im Studium kannten. Mit ihnen zusammen haben wir die Idee dann weiterentwickelt und haben schließlich beschlossen Purmeo gemeinsam zu machen. Mit Ihrer Erfahrung aus den letzten fünf Jahren haben wir einen riesigen Sprung nach vorn gemacht. Aus unserer Idee wurde plötzlich eine Company.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Mit Experten arbeiten. Von Experten lernen. Schnellstens selbst Expertise aufbauen. Unser Expertenteam aus Ernährungsexperten und Medizinern ist Kern unseres Geschäfts, unseres Produkts und dem Vertrauensverhältnis zu unseren Kunden. Diese Expertise bringt Purmeo so weit nach vorn und neben unseren Kunden geben besonders Apotheker immer wieder positive Rückmeldung zur Qualität unseres Produkts, das hätten Pete und ich allein nicht geschafft.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Eine gesonderte Förderung für Neugründungen im Gesundheitssektor – das ist wichtig und muss gefördert werden. Es gibt dort eine Menge spannender Technologien sowie Produkte. Ich glaube je höher der Anreiz, desto mehr Gründer gehen in diese Richtung, auch aus den Reihen der Mediziner. Im Gesundheitsmarkt zu bleiben ist nicht schwierig: Die Kunden sind unendlich dankbar und offen mit Feedback für echte Innovationen und es macht eine Menge Spaß Menschen zu helfen, gesünder zu leben, mir persönlich auch deutlich mehr als eine Shopping App fürs iPhone beispielsweise.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Wenn es Purmeo nicht gegeben hätte wäre ich nach Texas gegangen um dort Döner zu verkaufen. Nach den zwei Gründern dort wäre ich der dritte Mann im Team gewesen. Döner ist richtig gemacht viel gesünder als die meisten wissen und die Amerikaner kennen so gut wie kein gesundes Fastfood. Verts (so heißt die mittlerweile Kette) ist aber auch ohne mich sehr erfolgreich. Purmeo ist dafür leichter skalierbar.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschenspielen?
Mich interessieren echte Innovationen, mein neuer Liebling ist Gumroad. Auch dort geht es nur um Lösungen und das ganze Unternehmen ist nur fixiert darauf, das beste Produkt zu erschaffen. Und das, ohne wie Purmeo, vorgegebene Richtlinien erfüllen zu müssen und ständig Qualitätsstandards für beispielsweise die Produktion zu haben. Gumroad hat bis zur 7 Millionen Series B aus dem Wohnzimmer heraus gearbeitet – das finde ich beeindruckend. Außerdem ist Gumroad sehr user-nah, Purmeo weckt in mir immer aufs Neue den Wunsch nach der Nähe zum Kunden, denn wahrscheinlich bekommt man für kaum Etwas so viel positives Feedback wie für ein personalisiertes Gesundheitsprodukt zum täglichen Wohlfühlen.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Alles nach 1897 – damals wurde Aspirin erfunden. ;)

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Im Moment natürlich ein einziges großes Investment in Purmeo. Das ausgenommen würde ich noch mehr Customization-Projekte im Health Bereich fördern. Die Pharma Branche steht noch gänzlich am Anfang das Trends der personalisierten Medizin. Purmeo ist hier nur ein kleines Rädchen neben beispielsweise Bio-Marker-Tests für personalisierte Krebsbehandlung.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?

Ich geh viel raus und mache Sport und koche gern. Berlin ist ein toller Ort, es gibt neben der Startup Szene so viel Kulturelles und Verrücktes. Den Sommer über habe ich meine Sonntage im Mauerpark beim Karaoke singen verbracht. Außerdem versorgt mich natürlich der Purmeo Health Coach immer mit tollen Tipps für Bewegung und Unternehmungen, so bleibt man auch in der kalten Jahreszeit immer in Bewegung und an der frischen Luft!

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Alfred Hitchcock, ich bin ein Filmliebhaber und er hat mit Sicherheit mit die besten Filme aller Zeiten gemacht. Leider ist er zu früh gestorben – an einem ungesunden Lebensstil! Wir hätten Purmeo früher gründen müssen…

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person
Nicolás Boldt hat an der WHU studiert. Kaum seinen Abschluss in der Tasche gründete er zusammen mit seinem Kommolitonen Peter Haag Purmeo (www.purmeo.de), einem Start-up, das derzeit große Aufmerksamkeit erhält. Zuvor hatte Boldt schon für mehrere international agierende Unternehmen gearbeitet.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.