Lasst Android bei der Entwicklung von Apps nicht außen vor!

So oft passiert dies: ‘Wow, spannendes Start-up. Gleich mal die App angucken!’ Und auf der Website des Unternehmens liest man dann: ‘Hol Dir die App aus dem iStore.’ Ok, und wo geht’s hier […]
Lasst Android bei der Entwicklung von Apps nicht außen vor!

So oft passiert dies: ‘Wow, spannendes Start-up. Gleich mal die App angucken!’ Und auf der Website des Unternehmens liest man dann: ‘Hol Dir die App aus dem iStore.’ Ok, und wo geht’s hier zur Android-App?! Nirgends. Gibt’s nicht. Niente. Nada. Das ist ärgerlich. Und schade. Und mittlerweile auch völlig unverständlich. Denn es gibt gute Gründe, warum Apps zeitgleich oder sogar zuerst für Android entwickelt werden sollten statt nur für die Nutzer von iPhone oder iPad: Es geht in diesem Artikel nicht darum, ins Schlachtgeheul zwischen Apple-Jüngern und Android-Fans einzustimmen. Denn dieser Kleinkrieg ist ähnlich lächerlich wie der zwischen Nachbarn, die sich bis aufs Blut wegen Nichtigkeiten fetzen.

Und an kaum einer Fan-Front wird mit so harten und teilweise so dämlichen Bandagen gekämpft wie im Kleinkrieg zwischen Apple- und Android-Anhängern. Dabei sind sich die Parteien für keine noch so idiotische Argumentation zu schade.

Ein Beispiel aus jüngerer Zeit ist die Schlacht auf Twitter zwischen #teamiphone und #teamandroid, als die Instagram-App endlich (!) auch für Android veröffentlicht wurde. Caschys Blog berichtete ausführlich darüber: Instagram Wars – Schlagabtausch zwischen Android- und iPhone-Nutzern.

Beide Betriebssysteme haben ihre Berechtigung. Soll doch jeder mit dem System glücklich werden, das ihm am besten gefällt. Wenn man schon missionieren muss, dann doch lieber in Bereichen, in denen das der Welt irgendeinen Nutzen bringt…

Aber für welches Betriebssystem auch immer man sich entscheidet: Bei spannenden neuen Anwendungen haben die Android-Nutzer oft erst einmal das Nachsehen. Denn viele Applikationen, gerade im innovativen und kreativen Bereich, werden nur für das iOS-Betriebssystem entwickelt – jedenfalls zunächst mal.

Warum?! Dafür findet man einige – zum Teil doch recht krude – Begründungen, denen hier mal auf den Grund gegangen werden soll.

Das Killerargument schlechthin, das ich kürzlich zu hören bekam, warum eine schicke neue Anwendung nur als App für iOS entwickelt wurde, war: ‘Das macht man doch immer schon so.’ Hey, früher klopften auch alle ihre Teppiche draußen über einer Stange. Würde man deshalb heute noch einen Teppichklopfer einem Staubsauer vorziehen?!

Aber es gibt stichhaltigere Begründungen, die angeführt werden: Im Juli 2012 gab es beim Business-Insider den Versuch einer Begründung, warum Apps eher für iPhones als für Android-Handys entwickelt werden: Why Apps Are On iPhone First And Android Second. Ins Deutsche übersetzt hat den Artikel dann das Apfel-Blog: Warum Apps zuerst für iOS entwickelt werden.

3 Gründe werden genannt, warum iOS-Apps die erste Wahl seien:

  • iPhone-Nutzer seien bereit, mehr Geld für Apps auszugeben
  • Android-Apps seien zeit- und kostenintensiver in der Entwicklung
  • iPhone-Nutzer gelten eher als ‘Early adopters’ für neue Anwendungen

Schauen wir und diese und weitere Argumente mal im Einzelnen an:

Sind iOS-Nutzer wirklich zahlungswilliger für Apps als Android-User?

Dass iPhone-Besitzer eher bereit sind, für Apps zu zahlen, liest man immer wieder – meistens schlicht als Behauptung und ohne Zahlenbelege – aber ist das wirklich so?

ios_android2

Die Ergebnisse einer Untersuchung aus dem Februar 2012 – dargestellt in einer Infografik: The State of Mobile App Quality: Android vs. iOS – zum Beispiel kann man auch anders interpretieren: Demnach ist die Unzufriedenheit der User mit der App-Preisgestaltung bei Apple-Nutzern deutlich höher als bei Android-Nutzern.

Diese Unzufriedenheit könnte zwar auch einfach bedeuten, dass die Apps zwar nur zähneknirschend, letztendlich aber dennoch gekauft werden. Aber vermutlich gibt es bei einer derartigen Unzufriedenheit mit der Preisgestaltung auch viele, die deswegen dann tatsächlich nicht kaufen.

Das würde dann dieser Begründung für ‘Apps erst für iOS’ widersprechen.

Gestützt wiederum wird die These der höheren Zahlungsbereitschaft von iPhone-Usern zum Beispiel durch eine Umfrage bei cio.de, in der es im Januar 2012 um den Bedarf für Sicherheits-Software für die mobilen Geräte ging:

Gut 80 Prozent der Android-Nutzer wünschten sich Security-Software, aber nur etwa die Hälfte aller iOS-Nutzer – sie halten ihre Plattform für relativ sicher. Bei der Bereitschaft, für solche Anwendungen auch zu bezahlen war das Verhältnis allerdings genau umgekehrt: Knapp 70 Prozent der iOS-User wären bereit, dafür zu bezahlen, aber nur etwa 35 Prozent der Android-User.

Android-Apps seien zeit- und kostenintensiver in der Entwicklung

Ich habe mir 8 verschiedene App-Entwicklungs-Anbieter im Netz angesehen, die sowohl Apps für iOS als auch solche für Android entwickeln – und die ihre Preise online haben.

Bei keinem (!) der acht Anbieter fand ich Preisunterscheide zwischen der Entwicklung von iPhone-App oder Android-App.

Entweder, all diese Anbieter arbeiten mit einer Mischkalkulation, bei der sie die iOS-Apps teurer anbieten als der Aufwand eigentlich ist und die Android-Apps entsprechend günstiger oder das Argument, dass die Entwicklung von Android-Apps kostenintensiver ist, stimmt einfach nicht.

Zwischenfazit also: Bisher ist noch kein Argument, Apps nur oder auf lange Zeit zunächst für iOS zu entwickeln, wirklich verifiziert.

Der nächste Artikel zu diesem Thema wird sich ausgiebiger den verschiedenen Aussagen über die Nutzer der beiden Betriebssysteme widmen. Stay tuned ;-)

Elke Fleing aus Hamburg liefert Texte aller Art, redaktionellen Content und Kommunikations-Konzepte. Sie gibt Seminare, hält Vorträge und coacht Unternehmen. Bei deutsche-startups.de widmet sie sich vor allem Themen und Tools, die der Erfolgs-Maximierung von Unternehmen dienen.

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