Ich sprüh’s auf jede Wand: Neue Start-ups braucht das Land

Ein altes Sprichwort lautet: “Not macht erfinderisch”. So wird besonders in Krisen auf die innovativen Entrepreneure geschaut, die mit Start-ups Unternehmen und Arbeitsplätze schaffen. Da sich insbesondere die USA in einer schweren Krise […]
Ich sprüh’s auf jede Wand: Neue Start-ups braucht das Land

ds_idee

Ein altes Sprichwort lautet: “Not macht erfinderisch”. So wird besonders in Krisen auf die innovativen Entrepreneure geschaut, die mit Start-ups Unternehmen und Arbeitsplätze schaffen. Da sich insbesondere die USA in einer schweren Krise befinden, hat sich “The Partnership for a New American Economy” gegründet. Diese Initiative wurde 2010 von Michael R. Bloomberg, Bürgermeister von New York City, ins Leben gerufen und verfolgt das zentrale Ziel: Die USA müssen die eigene Immigrationspolitik ändern. Denn smarte Immigranten mit guten Ideen, gründen Unternehmen und bringen Arbeitsplätze. Co-Chair der Initiative Steven A. Ballmer spricht von der “innovation workforce of the future“.

Diese Initiative veröffentlichte im Mai den Report “Not Coming To America” und stellte in dieser den Fall des Claudio Carnino vor. Ein junger Italiener, der ein Unternehmen mit VC-Geld starten wollte, dass bereits zugesagt und an die Gründung in den USA gebunden war. Aber Carnino kriegte kein Visum – wegen der hinderlichen US immigration laws. Stattdessen ging Carnino nach Chile.

Chile verfolgt das Ziel, Südamerikas Start-up-Land Nr. 1 zu werden. Dazu wurde Start-Up Chile gegründet. Für dieses Programm können sich Entrepreneure aus aller Welt bewerben. Voraussetzungen:

* Eignung und Verpflichtung (commitment) des Gründerteams
* Business Plan/Geschäftsmodell
* Wertigkeit des Netzwerkes des Gründerteams für das chilenische Entrepreneurship Ökosystem

Wer angenommen wird, erhält:

* 40.000 USD nicht rückzahlbaren Zuschuss
* Ein-Jahres-Visa, um das Start-Up innerhalb von sechs Monaten zu entwickeln
* Zugang zu den wichtigsten Netzwerken im Land

Claudio Carnino nahm 2010 teil und gehörte damit zu den 22 ausgewählten Start-ups aus 14 Ländern, die nach Chile gingen. Inzwischen schloss Start-up Chile die fünfte Runde ab und zum 10. Juli 2012 bewarben sich 1.509 Entrepreneure aus 61 verschiedenen Ländern.

The Economist beschreibt in seiner Ausgabe vom 30. Juni 2012 die Bedeutung der Ausländer für das Wachstum und den Wohlstand Londons. Im Vergleich zu New York, wo 80 % der Dealmaker an der Wall Street Amerikaner und 90 % der Wall Street-Deals amerikanisch sind, haben 90 % der Deals in London internationalen Charakter und 65 % der Dealmaker sind Ausländer.

Und Deutschland? “Deutschland bringt zu wenige junge Unternehmen mit einer echten Wachstumsstory hervor, die es bis in die internationale Topliga schaffen”, sagt Hendrik Hollweg, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Ernst & Young. Es fehle ein Entrepreneurship Ökosystem mit VC Kultur, sagt Christophe Maire auf der telegraphen_lounge. Wir brauchen eine Innovationskultur, sagt Nadine Schön, MdB.

Deutschland braucht Start-ups! Laut Statistischem Bundesamt (destatis.de) gab es in 2009 3.597.248 Unternehmen in Deutschland. Bei 90 % dieser Unternehmen handelte es sich um Kleinstunternehmen (Umsatz bis 2 Millionen Euro und weniger als 9 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte). Das Statistische Bundesamt gliedert die Unternehmen in Klassen (Klassifikation der Wirtschaftszweige). Buchstabe J steht für den Wirtschaftsabschnitt “Information und Kommunikation”, der 130.311 Unternehmen mit 848.791 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten umfasst, die über 206 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften. Auf Nachfrage erhielt deutsche-startups.de detailliertere Zahlen für den Abschnitt J: So entfallen auf die Wirtschaftszweige “62.0 Erbringung von Dienstleistungen der Informationstechnologie”, “63.1 Datenverarbeitung, Hosting und damit verbundene Tätigkeiten; Webportale” und “63.9 Erbringung von sonstigen Informationsdienstleistungen” des Wirtschaftsabschnitts J “Information und Kommunikation”:

Unternehmen mit 0-9 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten
* 97.053 Unternehmen
* 69.934 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte
* 17,5 Milliarden Euro Umsatz

Unternehmen mit 10-49 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten
* 5.569 Unternehmen
* 113.998 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte
* 12,9 Milliarden Euro Umsatz

Die destatis-Zahlen zeigen deutlich die Bedeutung von kleinen Unternehmen für das gesamte wirtschaftliche Ökosystem. Gerade in einem Land ohne Rohstoffe, wie Deutschland, kommt innovativen Wirtschaftszweigen, wie 62.0 bis 63.9, eine besondere Bedeutung zu. Stattdessen wurde Anfang des Jahres das Existenzgründerprogramm der BfA de facto abgeschafft. Chile hingegen scheint dazu gelernt zu haben und twittert: “Instead of changing the world through revolution, we can change the world through #innovation”