Lexikon: Unternehmenswert

In unserer Lexikon-Reihe publiziert Professor Dr. Tobias Kollmann, seit 2005 Inhaber des Lehrstuhls für BWL und Wirtschaftsinformatik – insbesondere E-Business und E-Entrepreneurship – an der Universität Duisburg-Essen, in regelmäßigen Abständen ein Stichwort aus […]
Lexikon: Unternehmenswert

In unserer Lexikon-Reihe publiziert Professor Dr. Tobias Kollmann, seit 2005 Inhaber des Lehrstuhls für BWL und Wirtschaftsinformatik – insbesondere E-Business und E-Entrepreneurship – an der Universität Duisburg-Essen, in regelmäßigen Abständen ein Stichwort aus dem von ihm herausgegebenen “Gabler Kompakt-Lexikon Unternehmensgründung“. Der jeweilige Lexikon-Eintrag beschreibt ein für Gründer relevantes Thema kurz und knapp. Heute geht es um den Begriff Unternehmenswert.

1. Begriff: Der Wert eines Unternehmens oder eines abgrenzbaren Unternehmensteiles (Bewertungsobjekt) wird mit Bezugnahme auf die Vorstellungen und Planungen des konkreten Bewertungsinteressenten (Bewertungssubjekt) unter expliziter Berücksichtigung der verfolgten Aufgabenstellung (Funktion, Zweck) der Unternehmensbewertung ermittelt (Wertbestimmung). Ein Unternehmenswert ist somit nicht nur subjekt- sondern auch zweckabhängig. Im Rahmen der Konzeption der funktionalen Unternehmensbewertung wird in Haupt- und Nebenfunktionen unterschieden, denen ein Wert dienen kann. Zu den Hauptfunktionen zählen die Entscheidungs-, die Vermittlungs- und die Argumentationsfunktion.

2. Entscheidungswert: Ist das Ergebnis einer Unternehmensbewertung im Rahmen der Entscheidungsfunktion. Er zeigt dem Bewertungssubjekt bei gegebenem Präferenz- oder Zielsystem sowie Entscheidungsfeld an, unter welchen Bedingungen die Veränderung der Eigentumsverhältnisse an einem Unternehmen das ohne diese Transaktion erreichbare Niveau der Zielerfüllung gerade noch nicht mindert und entspricht somit der äußersten Grenze der Konzessionsbereitschaft des Entscheidungssubjekts in einer bestimmten Konfliktsituation.
a) Merkmale: Der Entscheidungswert wird hinsichtlich einer definierten Handlung ermittelt (Merkmal der Handlungsbezogenheit) und bezieht sich auf ein bestimmtes Entscheidungssubjekt sowie dessen Zielsystem (Merkmal der Subjekt- und Zielsystembezogenheit). Er ist eine kritische Größe (Merkmal des Grenzwertes), die ausschließlich für ein konkretes Entscheidungsfeld und für die daraus ableitbaren Alternativen gültig ist (Merkmal der Entscheidungsfeldbezogenheit).
b) Ermittlungsmethoden: investitionstheoretische Modelle, wie das Zustands-Grenzpreismodell (ZGPM), das Zukunftserfolgswert- oder das traditionelle Ertragswertverfahren sowie die approximativ dekomponierte Bewertung. Die in der Praxis sehr beliebten finanzierungstheoretischen Modelle sind hingegen insbesondere aufgrund ihrer nicht realitätsgerechten sowie inkonsistent miteinander verknüpften Prämissen zur Entscheidungswertermittlung ausnahmslos ungeeignet.

3. Arbitrium-, Vermittlungs- und Schiedsspruchwert: Ergebnis der Unternehmensbewertung im Rahmen der Vermittlungsfunktion, wobei dem Gutachter die Rolle des unparteiischen Dritten zufällt. Für die konfligierenden Parteien soll ein zumutbarer Kompromiss hinsichtlich der Bedingungen über die Änderungen der Eigentumsverhältnisse gefunden werden, der die Interessen der Parteien angemessen berücksichtigt.
a) Merkmale: Um als zumutbar zu gelten, darf der Arbitriumwert die Grenzen der Konzessionsbereitschaft der konfligierenden Parteien nicht verletzen (Merkmal der Rationalität). Voraussetzung dafür ist die Existenz eines Einigungsbereichs (Arbitriumbereich als Differenz zwischen dem größeren Entscheidungswert des Käufers und dem kleineren Entscheidungswert des Verkäufers). Gemäß dem Merkmal der parteienbezogenen Angemessenheit obliegt es dem Gutachter, den Arbitriumwert auf der Grundlage eines gewählten Gerechtigkeitspostulats innerhalb des Arbitriumbereichs zu bestimmen.
b) Ermittlungsmethoden: Ausgehend von den vermeintlichen Entscheidungswerten der konfligierenden Parteien kann z.B. auf Methoden zur Aufteilung des geschätzten Arbitriumbereichs nach Regeln der absoluten oder relativen Teilung sowie unter Umständen traditionelle Kombinationswertverfahren zurückgegriffen werden.

