Fünfzehn Fragen an Anette Rehm von Geld-Magazin.de

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Ganz einfach: meine eigenen Konzepte und Entscheidungen umsetzen zu können, und nicht mehr Ideen zerredet zu kriegen, die andere dann mit Erfolg umsetzen. Bei […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Ganz einfach: meine eigenen Konzepte und Entscheidungen umsetzen zu können, und nicht mehr Ideen zerredet zu kriegen, die andere dann mit Erfolg umsetzen.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Bei einem gemütlichen Abend im Freundeskreis. Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, nach 20 Jahren im Marketing von Kreditinstituten aufzuhören und etwas rein im Internet zu machen. Aber es fehlte die konkrete Idee. Und dann sagte ein guter Freund, er hätte aus der Internet-Anfangszeit noch einige registrierte Domains, mit denen er nichts anfangen könne. Und die er anbieten wolle. Er zählte auf, Geld-Magazin.de war dabei. 5 Minuten weiter stand das Konzept von Geld-Magazin.de. Verständliche Informationen, Rat und Tipps rund um das Thema Geld und Finanzen, redaktionell aufbereitet, zu allen Aspekten im Leben.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Rein aus den Ersparnissen und dem Existenzgründungszuschuss.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Dem falschen Programmierer vertraut zu haben. Zwei Wochen vor Livetermin mussten wir komplett von vorne anfangen. Und haben innerhalb von zehn Tagen alles neu aufgesetzt und programmiert – inklusive Umziehen der Domains, Umswitchen beim CMS-System, der erneuten Einpflege der Startinhalte, denn als Informationsportal kann man ja nicht “blank” starten. Da hatte ich großes Glück, beim zweiten Anlauf genau die richtigen ITler zu finden!

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich hatte die Folgen des “Seitenwechselns” doch unterschätzt. Vorher haben einem viele Leute zugearbeitet, für Controlling, Beschaffung usw. gab es eigene Abteilungen. Und nun musste man sich um alles selbst kümmern und sich durch die Vielzahl an Informationen kämpfen, die auf Gründer einstürzen. Das kostet sehr viel Zeit. Beim zweiten Mal würde ich stärker selektieren und priorisieren.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Das waren drei. Privat: Mein Freund, der mir den Rücken komplett freigehalten hat. Dazu eine gute Freundin, die als Sparringspartnerin für alle Ideen und als Testuser herhalten durfte. Und mit wirklich guten Erfahrungs-Tipps, wenn ich vor lauter “guten Ratschlägen” den Weg etwas aus den Augen verloren hatte, auch Michel Lindenberg von Stayfriends – Danke nochmal!

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Flexibel sein! Wir hatten einen schönen Businessplan, ein schönes Konzept – und ändern doch immer wieder, weil die Realität anders ist. Und weil gerade im Internet der User doch andere Vorstellungen hat. Beispiel: Als erstes Geld-Infoportal hatten wir Bewertungs- und Kommentarfunktion. Es gab aber kaum Einträge. Also dachten wir, die User finden es nicht, und wollen lieber ein Forum für den Austausch. Kaum programmiert und live, wurde auf einmal die Kommentarfunktion stark genutzt. Also haben wir nach ein paar Monaten das – kaum genutzte – Forum wieder abgeschaltet.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Weniger Bürokratie, mehr Akzeptanz und hilfreiche Informationen. Als Gründer fühlt man sich oft als “aha, wohl keine feste Stelle mehr gekriegt? Notnagel Gründung” behandelt.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Dann wäre ich wohl weiterhin im Marketing bei Kreditinstituten tätig.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Ich finde kaufda.de sehr spannend, schon allein, weil sie einen absoluten Nerv getroffen haben. Wer hat schon Zeit, sich immer durch diesen Blätterwald von Prospekten zu wälzen?

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
In die Zukunft. Ins Jahr 2200. Sieht die Welt so aus wie man es sich bei “Raumschiff Enterprise” vorgestellt hat?

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ein Großteil geht sich direkt in die Vermarktung von Geld-Magazin.de! Der Rest wird gut und sicher angelegt – schließlich ist man ja Geld-Experte.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Vormittags einen schönen langen Lauf machen, nachmittags ein gutes Buch lesen oder am PC sitzen. Alternativ: einen Familienausflug machen.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit niemandem, ich bin bekennender Cola light-Trinker!

Zur Person
Anette Rehm, Jahrgang 1963, ist ein “spätberufener” Selbstständiger. Nach 20 Jahren in leitenden Positionen im Marketing bei verschiedenen Kreditinstituten (Norisbank, Bayerische Vereinsbank, Quelle Bausparkasse) gründete sie Mitte 2008 das Informationsportal Geld-Magazin.de (www.geld-magazin.de).

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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