Fünfzehn Fragen an Harald Ernst von Tellja

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Ich bin ein großer Fan von kurzen Wegen und kann diese Philosophie in meiner Position als Geschäftsführer auch an die Mitarbeiter weiter geben. Entscheidungen […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Ich bin ein großer Fan von kurzen Wegen und kann diese Philosophie in meiner Position als Geschäftsführer auch an die Mitarbeiter weiter geben. Entscheidungen treffen wir im Team. Für den Erfolg unseres Unternehmens ist jeder Mitarbeiter in gleicher Weise verantwortlich – das gilt vom Customer Service Mitarbeiter bis zum Geschäftsführer.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Mich hat der Einladungsmechanismus von Shopping Communities begeistert: Ich lade meine Freunde ein, diese bekommen als Vorteil zum Beispiel einen Einkaufsgutschein. Kaufen meine Freunde ein, so bekomme ich einen Vorteil für meinen nächsten Einkauf. Das ist der einfachste und effizienteste Weg, Neukunden zu gewinnen. Ein weiteres wichtiges Argument ist die Kommunikationsbereitschaft der Kunden. Sie wollen sich mitteilen, von ihren Erfahrungen und Einkäufen berichten. Die zahlreichen Posts auf Facebook sind ein einfaches Indiz dafür. Auf Basis dieser Erfahrungen haben wir Tellja entwickelt.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Wir sind durch Creathor Venture finanziert.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Neben der IT-Umsetzung war es die größte Herausforderung, sehr gute Mitarbeiter zu finden. Mittlerweile haben wir in Frankfurt ein schlagkräftiges Team aufgebaut, das engagiert und motiviert arbeitet.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Bereits zum dritten Mal baue ich ein Unternehmen in der Gründungs- und Wachstumsphase mit auf. Da stellen sich gewisse Lernkurven ein. Wahrscheinlich wäre es noch besser gelaufen, wenn wir sowohl auf der Entwicklungsseite als auch im Sales noch fokussierter vorgegangen wären.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Ich bin der Überzeugung, dass dies nur in einem Kanon aus unterschiedlichen Aktivitäten funktionieren kann. Neben dem Word-of-Mouth-Marketing, das wir ja selbst als Unternehmen für Empfehlungsmarketing betreiben, setzen wir auf PR, um Kunden wie auch Nutzer auf uns aufmerksam zu machen. Zudem haben wir dieses Jahr an zahlreichen Messen und Veranstaltungen teilgenommen – für uns ein perfekter Weg, um die Marke und das Geschäftsmodell bei relevanten Kunden bekannt zu machen.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Das auf eine Person zu begrenzen wäre viel zu kurz gegriffen. Das gesamte Team, mit dem mein Mitgeschäftsführer Michael Stöhr und ich Tellja aufgebaut haben, hat entscheidend zum Erfolg des Portals beigetragen.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Step by step, one by one, higher and higher! Wir haben einen detaillierten Businessplan aufgestellt und unsere Schritte in der Entwicklung des IT-Models wie auch im Vertrieb systematisch geplant. An diesen Vorgaben haben wir uns immer orientiert, auch wenn es manchmal mühsam war. Aber der Erfolg gibt uns recht: Kontakte, die wir vor drei Monaten das erste Mal angesprochen haben kommen jetzt auf uns zu und wollen die Integration unserer Lösung.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Herrn zu Guttenberg hätte ich ganz gern mal getroffen. Bei Herrn Brüderle ebbt mein Interesse doch etwas ab. Ich bin überzeugt, dass man hier nicht wirklich auf Hilfe hoffen darf. Unternehmer sein bedeutet etwas zu unternehmen und etwas zu wagen, der Staat bietet da nur wenig Unterstützung.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ich habe mehr als fünf Jahre für die Bertelsmann AG gearbeitet. In einen Konzern würde ich nicht so schnell zurück gehen wollen. Die spannenden Onlinebereiche sind aus meiner Sicht Geschäftsmodelle, die Bewegtbild, Shopping, Mobile Commerce und digitales Empfehlungsmarketing verbinden.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Das Geschäftsmodell von Swoopo.de finde ich sehr spannend.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
In die Zukunft. Die Vergangenheit ist langweilig, die kennen wir ja schon.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
In das Unternehmen investieren.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Mit meinen drei Kindern und meiner Frau.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Ich hätte gerne George Bernard Shaw getroffen. Da er leider schon tot ist, wird das wohl nichts mit dem Kaffee.

Zur Person
Bevor Harald Ernst bei Tellja (www.tellja.de) die Geschäftsführung übernahm, baute er in gleicher Position das Shopping-Portal BuyVIP in Deutschland auf. In Bielefeld realisierte der gebürtige Gelsenkirchener als Geschäftsführer der SELL-Marketing GmbH & Co. KG unter anderem erfolgreiche Kooperationen mit namhaften Unternehmen wie DHL oder der Coca Cola GmbH. Der Diplom-Kaufmann stieg zum führenden Mitarbeiter bei der Arvato AG (Bertelsmann) auf und konnte dort Erfahrungen in der Versandhandels- und Logistikbranche sammeln. Neben Accounts wie der Premiere AG, Fujitsu Siemens Computers betreute er zahlreiche internationale Projekte. Direkt nach seinem Studium begann seine berufliche Laufbahn bei der Hochtief AG.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.