4. Argumentationswert: Ergebnis einer Bewertung in der Argumentationsfunktion. Er ist ein parteiischer Wert, dessen Bedeutung in der Beeinflussung der Gegenseite in der Verhandlung liegt. Mit diesem taktischen Wert soll die eigene Verhandlungsposition verbessert und ein günstigeres Verhandlungsresultat erreicht werden.
a) Merkmale: Es handelt sich um subjektive Werte einer Verhandlungsseite, die auf eine konkrete Verhandlungssituation und somit auf einen konkreten Verhandlungspartner ausgerichtet sind (Merkmal der Parteienbezogenheit). Zweckdienliche Argumentationswerte setzen sowohl die Kenntnis des eigenen Entscheidungswertes als auch eine Vermutung über den gegnerischen Entscheidungswert voraus. Diese Werte werden zumeist in Form von angeblichen Entscheidungs- oder Arbitriumwerten in den Verhandlungsprozess eingebracht (Merkmal der Tarnung), um eine Einigung oder eine Nicht-Einigung im Hinblick auf den Übergang des Eigentums am Bewertungsobjekt zu erzielen (Merkmal der Konfliktlösungsorientierung).
b) Ermittlungsmethoden: Insbesondere weit verbreitete finanzierungstheoretische Modelle, z.B. die Varianten der Discounted Cash Flow-Methode sowie Realoptionsverfahren (Realoptionen), Multiplikatorverfahren (Multiples) oder auch o.g. investitionstheoretische Verfahren mit veränderten Eingangsdaten.

5. Wert der Nebenfunktionen:
a) Arten: Als Nebenfunktionen der Unternehmensbewertung gelten u.a. die Vertragsgestaltungs-, die Steuerbemessungs- sowie die Informationsfunktion.
b) Merkmale: Im Rahmen der Vertragsgestaltungsfunktion geht es um gesellschaftsrechtliche und andere vertragliche Gestaltungsprobleme, die sich auf die Wertfindung im Eintritt eines Konflikts beziehen (z.B. Formulierung von Regelungen zur pretialen Lenkung des Verhaltens von Gesellschaftern über Erfolgsbeteiligungen und von Abfindungsklauseln). Bei der Steuerbemessungs- und der Informationsfunktion steht die Konventionalisierung, d.h. die Wertermittlung unter einheitlichen Konventionen im Hinblick auf ihre Grundlagen und Annahmen, im Vordergrund. So sollen durch detaillierte Vorgaben in den fiskalischen Gesetzen und Richtlinien das Ermessen bei der Ermittlung des Steuerbemessungswertes (im Sinne von Steuerbemessungsgrundlagen) reduziert und somit Steuergerechtigkeit sowie Rechtssicherheit geschaffen werden. Der Informationswert ist das Ergebnis einer Bewertung von als Beteiligungen gehaltenen Unternehmen oder Unternehmensanteilen im Rahmen der Bilanzierung (z.B. zur Ermittlung von Geschäfts- oder Firmenwerten im Konzernabschluss), um den Eigen- und Fremdkapitalgebern normierte entscheidungsrelevante Informationen zukommen zu lassen. Die für die Wertermittlung geltenden Konventionen, welche für die an diesem Informationsprozess beteiligten Personen (Informationssender und -empfänger) relevant sind, ergeben sich aus dem jeweiligen Rechnungslegungssystem oder sind aus diesem abzuleiten.

Tipp: Weiteres zum Thema Unternehmensgründung gibt es im Lexikon.

Das Gabler Kompakt-Lexikon Unternehmensgründung bietet über 2.000 aktuelle Begriffserklärungen zu den Themenfeldern Gründungsplanung/ -prozess/ -management, Geschäftsmodelle/ -konzepte/ -entwicklung sowie Unternehmensfinanzierung und Förderprogramme. Herausgeber Professor Dr. Tobias Kollmann ist anerkannter Experte für alle Fragen rund um die Unternehmensgründung und -entwicklung. Zielgruppe des Lexikons sind Unternehmensgründer, Gründungsberater, Venture-Capital-Unternehmen, Investment Manager, Unternehmensberater sowie Studenten und Dozenten der Wirtschaftswissenschaften an Fachhochschulen und Universitäten. Jetzt bei amazon bestellen



  1. Sebastian

    So ein Stuss…der Unternehmenswert (Seed/Series A)richtet sich nach Angebot und Nachfrage – hat Professor Dr. Tobias Kollmann schonmal ein Unternehmen geründet?^^



  2. Frank

    Naja Sebastian, dem Angebot und der Nachfrage liegen auch Bewertungsfunktionen zu Grunde. Sowas lernen BWLer normalerweise in der Uni, verstehen es aber so gut wie nie. Ich gebe Dir aber völlig Recht, dass dieser Lexikonartikel überhaupt keine Relevanz für die Welt hat, weil er komplett unzugänglich ist.

