Tipps für ein Praktikum in einem Start-up – Gastbeitrag von Philipp Wittenbrink

Start-ups bieten Praktikanten manchmal wesentlich bessere Chancen als große Unternehmen. In diesem Artikel erfahren Sie, für wen sich ein Praktikum in Start-ups lohnt, welche Tätigkeiten Sie erwarten können und was Sie beachten sollten. […]

Start-ups bieten Praktikanten manchmal wesentlich bessere Chancen als große Unternehmen. In diesem Artikel erfahren Sie, für wen sich ein Praktikum in Start-ups lohnt, welche Tätigkeiten Sie erwarten können und was Sie beachten sollten.

Für wen ist ein Praktikum in einem Start-up-Unternehmen sinnvoll?

Bei einem Praktikum in einem Start-up-Unternehmen können zukünftige Selbstständige viel über die Gründung eines Unternehmens lernen. Als Praktikant erfahren Sie die Strategien für Marketing, Organisation und Kundengewinnung, aber auch die spezifischen Probleme junger Unternehmen. Hierzu zählen oft ein knappes Budget sowie die Marktetablierung.

Auch wenn eine verantwortungsvolle Berufsposition in einem Kleinunternehmen Sie reizt, bietet sich ein Praktikum in einem Start-up-Unternehmen an. Zudem sind Start-ups anfangs häufig regional orientiert oder bedienen eine Nischenkundschaft, sodass Interessierte hier Kompetenzen für Regionalmarketing und Special-Interest-Produkte erwerben können.

Da die Aufgaben in Start-ups oft vielfältiger sind als in einem Konzern, profitieren hier vor allem Generalisten von einem Praktikum. Sie gewinnen einen Überblick über das gesamte Unternehmen statt nur über eine Abteilung.

Sind Sie dagegen an der Tätigkeit von Spezialisten interessiert, sollten Sie beim Praktikum auf größere Unternehmen fokussieren. Hier finden Sie ganze Abteilungen mit erfahrenen Mitarbeitern eines Wissensgebiets.

Verantwortungsvolle und produktive Aufgaben

In einem kleinen Team haben Sie gute Aussichten auf verantwortungsvolle Aufgaben und produktive Arbeit, etwa Projektmanagement oder die Konzeption von Marketingkampagnen. Zudem befinden sich in Start-ups Markenimage und Produktpalette häufig noch in der Probephase. Ideen von Ihnen als Praktikanten können hier besonders willkommen sein.

Überdies fallen in der Gründungsphase viele Arbeiten an, ohne dass der Gründer die Finanzmittel für Personal besitzt. Deshalb lassen neue Firmen Praktikanten kaum arbeitslos die Zeit absitzen. Manchmal arbeiten Praktikanten so eng mit den Gründern zusammen, dass sie bei wichtigen unternehmensstrategischen Fragestellungen mitwirken.

Tätigkeitsbereiche in Start-ups

In Start-ups haben Tätigkeiten in Produktentwicklung, Vertrieb und Marketing andere Ausprägungen als in Großunternehmen. So werden Sie beim Marketing in Start-ups eher kostengünstiges Online-Marketing betreiben statt mit den TV-Sendern oder Anzeigenabteilungen großer Zeitschriften in Kontakt treten. Überdies sind manche Tätigkeitsfelder in Start-ups noch kaum entwickelt, wie z. B. das Personalmanagement.

Ein Praktikum in einem Start-up-Unternehmen ist in der Regel dann sinnvoll, wenn Sie beispielsweise folgende Bereiche kennenlernen wollen:
* neuartige und ungewöhnliche Produkte für Nischenzielgruppen
* kostengünstige und kreative Marketingkanäle (etwa Online-Marketing)
* Akquise vieler neuer Kunden (Erstkunden)
* das Schaffen basaler Vertriebsstrukturen
* regionales Handeln
* Wirtschaften mit knappen Budgets
* die Basics von Buchhaltung, Recht und Betriebswirtschaft
* Strategien, mit innovativen Technologien schnell und kostengünstig zu produzieren

Dagegen erfahren Sie in Großunternehmen beispielsweise mehr über:
* standardisierte Produkte für große Zielgruppen („Massenware“)
* klassische Marketingkanäle und Vertriebswege (Anzeigen, Außenwerbung, TV-Werbung)
* Pflege von Beziehungen zu Stammkunden
* umfangreiche Vertriebs- und Organisationsstruktur (Zweigstellen, Filialen, Outsourcing etc.)
* Lizenzhandel
* globales, internationales Handeln
* Verantwortung über große Budgets
* komplexe Buchhaltung

Absolvieren Sie ein Praktikum in einem Start-up und ein zweites in einem Konzern, lernen Sie beide Welten kennen.

Bewerbungstipps für ein Praktikum in einem Start-up

Die Bewerbungsprozedur in Start-ups unterscheidet sich vom Personalrecruiting großer Unternehmen. In Start-ups werden Bewerber selten nach statistischen Kriterien wie dem Notendurchschnitt ausgesiebt. Stattdessen achten Gründer darauf, dass der Bewerber ins Team passt. Aufgrund ihrer relativ geringen Bekanntheit erhalten Start-ups häufig weniger Bewerbungen und nehmen sich daher mehr Zeit für die einzelne Bewerbung. Das Anschreiben mit den persönlichen Stärken darf hier umfangreicher ausfallen.

Gute und schlechte Praktika

Als billige Arbeitskraft für minderwertige Tätigkeiten ausgenutzt zu werden kann Ihnen auch beim Praktikum in Start-up-Unternehmen passieren. Auf www.fairwork-ev.de und www.dgb-jugend.de/studium/praktika finden Sie Ratschläge und Richtlinien für faire Praktika, Aufklärung über Ihre Rechte als Praktikant und Erfahrungsberichte. Achten Sie bei Praktika in Start-up-Unternehmen auf dieselben Punkte wie bei allen Praktika, etwa dass Ihre Tätigkeiten einen Lerneffekt haben. In Bezug auf Verhaltensregeln können Sie sich beim Praktikum im Start-up-Unternehmen an allgemeinen Regeln orientieren, wie sie www.planetpraktika.de auflistet.

Tipp: Praktika in Start-ups aller Art finden Sie in der Jobbörse von deutsche-startups.de

Zur Person
Philipp Wittenbrink ist Betreiber eines Portals zum Thema Tagesgeld und Geschäftsführer der Performeo GmbH. Sitz des Unternehmens ist die Studentenstadt Münster, durch diese örtliche Präferenz steht Herr Wittenbrink in ständigem Kontakt mit Studenten und bietet regelmäßig Praktikantenstellen an.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.