15 Fragen an Stefanie Schmidt von futalis

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Für mich bedeutet es die Möglichkeit, medizinische Erkenntnisse für ein größeres Publikum zugänglich zu machen und eigene Ideen in die Realität umzusetzen. Ich denke […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Für mich bedeutet es die Möglichkeit, medizinische Erkenntnisse für ein größeres Publikum zugänglich zu machen und eigene Ideen in die Realität umzusetzen. Ich denke die Freiheit, eigene Ziele zu definieren und zu verfolgen, hat einen besonderen Wert.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die Idee zu futalis entstand während meiner Arbeit am Institut für Tierernährung der Universität Leipzig. Als Leiterin der Ernährungsberatung war ich vermehrt mit dem Problem einer bedarfsgerechten Ernährung von Patienten konfrontiert. In diesem Zusammenhang habe ich Anfang 2011 das Projekt Tiergesundheit ins Leben gerufen, um an einem Ernährungskonzept zu arbeiten, das auf der veterinärmedizinischen Rationsberechnung basiert und den Hunden somit eine
bedarfsgerechte Nährstoffversorgung bietet. Im Rahmen eines Entrepreneurship-Seminars an der Handelshochschule in Leipzig, welches auf die Vernetzung von Forschung und Betriebswirtschaft abzielte, kamen meine heutigen Mitgründer Janes Potthoff und Christian Hetke auf mich zu und schnell war die Idee zu futalis geboren.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Das Kapital stammt in erster Linie vom High-Tech-Gründerfonds, der uns in sein Life-Science Portfolio aufgenommen hat. Des Weiteren haben wir die Förderung durch das exist-Gründerstipendium erhalten, private Business Angels für uns gewinnen können sowie eigene Mittel eingebracht.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Gründungen aus der Wissenschaft benötigen eine besondere Herangehensweise. Durch den hohen Forschungsanteil in unserer Gründungsphase war es für uns eine besondere Herausforderung, die unterschiedlichen Disziplinen zusammenzubringen. Tiermedizin, Mathematik, Informatik und Betriebswirtschaft haben alle ihre eigenen Methoden und Vorgehensweisen. Daher war es für uns sehr wichtig, von Anfang an ein gemeinsames Verständnis bzw. eine gemeinsame Sprache für unsere Arbeit zu finden. Darüber hinaus kämpft sicherlich jede universitäre Ausgründung damit, den wissenschaftlichen Qualitätsanspruch in die Realität umzusetzen. Glücklicherweise wurden wir sowohl von Seiten der Wissenschaft als auch der Praxis stark unterstützt, so dass uns dieser Spagat gelungen ist.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Da wir uns quasi noch in der Gründungsphase befinden, vermag ich hier noch kein klares Statement abzugeben.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Als Start-up im Bereich Heimtiergesundheit sind unsere Kunden sehr anspruchsvoll. Sie verlangen nach einer hohen Qualität des Futters sowie der Dienstleistungen und wollen umfangreich über sämtliche Hintergründe informiert werden. Daher ist ist es in diesem Markt besonders wichtig, sehr transparent zu kommunizieren, was man tut und wofür man steht. Da unsere Kunden aber sozio-demographisch sehr verschieden sind, kann ich nicht sagen, dass ein einziges Marketing-Medium eine besondere Wichtigkeit für uns hat. Vielmehr ist es uns wichtig, sowohl im Online als auch im Offline Bereich klar darzustellen, wer wir sind, was wir tun und warum wir es tun.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Wir haben wirklich von sehr vielen Personen großartige Unterstützung erfahren. Ein ganz besonderer Dank gilt meinem Mentor Prof. Dr. Manfred Coenen, der uns von Anfang an in unserer Entwicklung unterstützt hat und uns Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen, Laboren und Einrichtungen für die Entwicklung ermöglichte. Darüber hinaus haben uns auch die Handelshochschule Leipzig, vertreten durch Prof. Pinkwart und Dr. Baisch, sehr unterstützt sowie weitere Professoren aus der Tiermedizin und anderen Leipziger Hochschulen. Auch vielen Züchtern des VDH, die uns in sehr unterschiedlichen Bereichen geholfen haben, gebührt unser Dank.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
An die eigene Idee glauben und Durchsetzungsvermögen zeigen.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Eine Erfahrung aus der Gründung von futalis ist, dass die Bedeutung von guten Mitarbeitern nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Für einige Prozesse innerhalb der futalis-Rationsberechnung waren wir lange auf der Suche nach den richtigen Mathematikern. Das gleiche gilt für die IT, wo wir besondere Anforderungen an die Fachkenntnisse stellen. Ich denke, für Gründungen und allgemein die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland spielt die Ausbildung eine übergeordnete Rolle. Einen Mangel an Fachkräften werden wir sehr kurzfristig bezahlen müssen.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Der Weg in die Veterinärmedizin war für mich schon sehr lange festgelegt und stellt für mich eher Berufung als Beruf dar. Mich interessiert hierbei sowohl die Praxis als auch die Forschung. Hätte ich meine wissenschaftlichen Kenntnisse nicht durch futalis in die Praxis überführt, säße ich jetzt an neuen Ideen, die Tiermedizin voranzubringen.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Ich spiele in meiner Freizeit selbst leidenschaftlich gerne Schlagzeug und war begeistert von der Idee von Rockstroh Drums aus Leipzig zu ihren individuellen Drumsets. Dort gäbe es als Mäuschen bestimmt einiges zu hören!

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Ich würde ins Mittelalter reisen. Im Gepäck eine Zusammenstellung über das aktuelle medizinische Wissen. Ich bin schon gespannt welche Fortschritte ich dann bei meiner Rückkehr bewundern könnte!

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich würde einige Forschungsprojekte ins Leben rufen, um Fragestellungen zu klären, die mir schon lange unter den Nägeln brennen. Natürlich würde ich mir und meinen Freunden auch noch ein paar kleine persönliche Wünsche erfüllen.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Am liebsten verbringe ich den Tag gemeinsam mit meiner kleinen Familie bestehend aus Freund, Hund und Pferd entspannt in der Natur.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Um mich ein wenig aus meiner sehr fachlichen und kenntnisbasierten Welt zu lösen, wäre es sehr interessant sich mit einer philosophischen Persönlichkeit wie dem Dalai Lama zu unterhalten und neue Ansichtsweisen und kreative Ideen zu erlangen. Nur gäbe es dann wohl eher Tee.

Zur Person
Stefanie Schmidt gründete Ende 2011 gemeinsam mit Christian Hetke und Janes Potthoff futalis (www.futalis.de). Das Team erstellt bedarfsgerechtes Hundefutter, welches für jeden Hund individuell auf Grundlage von neun Kriterien hergestellt und in handlichen Rationen verpackt wird. Stefanie Schmidt ist Tierärztin – vor der Gründung von futalis unterrichtete und forschte sie an der Universität Leipzig.

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.

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