Fünfzehn Fragen an Manuela Stoll von Shopperella

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Ein Unternehmen zu gründen gibt einem die Möglichkeit, etwas aufzubauen und zu gestalten und dabei viele Freiräume auszuleben, die man sonst nicht hätte. Auch […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Ein Unternehmen zu gründen gibt einem die Möglichkeit, etwas aufzubauen und zu gestalten und dabei viele Freiräume auszuleben, die man sonst nicht hätte. Auch wenn es sehr arbeitsintensiv ist, selbst der Chef zu sein: Die Entscheidungsfreiheit und die Gestaltungsmöglichkeiten möchte ich nicht mehr missen.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die Idee wurde gemeinsam mit Jens Echterling von unserem Kooperationspartner NetMoms entwickelt. NetMoms ist das führende Portal für Mütter im deutschsprachigen Raum. Da lag es nahe, dieser spannenden Zielgruppe auch einen Mehrwert im Bereich Shopping anzubieten. Mich persönlich hat auch meine positive Erfahrung mit mydeco.com, einem Möbel- und Inneneinrichtungs-Marktplatz in UK und den USA, zu Shopperella inspiriert. Ich habe dort während meiner Zeit im Ausland viel gestöbert.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Eigenes Geld, Friends & Family und zwei Business Angel.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Das Seed-Kapital einzusammeln war nicht ganz leicht. Zumindest solange wir uns davor scheuten, es über Friends & Family zu versuchen… Anschließend war es herausfordernd, eine ausreichende Anzahl an Partnershops zusammenzubekommen, um bereits beim Launch ein relevantes Angebot auf unserem Marktplatz präsentieren zu können.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich bin sehr zufrieden damit, wie wir diese Phase bewältigt haben – trotz Ressourcenmangel und auch ein paar Stimmungstiefs. Aber ich würde sicherlich noch mehr Zeit darauf verwenden, externe Dienstleister und Kooperationspartner vorsichtiger auszusuchen. Und ich würde mir noch früher einen Beirat suchen, der bereits Erfahrung mit einem ähnlichen Geschäftsmodell gesammelt hat. Manchmal kann ein einstündiges Telefonat mit einem echten Experten mehr bringen als eine Woche eigener Research.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Als eCommerce-Unternehmen mit sehr breitem Sortiment ist SEM natürlich zum Start extrem wichtig, langfristig wird aber SEO für uns entscheidend sein. Die TV-Kampagne, die seit Dezember läuft, ist ein toller Mechanismus, um Shopperella als Marke sehr schnell sehr bekannt zu machen und gleichzeitig neue Shops für unseren Marktplatz zu gewinnen.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Mein Mitgründer Nino Ulsamer. Keine Ahnung, wo ich heute ohne ihn stehen würde, denn er ist nicht nur extrem kompetent, sondern ich verstehe mich auch blind mit ihm. Privat natürlich mein Freund, der auch am Wochenende oft damit leben muss, dass ich arbeite und der sich schon daran gewöhnt hat, ohne mich in den Urlaub zu fahren (was sich hoffentlich bald ändern wird!).

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Man darf sich keine Illusionen machen und muss das Gründen an sich als lohnenswert empfinden. Wer auf Prestige und schnelles Geld aus ist, ist meines Erachtens nicht als Gründer geeignet. Außerdem muss man mit den Hochs und Tiefs, die gerade die ersten Monate mit sich bringen, gut umgehen können. Starke Nerven und Mut zum Risiko sind definitiv gefragt.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Da fiele mir so einiges ein. Aber die wichtigsten Punkte wären wohl folgende: eine stärkere finanzielle Förderung von Unternehmensgründungen jenseits der meines Erachtens sehr dominanten High-Tech-Fokussierung, flexiblere Arbeitsgesetze (es kann frustrierend bis unmöglich sein, drei Monate auf neue Mitarbeiter warten zu müssen) und eine generelle Befreiung der Gründer von der Sozialversicherungspflicht oder zumindest eindeutige und einheitlich angewendete Regeln hierfür. In Summe alles, was das Gründen schneller, unkomplizierter und kostengünstiger macht.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Vermutlich wäre ich entweder in den Bereich Private Equity gegangen und hätte dort – soweit möglich – den Bereich Mode & Handel betreut oder ich hätte mich in der Geschäftsführung einer aufstrebenden Lifestyle-Marke (Mode, Möbel, Accessoires) versucht. Zumindest wäre das die Idealvorstellung gewesen – wer weiß, was wirklich aus mir geworden wäre.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Bei Brands4Friends, weil mich interessieren würde: a) wie man hochwertige Marken zu solch massiven Preissenkungen überreden kann und b) welche Margen in diesem Geschäftsmodell wirklich verdient werden.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
In die 60er Jahre. Aufbruchstimmung, Mondlandung, Bands wie The Doors und revolutionär neue Design-Entwürfe im Bereich Mode & Interior-Design. Und die Erfahrung, wie es sich wohl ohne Blackberrys und E-Mails anfühlt. Das wäre schon was gewesen. Natürlich gäbe es dann Shopperella nicht – ein echtes Downside.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich würde die Hälfte in Kunst investieren (z. B. eine Giacometti-Zeichnung) und den Rest in Shopperella und zwei oder drei andere spannende Start-ups stecken. Und ja: Ich könnte es mir wohl kaum verkneifen herauszufinden, wie es sich anfühlt, einer der Net-a-porter-Kunden zu sein, die angeblich im Schnitt 5.000 Euro pro Bestellung ausgeben (das kann man dann angesichts des Betrages mental auch als “Investition” verbuchen).

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Frühstück im Bett, ein Bummel durch die Stadt, eine tolle Ausstellung und dann noch ein wenig Sport – das würde schon reichen, ist aber trotzdem zu selten der Fall.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Sean Parker wäre spannend. Ich habe ihn gerade auf dem DLD-Event in München aus der Ferne gesehen, aber da hat’s mit dem Bier leider nicht geklappt (möglicherweise fand er die Aussicht auf ein Gespräch mit Maria Furtwängler oder Natalie Massenet von Net-a-porter spannender). Alternativ Max Goldt.

Zur Person
Manuela Stoll, Jahrgang 1978, absolvierte Ende 2001 ein deutsch-französisches Diplom in BLW an den Universitäten Frankfurt/Main und Lyon. Während ihrer Zeit als Beraterin bei McKinsey & Company promovierte sie an der European Business School in Oestrich-Winkel. Bei McKinsey beriet sie hauptsächlich Handels- und Konsumgüterunternehmen und spezialisierte sich dabei auf den Bereich Mode. Im Januar 2010 gründete sie gemeinsam mit Nino Ulsamer den vertikalen Online-Marktplatz Shopperella (www.shopperella.de), der mittlerweile rund 70 Shops aus den Bereichen Baby, Kind & Schwangerschaft bündelt.

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.



  1. Manuel

    Das führende Portal für Mütter im deutschsprachigen Raum ist meines Wissens nach immer noch urbia.de – und zwar mit einigem Abstand…



  2. Jan

    Trotz vorheriger Erfahrung bei McKinsey ist das eigene Unternehmen leider doch nicht erfolgreich geworden, schade.

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