Der Salam Business Club will die islamische Welt erobern

Eigentlich ist Rias A. Sherzad begeisterter Xing-Nutzer. Doch zunehmend vermisste er auf der Plattform Menschen aus seinem Kulturraum. Darüber hinaus hatte er immer wieder Schwierigkeiten, “islamkonforme” Dienstleistungen zu finden. So kam ihm die […]
Der Salam Business Club will die islamische Welt erobern

Eigentlich ist Rias A. Sherzad begeisterter Xing-Nutzer. Doch zunehmend vermisste er auf der Plattform Menschen aus seinem Kulturraum. Darüber hinaus hatte er immer wieder Schwierigkeiten, “islamkonforme” Dienstleistungen zu finden. So kam ihm die Idee, selbst ein soziales Netzwerk zu gründen. Zusammen mit Farid Zazai entwickelte er den Salam Business Club (salambc.com), eine Art islamkonformes Business-Netzwerk. Der Sitz des Unternehmens befindet sich in Hamburg, vor allem Farid Zazai ist aber viel in der arabischen Welt unterwegs.

Die beiden Gründer kommen aus Afghanistan. Sherzads beruflicher Hintergrund liegt in der IT-Branche. Der 32-Jährige arbeitete schon für Sony-Europe, Siemens Dematic und die Al-Khaliji Commercial Bank. Zazai ist im Investmentbanking tätig, frühere Arbeitgeber waren HSBC Trinkaus & Burkhardt und Steigenberger Grundbesitz. Mit der Gründung ihres Netzwerkes wollen sie jedoch keinen Raum für religiöse Debatten wie die Kopftuchfrage schaffen. Weil dieses Missverständnis des Öfteren auftauchte, benannten sie den ursprünglichen Muslim Business Club in den Salam Business Club um. Denn wie bei Xing geht es auch hier in erster Linie um Geschäftskontakte. Aber als Moslem sind Sherzad bestimmte Grundsätze wichtig, die er in der Scharia begründet sieht. Geschäfte, die einen Bezug zu Alkohol, Pornographie oder Glücksspiel haben, findet man in seinem Netzwerk nicht. Zinsbasierte Geschäfte werden ebenfalls nicht beworben. “Moslems wollen, dass ihr Geld in islamkonforme Geschäfte investiert wird”, sagt er. Das bedeutet zum Beispiel, dass ein muslimisch geführtes Geschäft einen Anteil spenden muss, wenn es einen bestimmten Gewinn erwirtschaftet hat.

Die meisten Nutzer stammen aus Indien

Aus diesen Gründen wurde salambc.com in der islamischen Welt freudig aufgenommen. Sherzad weiß, dass die meisten seiner muslimischen Nutzer vorher in keinem anderen sozialen Netzwerk registriert waren. Neben den inhaltlichen Gründen haben vor allem die verschiedenen Sprachversionen zahlreiche Muslime angezogen. Mittlerweile sind es sieben: Deutsch, Englisch, Französisch, Türkisch, Persisch, Arabisch und Urdu. Indonesisch soll bald folgen. “Franzosen und Araber wollen eben unbedingt in ihrer eigenen Sprache kommunizieren”, schmunzelt er über Menschen seines Kulturraumes. Genaue Angaben über die Anzahl der Mitglieder macht Sherzad nicht. Nur, dass er für dieses Jahr noch den Sprung zur sechsstelligen Nutzerzahl erwartet. Außerdem verrät er, dass die meisten User aus Indien, Pakistan und den Vereinigten Arabischen Emiraten kommen. Die USA sind auf Platz sieben, Deutschland auf Platz zwölf der Hitliste. Längst sind bei salambc aber nicht mehr nur Moslems registriert. Rund 10 % der Mitglieder sind Nicht-Muslime, die in der muslimisch-arabischen Geschäftswelt mitmischen wollen. Sherzad weiß von vielen Chinesen im Netzwerk, die Koran-MP3-Player verkaufen und damit gut ankommen. Lächeln muss er jeden Tag über etliche Anrufe von Deutschen, die eine Geschäftsidee wittern und Wasseraufbereitungsanlagen nach Dubai verkaufen wollen.

