15 Fragen an Andreas Clever von Triviado

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Mein eigener Chef zu sein, ist mir nicht wirklich wichtig. Es bedeutet mir allerdings viel, mein eigenes „Baby“ gestalten und vorantreiben zu können. Wenn […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Mein eigener Chef zu sein, ist mir nicht wirklich wichtig. Es bedeutet mir allerdings viel, mein eigenes „Baby“ gestalten und vorantreiben zu können. Wenn man sein eigenes Produkt fertig stellt, erste Kunden gewinnt und diese mit dem Produkt auch noch glücklich macht, ist das schon etwas Unvergleichliches.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die Idee zu unserer Wissensplattform Triviado, die Wissen in Form von Quiz vermittelt, kam mir nach einer Party. Auf der Feier haben wir uns mit ein paar Freunden gegenseitig Quizfragen zur Fußball-WM 1990 gestellt, zum Beispiel „Wer hat neben Jürgen Kohler in der deutschen Manndeckung gespielt?“ Wenn einer eine Frage nicht beantworten konnte, war eine Runde Getränke fällig. Das hat viel Spaß gemacht und mich bei meiner persönlichen Leidenschaft Fußball gepackt. So ist die Idee dann nach und nach gereift.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Wir haben für unsere Seed-Finanzierung einen etwas ungewöhnlichen Ansatz gewählt, indem wir eine relativ große Anzahl von Freunden und Bekannten als Investoren an Bord geholt haben. Das hat den Vorteil, dass unsere Investoren uns nun proaktiv helfen und uns insbesondere ihre Netzwerke öffnen. Das hätten sicherlich auch andere Investoren gemacht, aber nicht so proaktiv. Auf diesem Wege sind wir nun schon mehrfach unverhofft mit interessanten Geschäftspartnern in Kontakt gekommen. Zusätzlich zu diesen Freunden und Bekannten haben wir noch gezielt ein paar ausgewählte Branchenexperten als Angel Investoren gewonnen, die uns neben ihrem Kapital auch ihre Expertise und Kontakte zur Verfügung stellen.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Schwer zu sagen. Ich wage zu behaupten, dass ein Start-up insgesamt immer eine Achterbahnfahrt ist. Von daher gibt es immer wieder Herausforderungen, die man meistern muss. Das macht ja auch den Reiz aus und macht Spaß. Was immer länger dauert als man vorher denkt, sind aber zum Beispiel die ganzen bürokratischen Dinge. Bei uns war etwa der Visumsprozess in den USA recht aufwändig.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Rückblickend ist man immer schlauer. Aber ich würde wahrscheinlich nichts großartig anders machen. Denn nur aus Fehlern lernt man die wichtigen Lektionen für die Zukunft. Wichtig ist nur, dass man aus seinen Fehlern die richtigen Schlüsse zieht und sie nicht ein zweites Mal macht. Ich finde es sogar sinnvoller, schnell einen Fehler zu begehen und diesen zu korrigieren als Entscheidungen lange vor sich herzuschieben oder überhaupt keine Entscheidung zu treffen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Wir nutzen einen Mix aus verschiedenen Marketing-Möglichkeiten. Angefangen von SEO über Pressearbeit bis hin zu Werbung auf Google und Facebook. Wir haben allerdings mit unserem Produkt einen einzigartigen Vorteil: Insbesondere unser Quiz-Widget ist hervorragend geeignet, um einen echten Mehrwert für Medienpartner zu bieten, da sie die Quizbox einfach mit unserem passgenauen Content in ihre Online-Artikel integrieren können. Mit dem Quiz-Widget können unsere Partner nicht nur ihre eigenen Nutzer begeistern, sondern auch echtes Geld verdienen. Von daher konzentrieren wir uns auf Medien-Partnerschaften als Hauptspielart. In der Regel stricken wir die Deals dann so, dass sowohl unsere Partner als auch wir Spaß daran haben.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Vor allem meine beiden Co-Founder: Tobias Wittmann und mein Bruder Christian. Ohne sie wäre es gar nicht zur Gründung gekommen. Für mich persönlich hat meine Freundin Anja eine unglaubliche Rolle gespielt. Das Gleiche gilt auch für die Freundin von Christian. Ein Start-up zu führen ist nicht nur zeitaufwändig, sondern in manchen Situationen auch ungemein stressig. Wenn man da keinen Rückhalt von Menschen hat, die dafür viel Verständnis mitbringen, dann wird’s schwierig. Da haben wir unendlich viel Glück. Abgesehen davon sind wir sehr von unseren Angel Investoren mit Branchenwissen und Kontakten unterstützt worden. Vor allem von Tung Nguyen-Khac, der früher Managing Partner und Supporter von Bigpoint war und heute neben seinen Angel Investments als Senior Industrial aktiv ist.