“10 % der Anteile sollen allen Mitarbeitern zu Gute kommen” – Matti Niebelschütz von MyParfum

Das Berliner Start-up MyParfum (www.myparfum.de) wandelt sich zum Mitarbeiterunternehmen. Gründer Matti Niebelschütz vergibt 10 % seiner Anteile an aktuelle und ehemalige Mitarbeiter. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Niebelschütz über den Start im Kinderzimmer, […]

Das Berliner Start-up MyParfum (www.myparfum.de) wandelt sich zum Mitarbeiterunternehmen. Gründer Matti Niebelschütz vergibt 10 % seiner Anteile an aktuelle und ehemalige Mitarbeiter. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Niebelschütz über den Start im Kinderzimmer, maßgeschneidertes Parfum als Standard-Accessoire und die Motivation, Mitarbeiter am Unternehmenserfolg teilhaben zu lassen.

Sie haben kürzlich 10 % der Geschäftsanteile von MyParfum an ihre Mitarbeiter vergeben. Warum dieser – für deutsche Verhältnisse – ungewöhnliche Schritt?
MyParfum unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von anderen Start-ups in Deutschland. Als wir vor vier Jahren im ehemaligen Kinderzimmer gründeten war uns das noch nicht bewusst. Seitdem hat MyParfum es weiter gebracht, als es jemals ein Außenstehender für möglich gehalten hätte. Gemeinsam sind wir durch Dick und Dünn gegangen und teilen den Traum das Parfum neu zu erfinden. Mir ist es wichtig, fortan nicht nur diesen Traum mit allen Kollegen zu teilen.

Wer kommt alles in den Genuss, Anteilseigner von MyParfum zu werden?
Die Idee, alle Mitarbeiter am Unternehmenserfolg teilhaben zu lassen, reift in mir schon seit langer Zeit. Nun habe ich mich zu diesem rein privaten Versprechen entschlossen. 10 % der mir privat zustehenden Anteile sollen daher allen Mitarbeitern zu Gute kommen. Teilhaben sollen alle ehemaligen, aktuellen und zukünftigen Mitarbeiter, unabhängig von ihrer Tätigkeit oder Position. Einzige Bedingung: Mindestens 30 Tage Zusammenarbeit. Zurzeit sind dies rund 137 berechtigte Personen.

In vier Jahren haben über 130 Menschen an MyParfum mitgearbeitet?
Zurzeit sind wir bei MyParfum knapp über 50 Personen. Die große Anzahl der Alumnis kommt dadurch zustande, dass wir in der Anfangsphase sehr viele studentische Aushilfskräfte beschäftigt haben. Auch ist eine große Anzahl an Saisonpersonal aus Service und Produktion aus vier Jahren MyParfum dabei.

Wer ist am längsten an Bord?
Am längsten dabei ist unser technischer Produktionsleiter, Carsten Meier. Er ist nahezu von Anfang an dabei. Schon Anfang 2009, als wir unsere Flakons noch mit Klebefolien beschrifteten, fing als er Praktikant bei uns an. Wenig später übernahm er die Verantwortung für die Produktentwicklung. Heute ist er für unsere gesamte Produktions-Technologie zuständig und hat Innovationen geschaffen, für die MyParfum weltweit ausgezeichnet wurden.

Welche Rechte und Pflichten ergeben sich für die Mitarbeiter durch die Beteiligung an MyParfum?
Aufgrund des rein privaten und rechtlich unverbindlichen Charakters ergeben sich ausdrücklich keinerlei Rechte oder Pflichten. Die 10 % werden entsprechend der Dauer der Zusammenarbeit unter den Mitarbeitern aufgeteilt. Eine entsprechende Liste mit der aktuellen Aufteilung können die Mitarbeiter jederzeit einsehen. Zum hypothetischen Zeitpunkt einer Gewinnausschüttung oder Verkauf der Anteile wird der Ertrag entsprechend unter den Mitarbeitern aufgeteilt.

Können die Mitarbeiter ihre Anteile verkaufen?
Nein, faktisch und rechtlich existieren die Anteile gar nicht. Rein monetär betrachtet ist das Mitarbeiterversprechen also wertlos. In den letzten vier Jahren haben wir aber bewiesen, dass MyParfum eine Firma der Werte ist.

