Fünfzehn Fragen an Veit Spiegelberg von Stepmap

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Es gibt mir die Möglichkeit meine Ideen umzusetzen und für den Erfolg selbst verantwortlich zu sein. Selbständigkeit ist eine Herausforderung und beinhaltet immer ein […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Es gibt mir die Möglichkeit meine Ideen umzusetzen und für den Erfolg selbst verantwortlich zu sein. Selbständigkeit ist eine Herausforderung und beinhaltet immer ein Risiko und ich bin ein Mensch, der gerne Herausforderungen annimmt. Verantwortung, Erfolg und Misserfolg sind klarer zuordnungsbar und somit entsteht eine transparentere Arbeit.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die Idee zu StepMap kam mir während meines Thailand-Urlaubes 2007. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wie es dazu kam. Es war aber so, dass ich keinen Internetzugang hatte und ich dadurch nicht in der Lage war zu schauen, ob es sowas in der Art schon gibt. Das hat mir natürlich ein paar schlaflose Nächte bereitet. Wie sich später herausstellte, gab es einen Kartenservice, der sich personalisieren lässt und kostenlos ist, noch nicht. Natuerlich gibt es Reiseforen, reine Kartenanbieter – kostenpflichtige und kostenlose -, aber eben nicht das, was wir mit StepMap umzusetzen versuchen.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
StepMap ist komplett aus Eigenmitteln der Gründer – Ole Brandenburg, Thomas Gottfried und mir – finanziert.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Es mag abgedroschen klingen, aber die Zusammenstellung des Teams ist immer das größte Problem. Die Komposition des Teams ist entscheidend – also nicht nur gleichgesinnte zu finden, die zu allem „Ja und Amen“ sagen, sondern bewusst komplementäre Eigenschaften haben. Unterschiedlich zu denken, heißt ja nicht, dass man nicht ein gemeinsames Ziel verfolgen kann. Nach anfänglich langer Suche haben wir mit dem jetzigen 3-köpfigen Gründungsteam eine unserer Meinung nach sehr gute Startposition. Klassische Stolpersteine sind natürlich – so banal das klingen mag – auch die Frage nach der Firmenform, dem Hauptsitz und wie in unserem speziellen Fall, diverse rechtliche Feinheiten die viel Zeit, Geld und Nerven kosten.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich glaube, dass wir bis auf einen entscheidenden Fehler in der anfänglichen Teambesetzung keinen Fehler gemacht haben. Daher würde ich rückblickend bis auf eine Personalentscheidung auch alles noch mal genauso machen.

Jedes Startup muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Marketing ohne ein sinnvolles, einfaches Produkt ist wenig hilfreich. Daher verschmelzen bei uns oftmals Produkt- und Marketingideen. Da wir über kein klassisches Marketingbudget verfügen, passiert daher auch viel nach dem 1:1 Prinzip. Ebenso legen wir grossen Wert darauf, unseren Kunden genau zuzuhören. Und versuchen, über unser Produkt immer wieder kleine und grosse neue Features einzupflegen, die den User, die Presse und Kooperationspartner bei Laune halten. Ein Grossteil des Marketings ist fokossiert auf bestimmte Genres – beispielsweise haben wir inzwischen mit vielen Schulen und Bildungsorganisationen Verträge zur Zusammenarbeit abgeschlossen.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Die unmittelbare Familie, die auch Geld investieren würde und uns 100 % vertraut. Das ist im Umkehrschluss nicht immer einfach, da sich dadurch natürlich auch ein gewisser Erwartungsdruck einstellt.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Zwei Tipps: Im Zweifel auf das Bauchgefühl hören, den Kopf nicht überschätzen. Customer Service ist Chefsache, hinhören und entsprechend handeln.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Steuervereinfachung im Allgemeinen und Steuerentlastung für kleine, junge Unternehmen im speziellen.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Für mich gibt es derzeit keine Alternative zum Startup.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Nur bei ganz wenigen. Ich sehe ja genug von der Startup-Szene bei den mehrmals jährlich gehaltenen Treffen. Da wird viel geredet und ich stelle mir vor, dass in manchen Startups noch mehr geredet und noch weniger „gemacht“ wird.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Ich lebe im hier und jetzt, bin gesund, habe Spaß an dem, was ich tue. Von daher kann ich mir keine bessere Zeit vorstellen.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Einen Teil würde ich meiner Familie geben, den Rest komplett in StepMap investieren.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Handy aus, Computer aus, lange schlafen, Seele baumeln lassen, Freunde treffen.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit Guy Kawasaki, Jerry Jang und meinem Opa, der zu früh verstorben ist.

Zur Person
Veit Spiegelberg, Jahrgang 1977, gründete 2008 zusammen mit Ole Brandenburg und Thomas Gottfried den Kartendienst StepMap (www.stepmap.de). Zuvor war er für ebay, Jamba, Bild.T-Online und Seatwave tätig.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.