ProSiebenSat.1 tauscht Werbezeiten gegen Umsatzbeteiligung – SevenBrandVentures startet

Erst vor wenigen Wochen verkündete ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling eine neue Start-up-Initiative. Die Idee: Werbezeiten gegen einen Anteil am Umsatz oder eine Unternehmensbeteiligungen tauschen. Jetzt nimmt das Konzept konkrete Formen an: Das neue Programm […]

Erst vor wenigen Wochen verkündete ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling eine neue Start-up-Initiative. Die Idee: Werbezeiten gegen einen Anteil am Umsatz oder eine Unternehmensbeteiligungen tauschen. Jetzt nimmt das Konzept konkrete Formen an: Das neue Programm der Sendergruppe trägt nach Informationen von deutsche-startups.de den Titel SevenBrandVentures. Die Initiative Werbezeiten gegen Umsatzbeteiligung bzw. Firmenanteile wird von der MM MerchandisingMedia GmbH, dem Licensing-, Commerce- und Musikableger der Sendergruppe, in die Tat umgesetzt – verantwortlich dafür sind Geschäftsführer Hans Fink und Antje Burda, Mitglied der Geschäftsleitung.

“Die Resonanz ist groß, bereits wenige Wochen nach der Ankündigung meldeten sich erste Interessenten. Inzwischen sind rund 20 Projekte umgesetzt beziehungsweise in der Implementierungsphase”, teilt ProSiebenSat.1 auf Anfrage von deutsche-startups.de mit. Zu den bereits umgesetzten Projekten gehören aus dem Online-Segment der Re-Commerce-Anbieter Zonzoo (www.zonzoo.de), der Outlet-Online-Shop Sneakerloft (www.sneaker-loft.de) und die Partnervermittlung eDarling (www.edarling.de). Das Programm steht aber nicht nur Onlinefirmen offen. So setzen daneben die Immunkur Kijimea (www.kijimea.de), die Limo Chabeso (www.chabeso.de) und der Uhrenhersteller Hanhart (www.hanhart.de) auf das neue Werbeverkaufskonzept von ProSiebenSat.1. Zielsetzung der Kampagnen ist es, den Bekanntheitsgrad der meist jungen Unternehmen und deren Abverkauf zu steigern.

Die Bewerber müssen einige Kriterien erfüllen

Generell steht das Programm allen Firmen offen – sofern das Produkt zu den Zuschauern der ProSiebenSat.1-Sender passt. Bewerbungen sind direkt über die Homepage von SevenBrandVentures möglich. Die Bewerber müssen allerdings einige Kriterien erfüllen. Das wichtigste: Die Unternehmen müssen TV-Neukunden sein, also bisher nicht im Fernsehen für sich geworben haben, – weder bei den Sender von ProSiebenSat.1 noch bei anderen Fernsehstationen. Der Hintergrund dieser Regelung ist klar: Die klassiche Einbuchung von Werbeplätzen, speziell von bereits aktiven Kunden, ist und bleibt das Kerngeschäft von ProSiebenSat.1. Bei Media for Equity bzw. Media for Revenue Share geht es darum, “eventuell noch verfügbares Werbeinventar gewinnbringend einzusetzen”. Anders ausgedrückt: Es geht um Restplatzvermarktung. Dafür unterstützt ProSiebenSat.1 die entsprechenden Unternehmen bei der “Entwicklung eines Marketingplans – inklusive der Konzeption und der Produktion von Werbespots -, der Mediaplanung, der Buchung und der Auswertung” der Kampagne. Die Produktionskosten für einen Spot, die sich laut Senderangaben im “überschaubaren Rahmen bewegen”, muss das jeweilige Unternehmen tragen. Bei “vielversprechenden jungen Unternehmen, die keine Spotkosten aufbringen können”, würde das Medienhaus aber auch mal selbst ins Portemonnaie greifen.

Beim Outlet-Online-Shop Sneakerloft lässt sich bereits ein erstes Fazit ziehen: Seit Beginn der Kampagne vor drei Monaten sind beim Web-Kaufhaus nach Angaben von ProSiebenSat.1 “bereits über 10.000 Bestellungen eingegangen”. Was vom erzielten Umsatz bei ProSiebenSat.1 hängen bleibt, ist nicht in Erfahrung zu bringen. Letztendlich wird die Höhe der Umsatzbeteiligung vermutlich von Projekt zu Projekt unterschiedlich sein. Für junge Unternehmen und Firmen, die bisher nicht im TV geworben haben, könnte SevenBrandVentures eine spannende Möglichkeit sein, schnell – zu günstigen Konditionen – neue Nutzer zu gewinnen und somit den eigenen Umsatz zu steigern. Für ProSiebenSat.1 wiederum ist das Programm eine gute Möglichkeit bisher nicht verkaufte Werbeplätze an den Mann zu bringen und gleichzeitig eine neue Umsatzquelle. Wenn das Konzept aufgeht, gewinnen somit beide Seiten.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.