Nextsocial will vom Crowd-Liebling zur Social Commerce-Macht aufsteigen

Crowdfunding erinnert ein wenig an Casting-Shows: Newcomer tauchen auf, präsentieren ihr Können und wer am Ende das Publikum auf seiner Seite hat, bekommt einen gut dotierten Vertrag. Zum echten Kassenschlager wurde Ende Mai […]
Nextsocial will vom Crowd-Liebling zur Social Commerce-Macht aufsteigen

Crowdfunding erinnert ein wenig an Casting-Shows: Newcomer tauchen auf, präsentieren ihr Können und wer am Ende das Publikum auf seiner Seite hat, bekommt einen gut dotierten Vertrag. Zum echten Kassenschlager wurde Ende Mai Nextsocial (www.nextsocial.de) aus Berlin. Das Social Commerce Start-up überzeugte 196 Mikroinvestoren auf Seedmatch innerhalb nur eines Tages von seiner Facebook Deal Plattform. Damit es nicht beim One-Hit-Wonder bleibt, setzt Nextsocial auf weitere Geldgeber. Die 100.000 Euro aus dem Crowdfunding seien eine willkommene Finanzspritze, jedoch nicht überlebensnotwenig gewesen, wie Gründer und Geschäftsführer Raphael Pochhammer (Foto: links) berichtet.

Zuvor hatte man schon Angel-Funding erhalten, hinzu kommt seit Neuestem eine sechstellige Summe aus dem Programm zur Förderung von Forschung, Innovation und Technik (ProFIT) der Investitionsbank Berlin (IBB). „Wir haben Seedmatch nicht nur wegen des Geldes gemacht, sondern weil es uns als geeigneter Multiplikator erschien, was sich auch bestätigt hat“, erklärt Raphael Pochhammer. Die Crowd-Investoren geben qualifiziertes Feedback und sollen idealerweise für erste virale Verbreitung des Services sorgen.

Nextsocial hilft Online-Händlern dabei, Aktionen oder Deals unkompliziert in ihre Facebook-Fanseiten einzubinden und direkt dort abzuwickeln. Denn, so findet Raphael Pochhammer, zehntausende Facebook-Likes bringen gar nichts, wenn man nichts mit ihnen anzufangen weiß: „Über Jahre haben Brands ihre Facebook-Fanbase aufgebaut, aber haben nun das Problem, dass diese Fans zu passiv sind, weil ihnen zu wenig geboten wird. So kam uns die Idee, ein Tool zu entwickeln, das es Facebook-Seitenbetreibern ermöglicht, Fans zu aktivieren und auch zu monetarisieren.“

Mittels PayPal können User spontan zuschnappen, denn die Kaufabwicklung findet sofort auf der Seite per Inlineframe statt, ohne Weiterleitung zu einem externen Shop. Eine Facebook-App muss der Nutzer dazu nicht akzeptieren und Facebook bekommt auch die Daten der Kaufabwicklung nicht zu sehen.

nextsocial_Produkt

Das Team von Nextsocial bringt reichlich E-Commerce- und Start-up-Erfahrung ein. Raphael Pochhammer baute in seiner Zeit bei der Axel Springer AG Services wie Profis.de und Immonet mit auf, Anfang 2010 folgte die Gründung von Clipscale, einem Videovermarkter für mittelständische Unternehmen. Momentan liegt Clipscale jedoch auf Eis – auch eine Website gibt es zurzeit nicht. Nextsocial-Mitgründer Benjamin Brandt steckte seinerzeit hinter der Karaoke-Plattform TalentRun, die später mit MikeStar fusionierte und Ende 2011 aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben musste.

Mit Nextsocial wollen Pochhammer und Brandt, die sich aus Abitur-Zeiten kennen, nun von Anfang an auf ein skalierbares Geschäftsmodell setzen. Seit November 2011 gibt es das Unternehmen, momentan ist man in der Betaphase und entwickelt die Angebote gemeinsam mit Testkunden noch manuell. Mit dem Kampagnen-Dashboard, welches im Herbst starten soll, können Anbieter dann selbstständig wechselnde Deals nach eigenem Zeitplan einstellen. Nextsocial verlangt keine monatliche Gebühr, sondern behält derzeit sechs Prozent Verkaufsprovision ein.

Auch andere Facebook-Shop Services bieten zeitlich begrenzte Promotions an, etwa die F-Commerce Plattform Ondango oder Group-Buying Start-up CrowdUp. Im Unterschied dazu will Nextsocial jedoch weder vollwertiger Online-Shop noch Deal-Seite á la Groupon sein, sondern als Marketing- und Vertriebstool für Facebook-Pages eine eigene Nische besetzen, hofft Raphael Pochhammer: „ Es werden nicht einfach Produkte aus dem Katalog auf Facebook abgebildet, sondern ein wiederkehrendes Kauferlebnis geschaffen: eine Art Bespaßungstool, das regelmäßig Mehrwert bietet, um die Fans zu belohnen.“

Der Kundenkreis dafür sei potenziell groß. Das Konzept könne für Hersteller von Lifestyle-Produkten, aber auch Services wie Gastronomie oder Reisen attraktiv sein. „Wichtig ist, dass es etwas ist, was man als Impulskauf innerhalb von zwei bis drei Klicks kaufen kann. Also ein One-Product-Shop für besondere Angebote, die man spontan haben will, ohne dass zuvor eine Kaufabsicht bestand“, erklärt der Gründer.

Zukünftig will Nextsocial eine Multichannel-Strategie mit weiteren Netzwerken wie zum Beispiel Twitter fahren, auch Widgets für Händler-Websites sind geplant. Raphael Pochhammer: „Unsere Vision ist eine Komplettlösung für Social Commerce zu sein, um Deals auf Facebook und anderen Kanälen zu erstellen und diese direkt mit einem Mediabuchungstool in verschiedenen Werbenetzwerken zu bewerben sowie nach KPIs, zum Beispiel Share-Rates, auszuwerten.“ Dass dieser Plan aufgeht, hoffen wohl auch die 196 Crowd-Investoren.

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