“Habe ich mich etwa getäuscht? Natürlich nicht!” – Spreadshirt-Gründer Gadowski kommentiert die Übernahme von CityDeal

Mitte Dezember des vergangenen Jahres, als der Groupon-Hype gerade erblühte, schrieb Spreadshirt-Gründer Lukasz Gadowski in seinem privaten Blog einen langen Beitrag über die Erfolgsaussichten der Rabattportale in Deutschland: Sein Fazit damals: Das wird […]

Mitte Dezember des vergangenen Jahres, als der Groupon-Hype gerade erblühte, schrieb Spreadshirt-Gründer Lukasz Gadowski in seinem privaten Blog einen langen Beitrag über die Erfolgsaussichten der Rabattportale in Deutschland: Sein Fazit damals: Das wird nichts. Zur Begründung führte er unter anderem die “nicht so ausgeprägte” Coupon-Kultur an. Nach dem millionenschweren Verkauf von CityDeal (www.citydeal.de) an das US-Vorbild Groupon (www.groupon.com) meldet sich Gadowski wieder zu Wort. Unter der Überschrift “Warum das Konzept in Europa doch erfolgreich ist” schreibt er in Bezug auf seinen damaligen Beitrag:

“Habe ich mich etwa getäuscht? Natürlich nicht! In meinem Text schreibe ich unter anderem sinngemäß \’Wenn es ein sehr gutes Team macht, wird es erolgreich sein\’ – nun, die Samwers sind offenbar ein sehr gutes Team!

Aber einen Faktor habe ich zugegebener Maßen unterschätzt. Ich denke zwar nach wie vor, dass das Modell für Deutschland/ EU schlechter geeigenet ist als für die USA. Schlechter geeignet heisst aber zum einen nicht ‘gar nicht geeigent’ und zum anderen habe ich folgendes wichtiges Detail übersehen: Nicht eingelöste Coupons! Darüber skaliert das Modell und sie bringen den entsprechenden Cash. Einfaches Beispiel: es werden für sagen wir mal 25 EUR Restaurantgutscheine verkauft, für die man dann im Wert von 50 EUR essen kann. Angenommen, es werden 200 Gutscheine verkauft – macht einen Umsatz von 5000 EUR. Der Clou: mur ca. die Hälfte dieser Gutscheine werden überhaupt jemals eingelöst! 2500 EUR wandern also sofort in die Tasche von Citydeal – von den restlichen 2500 EUR die eingelöst werden, dann auch noch mal 10 oder 20%. Aber das ist fast schon Kosmetik, der Kicker sind nicht eingelöste Gutscheine.

Somit hat man ziemlich gute Deckungsbeiträge, verdient entsprechend viel pro Kunde und kann sich entsprechend hohe Kundenaquisitionskosten leisten. Cash Flow Struktur auch sehr interessant – der Gutscheinanbieter kriegt seine Kohle schnell. Und ebenso schnell ist dann die magische Formel erfüllt – “Customer LIfetime Value > Customer Acquisition Costs” und nun heisst es munter drauflos skalieren – und das in einem Massenmarkt. Wer entsprechend gut im Online Marketing ist (wie z.B. Rocket/ Samwers, haben sie gerade bei Zalando ehe schon inhouse gemacht…) kann hier dann sehr schnell agieren und skalieren. Zudem kann man rasch viele Ressourcen aus ‘weniger wichtigen’ start-ups abziehen und so sehr schnell wachsen.”

Artikel zum Thema
* Warum kauft Groupon den Klon CityDeal? – Gründer Andrew Mason nimmt Stellung
* Millionenschwerer Exit: Groupon schluckt deutschen Klon CityDeal
* Der erste Trend des Jahres: Das Groupon-Prinzip erobert das Land

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. M

    dieses geschäft funktioniert langfristig für jedes dienstleistungsgeschäft welches hohe fixkosten und niedrige grenzkosten hat – restaurants, kosmetik, etc.
    die anbieter müssen nur den gutschein-flow steuern, weil wenn hundert gutscheininhaber an einem tag kommen, das cash ausbleibt um die mitarbeiter an dem tag zu bezahlen, zumindest buchhalterisch.



  2. David

    Alleine der Titel zeugt schon von Verblendung des Autors…

    Die Samwers sind nunmal ganz offensichtlich um einiges besser ( und aggressiver ) in der Execution als der Rest… und dieses inhaltsleere “Oh-es-funktioniert-doch-jetzt-muss-ich-mal-schnell-irgendwas-zu-meiner-verteidung-vorbringen” Gequatsche interessiert doch niemanden… Die Jungs haben es mit Bravour gemacht, da kannste noch so lange mit dem “dummen” Kunden der sich quasi “selbstunmündig” mit tausenden Gutscheinen eindeckt argumentieren und auf der Unnachhaltigkeit des Geschäftsmodell rumreiten… Die haben mal eben in 6 Monaten nen 3-stelligen Exit mit ner enormen Rendite gefahren.. weiß nicht wann das bei Team Europe mal vorgekommen ist…

    Fehlprognosen gehören zum Geschäft.. Nimm es wie ein Mann ^^



  3. Roland

    Das Geschäftsmodell wird langfristig nicht erfolgreich sein.

