“Wenn es nicht wehtut, macht es auch keinen Spaß” – Vijay Sapre von Effilee im Interview

In seiner Freizeit steht mobile.de-Gründer Vijay Sapre gerne am Herd. Mit seinem Koch-Wiki Effilee (www.effilee.de) will er auch andere fürs Kochen begeistern. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht er über Bezahlinhalte, volle Kioskregale und […]

In seiner Freizeit steht mobile.de-Gründer Vijay Sapre gerne am Herd. Mit seinem Koch-Wiki Effilee (www.effilee.de) will er auch andere fürs Kochen begeistern. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht er über Bezahlinhalte, volle Kioskregale und den Reiz von gedruckten Magazinen.

Auf der Website von Effilee steht der Satz: “Momentan wissen wir noch nicht so genau, womit wir mal Geld verdienen sollen. Aber das findet sich.” Inzwischen gibt es das Koch-Wiki Effilee auch am Kiosk. Ist dies nun endlich das erhoffte Geschäftsmodell?
Das ist durchaus einer der Gründe. Für Print gibt es eingeführte, funktionierende Verwertungsmechanismen, Online sehe ich auch auf absehbare Zeit nicht, dass sich Modelle, bei denen für Inhalte bezahlt wird, durchsetzen werden.

Haben Sie überhaupt keine Chance gesehen, mit dem Webangebot Geld zu verdienen?
Jedenfalls nicht so viel, wie man braucht, um dauerhaft die Qualität abzuliefern, die ich mir vorstelle.

Wären kostenpflichtige Inhalte dann nicht doch eine Lösung gewesen?
Nein, ich glaube eher, das wäre der schnelle Tod einer guten Seite gewesen.

Die Printbranche befindet sich derzeit in einer enormen Krise. Keine gute Zeit für ein neues Produkt. Hat sich der Sprung in die Printwelt bisher gelohnt?
Wir haben nicht erwartet, in den ersten zwei Jahren schwarze Zahlen zu schreiben, aber wir sind mit der Entwicklung durchaus zufrieden.

Im Gegensatz zu früher, als Sie nur den Online-Dienst Effilee betrieben haben, dürften sie nun aber deutlich mehr Geld verbrennen, oder?
Ja.

Wie lange halten Sie finanziell noch durch, immerhin existiert Effilee inzwischen seit 2004 und Geld haben Sie bisher nicht verdient?
Das hängt natürlich von der weiteren Entwicklung ab, aber wenn es nicht wehtut, macht es auch keinen Spaß.

Anfangs hieß Effilee Kochpiraten. Verlief die Namensänderung, die 2007 vollzogen wurde, im Nachhinein reibungslos?
Ja und nein. Wir haben immer noch Nutzer, die den Kochpiraten nachtrauern. Aber das Magazin, das ich mir vorstellte, hätte man mit dem Namen nicht verwirklichen können. Und ehrlich gesagt, mir fällt es leichter, mich mit Effilee am Telefon zu melden, als mit Kochpiraten.

Ein Printmagazin zu stemmen ist eine ganz andere Angelegenheit, als ein Online-Angebot. Wo mussten sie Lehrgeld bezahlen?
Gewöhnungsbedürftig sind die langen Intervalle. Ob eine Online-Maßnahme greift, oder nicht, weiß man oft schon nach wenigen Stunden. Bei einem zweimonatlichen Magazin habe ich endgültige Verkaufszahlen erst zwei Wochen nach Erscheinen des nächsten Heftes. Wir haben das Titelkonzept gerade nochmal entscheidend geändert, ob das die richtige Maßnahme war, werde ich erst in drei Wochen erfahren.

Was macht den Reiz des gedruckten Magazins für Sie aus?
Online lebt von der Schnelligkeit, Print hat dem, so meine ich, Sorgfalt und eine gewisse Opulenz entgegenzusetzen. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, für das Online-Angebot Fotografen, Models und Location zu buchen um eine aufwendige Produktion zu realisieren. Und nach über zehn Jahren Online ist es auch ein tolles Gefühl, mal wieder etwas zu machen, was man in die Hand nehmen kann.

Glauben Sie, dass auch andere Online-Angebot den Sprung an den Kiosk wagen sollten?
Offen gestanden finde ich, ist es schon voll genug im Regal am Kiosk.

Mit Beef bringt das Medienhaus Gruner + Jahr demnächst ebenfalls ein neues, modernes Kochmagazin an den Kiosk. Fürchten Sie diese Konkurrenz?
Im Gegenteil, ich halte das zum einen für ein gutes Zeichen und denke auch, dass das den Markt eher noch beleben wird.

Was machen Sie, wenn Effilee nicht mehr zum erhofften Erfolgskonzept wird?
Ich habe immer mal wieder ganz interessante Angebote, aber bisher hatte ich noch keinen Grund, mich intensiver damit zu beschäftigen.

Vor Effilee haben Sie mobile.de gegründet und erfolgreich an eBay verkauft. Haben Sie noch ein Auge auf ihr altes Unternehmen?
Abgesehen davon, dass ich immer mal wieder darauf angesprochen werde, nein.

War es im Nachhinein die richtige Entscheidung damals zu verkaufen?
In den sechs Jahren, die ich in meinem Leben Taxi gefahren bin, habe ich gelernt: Es gibt immer verschiedene Wege, die man nehmen kann, aber man wird nie herausfinden, was passiert wäre, wenn man anders abgebogen wäre.

Zum Abschluss eine ganz persönliche Frage: Was haben Sie zuletzt gekocht?
Ich habe gerade zehn Stunden Autofahrt mit meiner Familie hinter mir und habe uns noch Nudeln mit Tomatensauce gekocht: etwas toskanischen Speck auslassen, eine feingeschnittene Schalotte dazu, am Schluß ein Stück Butter, Oliven, Kapern und frischer Estragon von der Dachterrasse.

Vijay Sapre
Gemeinsam mit dem Programmierer Ralf Prehn gründete Vijay Sapre, Jahrgang 1962, im Jahre 1996 den Auto-Marktplatz mobile.de.Zuvor arbeitete der Sohn eines indischen Vaters und einer deutschen Mutter unter anderem als Kellner, Taxifahrer, Musikproduzent und Werbetexter. Anfang 2004 legte das Auktionshaus eBay rund 121 Millionen Euro für mobile.de auf den Tisch. Nach dem Verkauf gründete Sapre das Wiki Kochpiraten, welches inzwischen auf den Namen Effilee hört. Seitdem können sich Hobbyköche, Profis und angehende Küchenmeister auf der Cyber-Plattform über Wissenswertes, Anekdoten und Hintergründe zu Lebensmitteln aller Art informieren. Infos zu Deutschlands Spitzenköchen und eine Frage-und-Antwort-Rubrik runden das anspruchsvolle Kochuniversum ab.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.