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Wenn ich etwas für mich gelernt habe, dann das: An die eigene Idee glauben und weitermachen. Steve Jobs hat mal gesagt, dass ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor bei einem Start-up reine Hartnäckigkeit ist. Das würde ich sofort unterschreiben. Gegenwind gibt es von vielen Seiten. Es ist nämlich viel einfacher, an etwas nicht zu glauben als an etwas zu glauben. Denn die Wahrscheinlichkeit, zu scheitern, ist bei einem Start-up in jedem Fall erheblich. Was daneben wichtig ist: flexibel sein, was das finale Produkt angeht. In den meisten Fällen sieht das Produkt am Ende anders aus als ursprünglich geplant. Wenn man sich darauf konzentriert, ein Produkt zu bauen, das die Nutzer lieben, kann man alles andere nachher anpassen.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Da bewegen sich ja schon die Hebel in die richtige Richtung. Viel wichtiger als einzelne Entscheidungen oder Gesetze zu forcieren, wäre für mich ein Mentalitätswandel in Deutschland. An den Hochschulen, in den Medien aber vor allem auch in der Gesellschaft. Wenn man in Deutschland sagt, dass man ein Start-up gegründet hat, dann kommt oft die Frage „Hast Du keinen anderen Job gefunden?“ Und wenn man dann womöglich auch noch scheitert, steht man in Deutschland als der Loser da. Der wesentliche Vorteil im Silicon Valley ist die Tatsache, dass Start-ups einen enormen Rückhalt in der Gesellschaft haben. Und die nachgefragtesten Leute sind oft diejenigen, die mit einem Start-up schon einmal gescheitert sind. Weil sie daraus extrem viel gelernt haben. Diese Mentalität muss sich in Deutschland erst noch entwickeln.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ich würde wahrscheinlich weiterhin bei meinem ehemaligen Arbeitgeber Bain & Company arbeiten. Auch dieser Job in der Unternehmensberatung hat mir sehr viel Spaß gemacht, und Bain ist eine tolle Firma. Allerdings ist es einfach mit nichts vergleichbar, sein eigenes Unternehmen aufzubauen. Das ist etwas, was einem kein Arbeitgeber der Welt bieten kann. Und dafür hatte auch mein ehemaliger Arbeitgeber Verständnis.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Es gibt viele Start-ups, die ich spannend finde. Und bei vielen kann man sich den einen oder anderen Aspekt abschauen. Wichtig sind vor allem die Menschen dahinter, die so viele tolle Ideen haben. Das Schöne an der Startup-Szene ist ja, dass sich viele Leute bereitwillig mit einem auf einen Kaffee treffen und relativ offen austauschen. Von daher muss man in vielen Fällen gar nicht Mäuschen spielen, sondern kann ganz offen fragen.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Da ich neugierig bin, würde ich eher in die Zukunft reisen als in die Vergangenheit. Denn die ist ja schon recht gut dokumentiert. Mich würde vor allem interessieren, wie sich die demografische Entwicklung auf unsere Demokratie in Deutschland auswirkt. Da sehe ich große Herausforderungen. Daneben fände ich es spannend zu beobachten, wie Deutschland als Industrienationen mit dem sich rasant beschleunigenden technologischen Wandel umgeht. Nutzen wir die Chancen und stellen uns an die Spitze der Entwicklung, oder versuchen wir, alte Besitzstände zu bewahren und lassen uns unter Umständen von anderen, möglicherweise hungrigeren Nationen überholen.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Es in das Wachstum von Triviado stecken. Denn ich bin von dem Potential unserer Vision mehr als überzeugt. Wir haben ein Produkt, das den Nutzern ungemein viel Spaß macht und vermitteln gleichzeitig Wissen in den verschiedensten Bereichen. So schaffen wir neben dem wirtschaftlichen auch einen gesellschaftlichen Wert. Und diese Idee hat unglaublich viel Kraft.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Wenn ich mal Zeit habe, am liebsten mit meiner Freundin und meiner Familie. Das kommt leider oft zu kurz. Alternativ: Im Fußball-Stadion bei meinem Lieblingsklub (wenn es denn mal ein Sonntagsspiel gibt).

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit Mehmet Scholl. Der ist mein Idol. Bescheiden und bodenständig trotz all seines Erfolges.

Zur Person
Andreas Clever studierte BWL an der Uni Eichstätt-Ingolstadt und in Barcelona. Anschließend arbeitete er sechs Jahre lang in der Unternehmensberatung bei L.E.K. Consulting in München und bei Bain & Company in San Francisco. Bei der Wissens-Community Triviado (www.triviado.com) kümmert er sich insbesondere um die Strategie des Unternehmens, Produktentwicklung, Entwicklung von Geschäftsmodellen und Kundenakquise. Privat ist Andreas leidenschaftlicher Fußball-Fan und spielt gerne einmal eine Runde Tennis oder geht Snowboarden.

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.

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