“Wir werden bis zum letzten Tag am Produkt feilen” – Stefan Wolpers vom Startup Camp Berlin im Interview

Vom 18. bis zum 20. März veranstaltet der Entrepreneurs Club Berlin e.V. erstmals das Startup Camp Berlin. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Stefan Wolpers, Gründungsmitglied des Entrepreneurs Club, über die Eventschwemme in Berlin, […]

Vom 18. bis zum 20. März veranstaltet der Entrepreneurs Club Berlin e.V. erstmals das Startup Camp Berlin. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Stefan Wolpers, Gründungsmitglied des Entrepreneurs Club, über die Eventschwemme in Berlin, die Besoldungsgruppe Ruhm und Ehre sowie Eigenkapitalerhaltungsvorschriften.

Im März findet erstmals das Startup Camp Berlin statt. Es gibt doch bereits gefühlte 100 Veranstaltungen für Start-ups und Gründer, wo ist da noch Platz für das Startup Camp?
Mittendrin – und zwar aus einem Grund: Authentizität. Das Startup Camp Berlin hat sich aus der Community heraus entwickelt; wir sind ja keine staatliche Institution der Wirtschaftsförderung oder ein gewinnorientiertes Veranstaltungsunternehmen. Wir sind alle in der einen oder anderen Weise in der Start-up-Szene involviert: Wir haben eigene Start-ups oder wickeln gerade welche ab, arbeiten in Start-ups oder planen die nächsten. Und wir wollen voneinander lernen und neue Kontakte knüpfen – wer weiß, wie viele neue Unternehmen an diesem Wochenende im März ihren Anfang nehmen werden?

Für wen ist das Startup Camp interessant, wer sollte unbedingt teilnehmen?
Das Startup Camp Berlin ist für jeden interessant, der beabsichtigt, in die Start-up-Szene Berlins einzutauchen: Sei es als Mitarbeiter, als Gründer oder als Investor. Darüber hinaus gibt es auch noch eine Vielzahl von Workshops, welche die verschiedenen handwerklichen Aspekte des Startup-Lebens beleuchten: Von Technologie über Online-Marketing und Best Practices zu Recht, Steuer und Finanzierungen.

Das Startup Camp ist als Barcamp mit Workshop- und Konferenzteil angekündigt. Wie muss man sich das vorstellen?
Ein Barcamp versteht sich als Unkonferenz, also eine Veranstaltung, die nicht komplett von der ersten bis zur letzten Minute – teils Monate im Voraus – durch den Veranstalter durchorganisiert wurde. Ein Barcamp organisiert sich innerhalb des gegebenen Rahmens selbst: Alle Teilnehmer stellen sich vor und es gibt jeden Tag morgens eine sogenannte Sessionplanung. Hierbei treten Teilnehmer vor und stellen ihren Vorschlag für eine Session oder einen Workshop den anderen vor. Findet dieser Vorschlag unter allen Teilnehmer genügend Anklang, bekommt die Session einen Slot im Programm des jeweiligen Barcamps. Wir haben uns entschlossen hiervon zum Teil abzuweichen.

Warum?
Es gibt wirklich relevante Themen für Start-ups, zum Beispiel die Eigenkapitalerhaltungsvorschriften der deutschen GmbH, die es wert sind näher betrachtet zu werden. Und um sicher zu stellen, dass diese Themen nicht zu kurz kommen, haben wir Menschen aus unseren Netzwerken angesprochen, von denen wir wissen, dass sie sich mit der Materie gut auskennen – sie werden Workshops anbieten. Trotzdem wird es aber auch Sessions im Barcamp-Stil geben.

Wie sehen diese Workshops aus?
Diese werden in verschiedenen Formen angeboten: Von einer eher typischen Wissensvermittlung über den Austausch praktischer Erfahrungen aller Beteiligten bis hin zu Podiumsdiskussionen – quasi die Events im Event. Letzteres Format finde ich sehr spannend und den Workshop zum Thema “Crowdfunding als Startup-Finanzierung auch in Deutschland machbar?” möchte ich nicht verpassen. Insofern entwickelt sich das Startup Camp Berlin als Event agil und wir werden sicherlich bis zum letzten Tag am Produkt feilen. Im Moment sind wir alle zuversichtlich, dass mehr als das Minimum Viable Product dabei herauskommt.

Muss man sich für die Workshops vorher anmelden oder kann man sich noch am Tag der Veranstaltung spontan entscheiden?
Eine Anmeldung zu den Workshops ist nicht erforderlich, das kann man ganz spontan entscheiden.

Als neue Veranstaltung ist es aber sicherlich nicht leicht, Redner zu gewinnen, oder?
Man wächst mit der Herausforderung: Fred Wilson wird dieses Jahr leider noch nicht kommen, aber wir planen ja auch schon für 2012. Trotzdem ist es uns gelungen Speaker für das Camp zu verpflichten.

Zum Beispiel?
Michael Brehm, Marcel Yon oder Alexander Ljung.

Hinter dem Startup Camp steckt der Entrepreneurs Club Berlin e.V. Welche Ziele verfolgt der Verein?
Der Verein ist entstanden, als einige der heutigen Mitglieder Mitte letzten Jahres eine neue Heimat suchten. Wir waren zuvor Teil des catapult-Programms des media.net berlinbrandenburgs, einem Mentorenprogramm für Gründer, und wollten uns auch nach dem Ende des Programms weiterhin untereinander austauschen und voneinander lernen. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass man mit seinen Problemen nicht allein steht, sondern andere bereits Erfahrungen gemacht haben, wie ein Problem gelöst werden kann. Das Rad muss wirklich nicht jedes Mal neu erfunden werden. Auf diese Weise ist Ende Mai 2010 der ECB gegründet worden. Wir haben dann im September 2010 mit unserem ersten Veranstaltungsformat begonnen, dem „EntrepreneursClub@FrannzClub“. Die Veranstaltungen sind kostenfrei und befassen sich derzeit mit vielen Fragen der Finanzierung von Start-ups. Wir haben die Themen ProFIT, Bootstrapping, Inkubatoren und EXIST bereits vor insgesamt gut 300 Teilnehmern behandelt – im Februar ist dann die Startup-Finanzierung mit Business Angels Gegenstand der Veranstaltung.

Wie finanziert der Verein das Startup Camp?
Wir finanzieren das Camp aus mehreren Quellen: den Eintrittspreisen, diese liegen zwischen 29 und 99 Euro, Sponsoring und durch freiwillige Arbeit. Die Mitglieder des Orgateams und des Entrepreneurs Club Berlin legen kräftig Hand an – und alles in der Besoldungsgruppe Ruhm und Ehre. Im Moment sieht es so aus, dass wir in der Lage sein werden, das Startup Camp Berlin ohne Unterstützung vom Senat durchführen zu können. Das ist in Berlin ja auch nicht selbstverständlich.

Zur Person
Stefan Wolpers studierte Chemie, BWL und Jura, verbrachte aber fast sein ganzes Berufsleben mit Software, Hardware oder dem Internet. Im Twitteruniversum machte er sich als Initiator und aktiver Mitgestalter des Twittwoch einen Namen. Als Vorstand des neuen Entrepreneurs Club Berlin e.V. will er nun den Austausch unter Gründern fördern. In diesem Jahr verantstaltet der Entrepreneurs Club erstmals das Startup Camp Berlin.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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