    Warum?

    a) Eine Große Kundenanzahl lässt sich nur mit Gutscheinen von namhaften Unternehmen (Mc Donalds, Cinemaxx, Apple) locken. Diese Unternehmen sehen keinen Grund Groupon zu unterstützen da sie bisher bereits etablierte Vertriebs- und Marketingkanäle mit enormer Reichweite besitzen.

    Kleinen Buden vertraue ich nicht, wer weiss schon ob der System-Gastronom in drei Monaten noch existiert, warum also dann auch noch einen Gutschein *kaufen*?

    b) Auch wenn gefühlte 95% der Leute in unserem Land dumm zu sein scheinen, werden sie anhand Ihres Kontostandes sehen, dass nichteingelöste Gutscheine nicht wirklich toll sind und die Lust verlieren.

    Wie man schon bei Preisvergleichsdiensten aller Art sehen konnte, sind die Kunden viel selektiver und preisbewusster als früher. Sobald der erste Hype und die teuer von DailyDeal/CityDeal erkauften a)-Gutscheine den Zauber verloren haben, wird das Geschäftsmodell stagnieren.

    c) IANAL aber die Gutscheingültigkeit wird scheinbar erheblich eingeschränkt auf wenige Monate. Soweit ich mich erinnere, gibt es hierzu schon ein BGH Urteil, welches deutlich längere Fristen vorsieht. Erhebliches Bilanzrisiko?



  4. Diabolo

    Warum sollte ich mir einen Gutschein kaufen und diesen danach nicht einlösen? Tritt das echt ein?

  5. Moin in die Runde,

    danke für den Beitrag, denke, dass du den Hebel richtig erkannt hast.

    Ich denke auch, dass es ohne den Gewinn der nicht eingelösten Coupons einiges an Reiz (und Gewinn verlieren würde).

    Ich halte unser Modell von http://www.regionale.gutscheine.de für einen sehr guten Ansatz für alle…

    Grüße – Marcus



  6. hui

    Wow, die Tabletten möchte ich auch haben!

    “..wie passt das zusammen? Meine Leser fordern bereits Erklärung. Habe ich mich etwa getäuscht? Natürlich nicht!”

    Eine Erklärung wäre dafür geschuldet, woher eine derartige ignorante Arroganz kommt.

    Dass Citydeal kein Selbstläufer war und ist, sollte jedem, der das Thema aufmerksam verfolgt hat, klar sein. Letztlich wurde hier eine krasse Wette eingegangen, dass man nämlich in der Lage sein, so schnell so groß zu werden, dass Groupon nicht mehr an Citydeal vorbeikommt, sollte es was mit dem EU-Markt werden. Dass diese Wette aufgegangen ist – Chapeau!! Hätte aber auch in die Binsen gehen können.

    Die “Analyse”, die Herr Gadowski hier abliefert, strotzt nur so vor falschen Annahmen und Schlüssen und liest sich sehr stark so, als ob hier jemand beleidigt ist, dass er weder den Mumm hatte, die Wette zu wagen noch die operativen Fähigkeiten, um diese Wette zu gewinnen.

    Dass der Markt da und auf Dauer auch profitabel ist, daran wage ich nicht zu zweifeln. Die wirkliche Frage ist nur, ob auf Dauer Platz für zwei große Player im Markt ist oder ob sich nur ein überregionaler Anbieter halten wird und kleinere, regionale Portale die Nischen besetzen.



  7. VanDamme

    Ich denke schon, dass man damit kurzfristig bis mittelfristig gutes Geld verdienen kann. Sonst gäbe es die Übernahme ja auch nicht. Ich denke bei diesem GUtschein Thema aber auch eher an ein Trend/Hype der wieder vergeht.

    Die Anbieter werden bei Preisnachlässen von 50 % und zu vielen Kunden irgendwann vorweg Mondpreise angeben oder es auch nicht tun und dann aber wesentlich weniger verdienen.

    Es wird dann entweder für den Kunden oder den Anbieter uninteressant.

    Vielleicht kommt es aber auch ganz anders, manchmal schätzt man Dinge ja auch falsch ein. Das ist wie bei den Single-Charts…



  8. Steffen

    Bei Konkurrent Dailydeal heißt es, die Kooperationspartner bekommen 5 Tage nach Aktionsende den Gegenwert der verkauften Gutscheine überwiesen. Dailydeal kann also nicht von uneingelösten Gutscheinen profitieren.

