15 Fragen an Corinna Powalla von Modomoto

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Ganz klar die Handlungsfreiheit, die man eben nur im eigenen Unternehmen hat. Man kann genau das umsetzen, was einem vorschwebt, sich selbst verwirklichen und […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Ganz klar die Handlungsfreiheit, die man eben nur im eigenen Unternehmen hat. Man kann genau
das umsetzen, was einem vorschwebt, sich selbst verwirklichen und unglaublich schnell und
flexibel agieren.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die Idee zu Modomoto entstand, als mir wiederholt auffiel, dass mein Freund – wie der Großteil
aller Männer – lange Shopping-Trips möglichst mied und das Einkaufen von Kleidung mehr als eine lästige Pflicht denn als Freude empfand. So brachte ich ihm ab und zu eine Vorauswahl an Hemden mit, die er in Ruhe zu Hause anprobieren und auswählen konnte – ein Service, der ihm so gut gefiel, dass ich auf die Idee kam, diesen auch für andere Männer anzubieten.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Nachdem die Idee eines Personal Shopping Services für Männer in mir endgültig gereift war, habe ich sie mit einigen Freunden in der Start-up-Branche besprochen, die mich mit meinen jetzigen Business Angeln bekannt gemacht haben. Diese haben mir vor allem bei Produktdesign und technischer Entwicklung sehr geholfen.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Die große Frage bei Modomoto war natürlich: Werden die Männer unseren Service annehmen und sich wirklich auf den Rat und den Sachverstand unserer Experten einlassen? Auch nach vielen, vielen Gesprächen war das nicht zu 100 Prozent klar. Erst als die ersten Pakete aus dem Haus waren, haben wir gemerkt: Ja, der Bedarf ist wirklich da und viele Männer haben nach genau so einem Service gesucht.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich würde noch früher und schneller durchstarten, meine Idee offener kommunizieren. Wir hätten locker ein halbes Jahr früher am Markt sein können.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Ein Service wie Modomoto ist gemacht für Mundpropaganda. Viele unserer Pakete gehen direkt an die Büroadressen unserer Kunden. Wir können uns sicher sein, aus diesen Büros Tage später neue Anmeldungen zu erhalten. Unsere größten Bemühungen gehen also dahin, aus zufriedenen Kunden echte Botschafter für den „Problemlöser Modomoto“ zu machen.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Mein Freund als indirekter Ideengeber und mittlerweile bester Kunde sowie einige gute Freunde aus der Start-up-Szene, die von Anfang an an mich und meine Idee geglaubt haben.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Wie heißt es so schön: A goal is a dream with a deadline. Also immer an die eigenen Träume glauben und das Ziel fest im Blick behalten.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ich glaube, für Start-ups in der Seed-Phase wird schon viel getan – gerade in Berlin. Oft reicht es aber auch, wenn die Politik oder der Staat einen einfach in Ruhe machen lässt. Mehr Handlungsbedarf gibt es meiner Meinung nach bei den Investoren. Risikokapital gerade in größeren und späteren Runden ist in Deutschland immer noch sehr schwierig zu finden. Die Rahmenbedingungen sollten hier attraktiver gestaltet werden, damit wohlhabende Menschen ihr Geld in Start-ups statt in Siemens-Aktien investieren.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Das kann ich nicht so einfach sagen, denn ich habe mich schon während meines Studiums an der TU Berlin stark für die Berliner Start-up-Szene interessiert und Praktika bei StudiVZ und Artflakes gemacht. Vielleicht wäre ich tatsächlich in einem Konzern gelandet. Gut, dass es nicht so gekommen ist.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Wahrscheinlich bei Zalando. Die haben den Modemarkt so richtig aufgemischt und denken groß und international. Es wäre schon spannend zu erfahren, wie es ist, so viele Evolutionsstufen eines Start-ups im Schnelldurchlauf zu erleben.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Aus Startup-Sicht gibt es wohl kaum eine bessere Raum-und-Zeit-Kombination als aktuell in Berlin. Deshalb möchte ich allerhöchstens bis zum morgigen Tag zeitreisen. Einfach weil ich so gespannt bin, was da schon wieder passiert.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich stecke es in Modomoto und in die Start-ups von Freunden. Es ist aktuell wichtig, dass Geld in der Startup-Szene bleibt und für die Finanzierung immer neuer Companys eingesetzt wird. Nur so entsteht das Berliner Silicon Valley, von dem immer alle reden.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Hauptsache entspannt, mit Freunden und am besten auch mal ohne Handy. An warmen Tagen natürlich auch gerne im Park. Abends dann auf jeden Fall vor dem Tatort.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Kaffee mit Verena Delius von Young Internet. Sie ist für weibliche Gründer sicherlich ein Vorbild und kann bestimmt spannende Tipps geben. Bier dann doch eher mit Morten Lund.

Zur Person
Corinna Powalla (29) ist Gründerin des Shopping-Dienstleisters Modomoto (www.modomoto.de). Aufgewachsen in Baden-Württemberg studierte Powalla anschließend BWL an der TU Freiberg sowie der TU Berlin. Vor Modomoto sammelte sie einschlägige Erfahrungen in zahlreichen Berliner Internet-Start-ups wie StudiVZ, Lexposure und Artflakes. Zuletzt verantworte Powalla beim Online-Optiker Mister Spex das Thema Business Intelligence.

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.