Sprache und Stil einer Pressemitteilung – Gastbeitrag von Daniel Pichel (newsmax)

Wer ein Unternehmen gründet, hat sich in der Regel schon lange vor dem Versand der ersten Pressemitteilung intensiv mit seinen Inhalten beschäftigt – entsprechend tief steckt er in der Thematik und schreibt einen […]

Wer ein Unternehmen gründet, hat sich in der Regel schon lange vor dem Versand der ersten Pressemitteilung intensiv mit seinen Inhalten beschäftigt – entsprechend tief steckt er in der Thematik und schreibt einen komplizierten Text. Für eine Pressemitteilung ist das Gift. Hier ist eine verständliche, schlichte Sprache gefordert: präzises und gebräuchliches Hochdeutsch. Die hohe Kunst dabei ist es, nah am gesprochenen Wort zu bleiben und trotzdem nicht ins Banale abzugleiten. Beachten Sie dafür folgende Tipps:

1. Variieren Sie die Satzlängen!
Unterschiedlich lange Sätze entsprechen unserem normalen Hör- und Sprechverhalten. Deshalb wird eine gut geschriebene Meldung immer verschieden lange Sätze haben und auch zwischen einfachen Hauptsätzen und Nebensatz-Konstruktionen abwechseln.

Ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte:
Der Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation e. V. (VPRT), Klaus Mustermann, fordert die Politik dazu auf, der derzeitigen Strategie von ARD und ZDF, im Rahmen der Digitalisierung umfassend auf neuen Wegen und mit neuen Angeboten privatwirtschaftliche Märkte zu besetzen, eine klare Absage zu erteilen.

Wie oft haben Sie den Satz gelesen um ihn vollständig zu verstehen? Deshalb besser:
Die Politik soll verhindern, dass ARD und ZDF im Rahmen der Digitalisierung mit neuen Angeboten privatwirtschaftlichen Märkte besetzen. Dies fordert der Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation e. V. (VPRT), Klaus Mustermann. Einer solchen Strategie müsse eine klare Absage erteilt werden.

2. Vermeiden Sie Partizipal-Konstruktionen!
Partizipal-Konstruktionen lassen sich immer durch einen Haupt- mit einem angehängten Nebensatz umgehen. Das macht eine Pressemitteilung verständlicher, da die Satzaussage klar und übersichtlich präsentiert wird. Bei Partizipal-Konstruktionen passiert genau das Gegenteil. Ein Beispiel:

Insgesamt erwarten Genusswanderer im Salzburger Land von den sanften Bergen des Salzkammerguts bis hin zu den imposanten Dreitausendern in der Ur-Natur des Nationalparks Hohe Tauern 1.800 von Bauern bewirtschaftete Almen. (..)

Der Satz ist zwar eigentlich nur ein Hauptsatz ohne Kommas, aber dennoch schwer verständlich. Formulieren Sie lieber einen Satz mit Nebensätzen, wenn der Inhalt dadurch schneller erfassbar wird. Deshalb wäre besser:

Insgesamt erwarten Genusswanderer im Salzburger Land 1.800 Almen, von den sanften Bergen des Salzkammergutes bis hin zu den imposanten Dreitausendern in der Ur-Natur des Nationalparks Hohe Tauern. Dabei sind alle Almen noch von Bauern bewirtschaftet.

3. Verwenden Sie Verben statt Substantive!
Ein Satz ist verständlicher und lebendiger formuliert, wenn Verben, die fälschlicherweise in Substantive umgewandelt wurden, wieder zu Verben gemacht werden. Deshalb lieber nicht:

Insgesamt ist die Erreichung des Jahresergebnisses auch ohne die Einberechnung von Sondererlösen möglich. 3

Besser ist:
Das Jahresergebnis kann auch erreicht werden, ohne dass Sondererlöse einberechnet werden müssen.

Besonders bei Substantiven, die auf -ung und -keit enden, sollten Sie genau prüfen, ob Sie hier nicht besser zum Verb zurückkehren, denn die „Durchführung der Abstimmung um Mitternacht“ wird wesentlich attraktiver, wenn „die Tarifpartner um Mitternacht abstimmten“.

4. Formulieren Sie im Aktiv statt im Passiv!
Die Aktiv-Form belebt, die Meldung bekommt mehr Dynamik. Außerdem mindern Passiv-Formulierungen die Verständlichkeit – das haben Sprachwissenschaftler bewiesen. Zur Veranschaulichung:

Dem Unternehmen wurde durch Produktpiraten in China ein Schaden von 15 Millionen Euro zugefügt.

Besser:

Produktpiraterie in China richtete einen Schaden von 15 Millionen Euro an.

5. Vorsicht bei Adjektiven!
Gegen den Gebrauch von Adjektiven spricht nichts, wenn sie tatsächlich objektiv beschreiben. Aber Adjektive werten sehr oft und werden deshalb von Journalisten misstrauisch beäugt. Ein Beispiel:

SEA CLOUD CRUISES präsentiert das Programm der 5-Sterne-Segler SEA CLOUD und SEA CLOUD II (…) Sie verbindet unvergessliche Segel- und Strandtage mit Begegnungen des kolonialen Erbes der Spanier und der Kultur der Maja. Das neue Jahr beginnt mit einem Feuerwerk der Lebensfreude auf Kuba. (…) An Bord verzaubert das unvergleichliche SEA CLOUD-Flair und an Land das Wechselspiel von Spuren einer großen Vergangenheit mit dem Spaß beim Baden und Bummeln. (…)

Hier wird die Grenze zwischen Werbung und Öffentlichkeit zum Schaden des eigenen Themas verletzt. Schließlich soll doch der Journalist selbst nach dem Lesen der Fakten zu dem Schluss kommen, dass es sich hier um „unvergessliche Segel- und Strandtage an Bord eines unvergleichlichen Schiffes“ handeln muss. Schildern Sie besser, wie „grellbunte Papageien“ über das „dunkelgrüne Amazonaswasser“ fliegen, das vom „weißen Rumpf der Sea Cloud“ geteilt wird. Dies am besten noch als Zitat eines Passagiers, dann sind die Adjektive richtig eingesetzt.

Nächste Woche in dieser Reihe: Zitate in einer Pressemitteilung
Bereits erschienen: “Wirklich relevante Themen für Pressemitteilungen“, “Der richtige Aufbau einer Pressemitteilung“, “Die passende Überschrift einer Pressemitteilung“, “Der gelungene Einstieg in eine Pressemitteilung“.

Zur Person
Daniel Pichel ist Geschäftsführer von Newsmax Medien (www.newsmax.de). Auf der Plattform haben mehr als 15.000 Unternehmen inzwischen über 50.000 Pressemitteilungen eingestellt. Das Kerngeschäft seines Unternehmens, welches Pichel 2006 gründete, fokussierte sich zunächst auf die Entwicklung von Web- und Softwarelösungen für Verlage. Erst als sich nach konkreten Kundenaufträgen Bedarf für die Verbreitung von Pressemitteilungen abzeichnete, entwickelte Pichel eine Plattform, um dieser Nachfrage Rechnung zu tragen. Das Unternehmen sowie das Presseportal newsmax wurden Ende 2009 an einen österreichischen Investor verkauft. Pichel kümmert sich seitdem um den Ausbau von Qualität und IT-Infrastruktur.

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