  9. Mir ist gar nicht ganz klar, wie gerade z.B. bei Restaurantgutscheinen eine Quote der Nicht-Einlöser valide ermittelt werden soll. Das wäre doch nur über ein ordentliches Tracking der Restaurantbetreiber möglich – und das kann ich mir bei Gastronomiebetrieben nur bedingt vorstellen ;-). Zudem glaube ich nicht, dass gerade kleinere Restaurants mit der “Endabrechnung” mehrere Monate warten werden.



  10. Michael

    Ich kenne die Konditionen von Citydeal und auch dort bekommt man als Restaurantbetreiber das vollständige Geld (abzüglich der ausgehandelten Prozente) aus den Gutscheinverkäufen überwiesen….Allerdings erst mit deutlicher Verzögerung. Von daher kann ich die Humbug-Argumentation von dem Ach-so-wichtigen Spreadshirt-Chef nicht nachvollziehen…



  11. Rob

    “nicht eingelöste coupons”?

    Das ist in jedem Fall eine witzige Einnahmequelle. Es gibt ja immer ein paar Idioten, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Quote hoher als ein paar mickrige Prozent sind.

    Wer schemisst denn freiwillig Kohle aus dem Fenster? Wohl kaum die Schnäppchenjäger.



  12. M

    Rob. schonmal was von Spontankauf gehört? Das Hemd mit zu langen Ärmeln, weils ein Schnäppchen war, nie wieder getragen? Die Gutschein-Manie appelliert an unseren Jagdinstinkt – wow, geil 60% Rabatt.



  13. Ichmich

    Ich sehe die nicht eingelösten Gutscheine eher als Cash für den Gutscheinausgeber, nicht für das Portal…



  14. Mr E

    Welch peinlicher Artikel…



  15. Jörg Rieger

    Ich kann es kaum fassen, was für ein Armutszeugnis dieser Artikel ist. Gesundes Halbwissen zusammengewürfelt mit einer Portion Egozentrik und darauf eine Pseudo-Analyse konstruieren. Da kann man ja fast nur davon ausgehen, dass die anderen “Ventures” von Team Europe auf ähnlich harten Fakten basieren.

    Für mich zeigt dieser Artikel einmal mehr wer wirklich erfolgreicher Serial Entrepreneur ist und wer mit viel Glück und wenig Verstand den Investor markiert.

    Ein ehrliches “ich hab mich getäuscht und erkenne an, dass die Samwers erfolgreich Märkte entwickeln können” wäre die bessere Option gewesen.

    Ein Kommentar zu so undifferenzierten Aussagen wie “und kann sich entsprechend hohe Kundenaquisitionskosten leisten” spare ich mir besser.

    Oder kurz: Schuster, bleib bei Deinen T-Shirts.



  16. Oliver

    Hier nochmal zur Aufklaerung das Business-Model:

    1. Bezahlung: Nach Dealende bekommt der Gutschein-Anbieter 50% Bruttoumsatz (abzueglich 20% Provision) der Gutschein-Aktion von CC sofort ueberwiesen. Die anderen 50% Bruttoumsatz werden in Tranchen bezahlt und auch nur dann wenn der Anbieter erfolgreich den Gutschein-Anbieter-Code und Gutschein-Kaeufer-Code an CC uebermittelt. ( In anderen Worten CC vergibt 2 Codes und nur wenn der Anbieter beide Codes hat bekommt er von CC das Geld ueberwiesen.)

    2. Ausfallquote: Die Ausfallquote liegt bei 15-25% pro Deal. (Fakt)

    Beispiel:

    Chicken Wings, Burger, Bier und heiße Girls im Hooters Deal (Frankfurt am 26.05.2010)

    Verkaufte Gutscheine (VK): 769

    Gutschein-Wert (GW): 10€

    Bruttoumsatz: 7690€

    CC Provision: 20%

    CC Erloes Gutscheinverkauf: 1538€

    Gutschein-Ausfallquote: 15%

    Erloes Gutschein-Ausfallquote: 1154€

    CC Gesamtertrag (GE): 2692€

    Zusammengefasst: (VGxGW)x0.2+(VGxGW)x0.15 = GE

    Auch Bedenken dass die meisten Leute nur Cinemaxx, Aral, McD kaufen ist nicht begruendet, da die Wiederkaeuferrate relativ hoch ist bei CC.

    Auch sind solche Zalando, Brands4Friends, Mister SPex, etc. sehr erfolgreich fuer CC und Anbieter, da Customer Acquisition Cost < Customer Life Time Value.

    Ich hoffe, dass bringt etwas Licht hinter das Geschaeftsmodel von CC und Konsorten.

    Wenn Fragen bitte melden ;)



  17. tina

    So ganz – Oliver – kann ich dir nicht folgen. Dein Text ist irgendwie ein bissl durcheinander… aber kurz:
    Man verdient damit, das man eben nix verkauft hat?

    Cool.. bis irgendwann die Verbraucherzentralen davon Wind bekommen und die Leute bei Nichteinlösung nach wasweisich das Geld wieder zurücküberwiesen bekommen müssen.

Aktuelle Meldungen

Alle