15 Fragen an Steffen Zoller von Betreut.de

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Sich die Freiheit zu nehmen, den Kurs selbst zu bestimmen, zu gestalten und zu entscheiden, wohin sich ein Unternehmen entwickelt. Das ist eine sehr […]
  • Von Christina Cassala
    Freitag, 30. November 2012
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Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Sich die Freiheit zu nehmen, den Kurs selbst zu bestimmen, zu gestalten und zu entscheiden, wohin sich ein Unternehmen entwickelt. Das ist eine sehr intensive Erfahrung, denn es geht eine große Verantwortung damit einher: für Partner und vor allem für die eigenen Mitarbeiter und deren Familien.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Das war 2007. Ich war damals selbst auf der Suche nach einer passenden Betreuung für meinen Vater. Das bestehende Angebot empfand ich als ungenügend und wenig vertrauenswert. Zeitgleich taten sich enge Freunde schwer damit, kurzfristig zuverlässige Kinderbetreuung zu finden. Die Idee für Betreut.de war geboren: eine sichere, transparente Plattform, auf der Familien und Betreuung zusammenfinden.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Für die Finanzierung konnten wir drei strategische Partner gewinnen: Holtzbrinck Ventures, Mutschler Ventures und Rocket Internet.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Neben den bürokratischen Hürden waren es vor allem ganz praktische Dinge, die uns den Start erschwerten: Zum Beispiel die Suche nach Büroräumen. Ich würde im Nachhinein behaupten, dass sich die Gespräche mit den Vermietern als langwieriger erwiesen haben als die mit Kapitalgebern. Und natürlich das Geschäftsmodell selbst: Wir haben es bestimmt drei oder viermal überworfen, bis es tragfähig war und ist.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich würde wahrscheinlich früher mit der Bürosuche anfangen… und noch konsequenter auf Tracking setzen. Heute würde man wohl sagen die Business Intelligence konsequenter aufbauen, um von der ersten Stunde an das Augenmerk auf den Kunden und seine Bedürfnisse zu richten. Das zahlt sich aus.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Als Online-Plattform ist Online-Marketing unser Schlüssel zum Erfolg. Neben den klassischen Instrumenten SEO und SEA setzen wir auf Empfehlungsmarketing, Kooperationen und Social Media. Aber wir investieren beim Thema Markenbekanntheit natürlich auch in Offline-Kanäle wie TV-Spots und zahlreiche PR-Aktionen, um unser Tagesgeschäft zu unterstützen.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Das war Christian Weiß, der damals Rocket Internet geführt hat. Für mich ist und bleibt er der „Onkel des Internets“.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Einfach anfangen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es die perfekte Lösung nicht gibt. Dabei sollte man jedoch niemals den Blick für den Kunden verlieren. Es ist essenziell, das Verhalten zu analysieren und seine Schlüsse für das Geschäftsmodell daraus abzuleiten. Die Konkurrenz schläft nicht und die Kunden schrauben ihre Erwartungen in der Regel auch nicht runter.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Man könnte jetzt wieder die bürokratischen Hürden kritisieren, die das Gründungsklima sicherlich beeinflussen. Ich würde mir von ihm aber lieber Initiativen in eine andere Richtung wünschen, weil ich glaube, dass sich gute Ideen am Ende durchsetzen. Deshalb würde ich mir wünschen, dass er eine Bildungsinitiative anstößt, die Unternehmergeist bereits in der Schule fördert und gezielt weiterentwickelt. Wir brauchen mehr Bewusstsein dafür, dass es gerade heute Alternativen zu den klassischen Karrierepfaden gibt. Davon werden am Ende alle profitieren.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Vermutlich hätte ich mich darum bemüht, als Nachfolger ein KMU zu führen. Aber fragen Sie mich jetzt bitte nicht welches…

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschenspielen?
Es gibt so viele, die es wert wären. Aktuell würde mich fab.com am meisten reizen. Ein stylisher, spannender Ansatz und ein sehr agiles Unternehmen.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Es ist keine Epoche, aber ich würde gerne zurück zur Gründung in 2007, um mir für den Weg Mut zuzusprechen: Es wartet viel mehr Spaß auf einen als man selbst wahrhaben will und ganz viele begeisternde Menschen, die diesen Weg mit einem gehen.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Die ehrliche Antwort ist: 45% sparen, 45% in neue Geschäftsmodelle investieren, 10% spenden. Es gibt so viele Ideen, die es wert ist, gefördert zu werden.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Am liebsten mit meiner Hündin Sunny und viel Sonne am Grunewaldsee. Gern in Begleitung einer heißen, weißen Schokolade.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Zum Kaffeekränzchen würde ich gerne Alice Schwarzer, Mark Zuckerberg und Jogi Löw einladen. Das wäre bestimmt eine illustre Runde und man würde bestimmt über Themen sprechen, die einem jetzt gar nicht einfallen. Es gibt so wenig offensichtliche und doch wieder so viele subtile Schnittpunkte. Wer möchte, darf sich mir auch bei einer weißen Schokolade anschließen.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwepunkt “15 Fragen an

Zur Person
Steffen Zoller gründete im August 2007 die Besser Betreut GmbH. Der Unternehmer machte 2005 seinen Abschluss als Diplom-Kaufmann an der Handelshochschule Leipzig (HHL) und fokussierte sich anschließend auf den Marketingsektor. Dort sammelte er umfassende Berufserfahrung in einem internationalen Umfeld. Heute setzt er sich mit der Besser Betreut GmbH (www.betreut.de) für den Ausbau und die Vermarktung von digitalen Angeboten für Familien ein und ist verantwortlich für die Bereiche Marketing, Betreuung und Internationalisierung.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.