Daneben haben Sie gerade auch SevenVentures als Gesellschafter gewonnen: Was erhoffen Sie sich von der Beteiligung und dem damit verbundenen Werbedeal bei ProSiebenSat.1?
Wir freuen uns SevenVentures als Partner und Gesellschafter gewonnen zu haben. Wir teilen die Gewissheit, dass MyParfum seinen Kunden in Deutschland und weltweit einen einzigartigen Mehrwert bietet. Durch unsere individuellen Düfte geben wir Ihnen ein Stück Einzigartigkeit zurück. Durch unsere große Offensive im TV können wir diese Botschaft nun noch größeren Bevölkerungsschichten näher bringen. Vor ein paar Jahren hätte es keiner für möglich gehalten, schnurlos nach Amerika zu telefonieren. Ebenso wird in einigen Jahren das maßgeschneiderte Parfüm zum Standard-Accessoire geworden sein.

Ist TV-Werbung für E-Commerce-Start-ups eine Art Eierlegende-Wollmilchsau?
TV-Werbung ist ein großartiges Instrument, um schnell große Reichweite zu erzielen und zu skalieren. Allerdings will TV-Werbung gut controlled sein und lohnt sich mit Sicherheit nicht für jedes Start-up. Dank der Erfahrungen unseres Business Angels Frederik Fleck, der seit August 2011 an Board ist, konnten wir schon im letzten Jahr große Erfolge im TV-Bereich erzielen. Wir konnten aber auch lernen, was nicht für uns funktioniert.

Zum Beispiel?
So konnten wir den massiven Einfluss der Saisonalität des Parfummarktes auf die TV-Performance erkennen. Ebenso machen Senderauswahl, Umfelder, Kampagneneffekt und der Spot selbst einen großen Unterschied. Spots mitten in der Nacht zum Beispiel lohnen sich auch trotz niedrigem TKP für uns nicht. Insgesamt ist mal der Price-Per-Visit niedriger, mal die anschließende Conversionrate auf der Website höher. Im Endeffekt zählt für uns im Performance-TV Bereich der Gesamt-CPO.

Wie steht es in finanzieller Sicht um MyParfum, lohnt sich das Geschäft bereits?
MyParfum ist bereits seit mehr als vier Jahren am Markt. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, nicht verfrüht weitere Gesellschafter oder VCs an Bord zu nehmen. Aus diesem Grund war der Wachstum nicht immer leicht und wir hatten auch schwierige Zeiten. Gleichzeitig waren wir aber immer auf ausgeglichene Finanzen angewiesen. Diese Einstellung haben wir uns erhalten und konnten fünf Jahre in Folge eindrucksvolle Wachstumszahlen schreiben.

Wirtschaftet MyParfum profitabel?
Bei MyParfum steht der Kunde im Zentrum. Entsprechend viel investieren wir, um unser Produkt zu optimieren und weitere glückliche Kunden zu gewinnen. Dennoch erwarten wir auch in diesem Jahr wieder ein positives Betriebsergebnis.

MyParfum hieß früher MyParfuem: Warum diese kleine, aber feine Änderung?
Die gute alte Frage: Parfum oder Parfüm. Laut Wikipedia und Duden geht beides. Der Durchschnittsdeutsche spricht wohl Parfüm. Parfum hingegen verströmt einen gewissen französischen Charme. Nach vier Jahren ist die jugendlich pinke Marke MyParfuem nun erwachsen geworden.

Wo steht MyParfum in einem Jahr?
In fünf Jahren werden wir gemeinsam mit unseren Kunden weltweit das Parfum neu erfunden haben. Gleichzeitig werden wir den Menschen ein Stück Einzigartigkeit zurückgegeben haben. Unsere Technologie-Führerschaft und exzellente Produktqualität stellt schon heute vieles in den Schatten. In einigen Monaten jedoch, werden wir die großartigsten Parfums weltweit entwickeln. Gleichzeitig werden wir uns die Freunde daran bewahren.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.