    Prof. Kollmann (bzw. der Assi, der den Artikel schreiben durfte) steht hier stellvertretend für 99% der deutschen Akademiker, die nicht konsumentengerecht schreiben (dürfen), weil die deutschen Journals von uralt-Professoren gelenkt werden, die nie aus ihrem Elfenbeinturm rauskommen und nur solches isolierendes Kauderwelsch als Wissensäußerung gelten lassen.

    Der traurige Effekt ist, dass jeder akademische Beitrag den Anschein hat, dass hier ein Eunuch über Sex spricht bzw. ein Astronaut über mikroskopische Welten. Hilfreicher wäre es tatsächlich Lesern/Studenten mal was Greifbares zum Lesen zu geben. Dies ist übrigens ein freundlicher Aufruf an Prof. Kollmann seine publizistische Zukunft in Massenmedien noch einmal gründlich zu überdenken.

    Besten Gruß



  3. Mike

    @Seb und Frank,

    ich glaube hier hat sich jemand mit Ton vergriffen. Herr Professor Dr. Tobias Kollmann ist eine anerkannte Kapazität in der Wirtschaftswissenschaft. Die Überbewertung dt. Startups nennt man Spekulation und hat überhaupt nichts mit einer seriösen, kaufmännischen Unternehmensbewertung gemein, die auf Bilanz und Anlagenwert basieren.



  4. Winner 2000

    Bzgl. des “Kauderwelsches als Wissensäußerung” hat Frank aber recht.
    Albert Einstein formulierte das schon treffend: “Jeder Idiot kann die Dinge kompliziert machen”.

    Im wissenschaftlichen Kontext geht das auch klar, wer jedoch in die Praxis geht und dann seine Theorien und Konzepte nicht gut erklären kann, wird gnadenlos scheitern. So wie in dem Dax Konzern, wo ich gearbeitet habe. Da hat der CEO solche Leute aus den Meetings rausgeschmissen, die in dem Stil geredet haben wie oben im Artikel.



  5. Frank

    @Mike: ich habe mich nirgendwo im Ton vergriffen. Schließlich habe ich die Form und nicht den Inhalt oder die Person direkt kritisiert.

    Losgelöst davon,würde ich die akademische Arbeit von Prof. Kollmann an Deiner Stelle nicht überbewerten. Er ist zwar in den Top 100 der jungen deutschen Betriebswirte – auf Basis der Publikationsqualität allerdings auf Rang 94. Entsprechend könnte man von solchen – nett formuliert – praxisnahen Professoren auch praxisnähere Beiträge erwarten – nicht mehr und nicht weniger.

    Wenn ich auf deutsche-startups.de einen Lexikoneintrag zu Unternehmenswert lese, dann wünsche ich mir, dass ich nach dem Lesen auch irgendwie in der Lage bin ein Unternehmen zu bewerten. Und Startups nach Bilanz und Anlagevermögen zu bewerten ist leider nicht ganz einfach :)



  6. Kai

    Es gibt in jeder Branche Forschung und Praxis. Die BWL ist allerdings eine angewandte Wissenschaft und versucht mit Modellen komplexe Sachverhalte allgemein zu erklären. Diese Modelle als Anleitung für irgendein Handeln zu verstehen ist meines Erachtens komplett falsch. Liest die sorgfältig aufbereiteten Bücher, entscheidet selbstständig ob Ihr damit etwas anfangen könnt und wenn nicht… dann liest sie halt nicht ;-) So einfach. Prof.Dr. Tobias Kollmann ist durchaus sehr firm in der praxisnahen Anwendung. Schaut Euch einfach mal sein Facebook-Profil an und seht, was er mit seinem Fussballverein in den letzten Monaten erreicht hat.



  7. DB Vorstand

    Selbst ich als BWL-Affe empfinde diese “Definition” von Unternehmenswert als viel zu akademisch. Das kann in einer Bulimie-Klausur abgefragt (und dann sofort vergessen) werden, aber als Artikel in einem Startup-Blog? Keine gute Werbung fürs Buch…

  8. Hehe, aber durchaus hilfreich, weil man sich das Buch jetzt eben definitiv NICHT kaufen wird ;)

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