Fünfzehn Fragen an Christopher Pfahl von Der Zuckerbäcker

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Ich genieße diese Freiheit jeden Tag. Selbst zu gründen ist eine Charakterfrage. Entweder man mag klare Vorgaben und Strukturen und arbeitet in einem Unternehmen […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Ich genieße diese Freiheit jeden Tag. Selbst zu gründen ist eine Charakterfrage. Entweder man mag klare Vorgaben und Strukturen und arbeitet in einem Unternehmen als Angestellter oder man möchte sein Schicksal selbst in die Hand nehmen und ein Unternehmen von Null auf aufbauen – dann ist man Gründer. Die angesprochene Freiheit darf jedoch nicht mit Freizeit verwechselt werden – die hat man gerade in der Anfangszeit kaum. Freiheit bedeutet selber die Weichen stellen zu können, geht aber auch mit viel Verantwortung einher.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Mein Mitgründer und ich berieten vor Der Zuckerbäcker Unternehmen bei ihrem Vorhaben, ihr Geschäftsmodell auch online auszurollen. Berater wollten wir irgendwann nicht mehr sein sondern wollten selbst gründen. Damals wussten wir nur, dass die Freude an der Arbeit im Mittelpunkt unserer neuen Idee stehen soll. Um diesen Kern wollten wir unsere eigene Gründung aufstellen. Der Impuls kam dann von einer Freundin. Sie meinte, wir sollen doch Süßigkeiten verkaufen, die bereiten jedem Freude. Aus dem anfänglichen scherzhaften Durchspielen wurde dann sehr schnell ein solides Geschäftskonzept.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Der Zuckerbäcker ist eigenfinanziert. Das Geld stammt aus unseren alten Beratungsprojekten und Ersparnissen.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Eindeutig die Zeit. Die Idee hatten wir im August und wollten schnell online gehen, um in der Weihnachtszeit unseren Kunden unsere Artikel anbieten zu können. Schließlich ist in unserem Gewerbe die Vorweihnachtszeit der wichtigste Zeitraum im Jahr. Im Oktober ist Der Zuckerbäcker online gegangen. Die Bereiche “Süßigkeiten Selber Mischen” und “Süßigkeiten für Unternehmen” schoben wir dann zum Jahresbeginn 2011 live. Gerne hätten wir uns geklont, um schneller voranzukommen, oder die Tage verlängert.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Da wir schon auf viel Erfahrung bei der Umsetzung von Onlinekonzepten zurückblicken konnten, sind uns keine gravierenden Fehler in der Gründungsphase unterlaufen. Natürlich hätten wir rückblickend die eine oder andere Entscheidung früher treffen oder schneller umsetzen können. Dieses Lehrgeld zahlt aber jeder Gründer. Trial and Error sind sehr wichtig in der Gründungsphase und man darf keine Angst davor haben. Auch wenn man Probleme und Herausforderungen löst, kommen immer wieder neue Fragestellungen auf.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Mund zu Mund Propanganda ist bei uns sehr wichtig. Wenn ein Kunde mit dem Service, der Art und Weise wie wir ihm gegenübertreten und mit unseren Artikeln zufrieden ist, empfiehlt er uns gerne weiter. Natürlich spielen auch die klassischen Online-Marketingkanäle eine wichtige Rolle.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Die Familie und enge Freunde haben uns immer unterstützt. Gerade in der Anfangsphase ist es wichtig, sich auf ehrliches Feedback aus dem engen Kreis verlassen zu können. Unsere Familie hat uns auch den nötigen Rückhalt gegeben, die anstrengende Phase einer Gründung erfolgreich zu meistern.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Die Anfangsphase ist mit die spannendste aber auch anstrengendste Phase. Bevor man “Live” geht steckt man sehr viel Zeit und Energie in seine Arbeit. Dabei hat man viele tolle Tage aber auch Tage, die einen sehr viel Kraft kosten. Es lohnt sich aber, und deshalb: Zweifle nicht an Deiner Idee und stecke alles Dir mögliche rein. Deine Mühen werden sich auszahlen!

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Die staatlichen Programme sind schon ganz okay. Trotzdem würde ich mir noch mehr unterschiedliche Programme wünschen. Zudem liegt bei den meisten Programmen der Fokus noch sehr stark auf Unternehmen aus der Forschung und Entwicklung. Da könnte Deutschland noch moderner werden. Die staatlichen Programme werden meiner Meinung nach noch nicht ausreichend kommuniziert. Zudem sind nicht alle Anlaufstellen, die einen bei Fördermöglichkeiten unterstützen, neutral sondern empfehlen auch mal Programme, die für die eigenen Interessen der Institute vorteilhafter sind.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Es gibt hier keine Alternative. Entweder man ist Unternehmer und liebt es, sein eigener Chef zu sein, oder man lebt die Angestelltenrolle. Diese Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen. Ich habe mich gegen die Unternehmensberatung und für das eigene Herzensprojekt entschieden.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Ich würde gerne bei mymüsli und chocri vorbeischauen. Mymüsli ist vor kurzem vier Jahre alt geworden – herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle. Chocri kann auch schon als Urgestein bezeichnet werden. Von beiden Unternehmen könnten wir sicher viele Erfahrungsschätze sammeln und beide könnten sicher auch das ein oder andere von uns lernen. Die Anforderungen, Herausforderungen und Probleme sind bei mymüsli, chocri und Der Zuckerbäcker ähnlich.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Ich reise circa zehn Jahre zurück und bin bei dem großen Internethype dabei. :-)

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
An meinem Alltag wird sich nichts ändern. Einen Teil werde ich sicher in Der Zuckerbäcker investieren, so dass wir noch schneller wachsen können. Aktuell fließt die gesamte Energie in unser Start-up. Da ist überhaupt keine Zeit um Geld auszugeben. Wenn dann alles stabil funktioniert, würde ich mir sicher auch mal einen Urlaub gönnen.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
An einem schönen Sonntag entspanne ich mit Freunden oder Familie und gehe raus in die Natur. Der Zuckerbäcker nimmt in der Woche sehr viel Zeit in Anspruch, so dass mein Sportprogramm oft zu kurz kommt. Daher mache ich am Wochenende auch mein Triathlon-Programm oder gehe an stürmischen Tagen mal Windsurfen.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Ich würde mich gerne mit Tony Hsieh von Zappos zu einem Plausch treffen. Er ist mit Zappos seinen Weg gegangen und hat gegen die Konventionen aller Lehrbücher gehandelt und eines der sympathischsten Unternehmen aufgebaut. Eine grandiose Persönlichkeit und ein toller Kerl.

Zur Person
Christopher Pfahl gründete im Oktober 2010 gemeinsam mit Anastasios Paliakoudis sein “Herzensprojekt”: Der Zuckerbäcker (www.der-zuckerbaecker.de). Der Online-Süßigkeitenshop will den Kiosk-Charme vergangener Tage ins Internet bringen.

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.

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