Obwohl Xing in vielem das Vorbild für salambc.com ist, will Sherzad an bestimmten Stellen darüber hinausgehen. Was die “Privatssphäre” angeht, orientiert er sich beispielsweise eher an Facebook: “Die kann man dort weiter einschränken als bei Xing”. Außerdem will er nicht beim Anbieten von Jobangeboten stehen bleiben, sondern setzt auf Betreuung und Übersetzungsdienste. Angst, vom großen Konkurrenten Xing überrollt zu werden, hat Sherzad jedenfalls nicht. Er weiß, dass salambc.com durch den muslimischen Hintergrund, die eigenen Sprachversionen und auf das jeweilige Land abgestimmte Fassungen punktet. Er ist sich seiner Anhänger sicher: “Die Muslime freuen sich riesig, dass es einer von ihnen geschafft hat, mit einer Geschäftsplattform Erfolg zu haben und nicht mit einer weiteren Musikplattform”. Die Finanzierung von salambc.com erfolgt bisher komplett durch Sherzad selbst. Ideen für Erlösmodelle gibt es schon – beispielsweise kostenpflichtige Premiummitgliedschaften, Werbung und das Anbieten von geschlossenen Netzwerken innerhalb der Plattform. Auch am Vertrieb islamkonformer Anlageprodukte wollen die Macher über Provisionen partizipieren. Investorengespräche führt Sherzad ebenfalls, hat es damit aber nicht eilig. Verkaufen will er salambc jedenfalls nicht – obwohl es schon einige Angebote gab. Die lehnte er aber ab, da die Interessenten 70 % der Plattform beanspruchten. “Araber wollen entweder das ganze Projekt abkaufen, oder sie versuchen es zu kopieren – so eine 20-%-Regelung mögen sie jedenfalls nicht”, erklärt er die muslimisch-arabische Geschäftskultur.

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.

  1. Gute Idee, könnte Erfolg haben



  2. tina Obermeier

    BC… überleg überleg – da war doch was… Ach genau, die Abmahnungen von Xing…

    Hat das aufgehört?

    Ansonsten viel Glück für den Dienst, ich glaube die arabische Welt wartet noch darauf erobert zu werden.



  3. Roberto De Simone

    Interessante Ghettolösung. Dachte die junge Internetgeneration wäre über diesen Punkt hinaus. O.k., wir reicht es jetzt, ich gründe ein Christen-XING, mit christen-konformen Dienstleistungen.

  4. Hallo zusammen,

    @Herr Worzyk & Frau Obermeier: danke schön für die netten Worte! Nein, eine Abmahnung haben wir bisher nicht erhalten :-)

    @Herr De Simone: als Ghetto-Lösung verstehen wir das nicht, denn die Anforderungen die sich aus religiösen Geboten heraus ergeben sind nun einmal existent.
    Auf westlichen Plattformen habe ich beispielsweise bei Millionen Mitgliedern niemanden finden können, der mir eine gescheite islamkonforme Finanzierung eines Hauses anbieten kann, auf SALAMBC schon mehrere. Jede Anfrage führt zu einem Angebot und in unserem Fall gibt es nun einmal die Nachfrage, die wir zu befriedigen verstehen.
    Bitte beachten Sie auch, daß hier zwar viel über den religiösen Aspekt der Site geschrieben wird, allerdings liegt der Fokus der Plattform auch auf einem anderen _kulturellen_ Rahmen – und nicht nur auf einem religiösen. Die Plattformen unserer Mitbewerber “sprechen” kein Persisch, Arabisch oder Urdu – insofern macht es Sinn, diesem Umstand Rechnung zu tragen.
    Nach Ihrer Aussage, und ich entschuldige mich, falls ich das jetzt falsch deute, dürfte es demnach auch keine chinesische Google-Seite geben oder kein BlackPlanet.com als Kontaktbörse für Afro-Amerikaner.

    Übrigens gibt es bereits ein “Christen-XING”, nennt sich http://www.MyChurch.org :-)

    Viele Grüße aus Hamburg
    Rias A. Sherzad



  5. Jakob

    @ Roberto De Simone:

    Dort steht nichts vom interkulturellen Dialog, sondern von einer Geschäftsidee. Diese ist als solche nicht zu verurteilen und Herr Sherzad hat sich hier auch nicht als Social Entrepreneur vorgestellt.

    Mit einem Christen-XING wirst Du kein Glück haben, denn diese Religion verbietet einen nicht-konformen Handel nicht. Das sind wenn überhaupt nur Empfehlungen. Das ergibt sich aber aus dem Artikel, den Du sicher auch ganz gelesen hast, und ein bisschen Welt-Kenntnis.



  6. Kamawall

    @Roberto De Simone:

    Islam is a way of life. Er hat lösung für jedes Problem der Menschheit. Das Christentum dagegen leider nicht. Und selbst wenn, mit wie vielen praktizierenden Christlichen Mitgliedern würde man rechnen?



  7. Max

    Ich finde die Idee interessant, auch wenn ich der Meinung bin, dass sich die wenigsten nach dem Islamischen-Scharia richten (bezugnehmend auf Handel). Durch die Globalisierung sind auch die Muslime gezwungen auf die Rendite zu achten.

    “Er ist sich seiner Anhänger sicher: “Die Muslime freuen sich riesig, dass es einer von ihnen geschafft hat, mit einer Geschäftsplattform Erfolg zu haben und nicht mit einer weiteren Musikplattform”.”

    Arpopo Musikplattform, afghanshop.com gehört ebenfalls Herrn Sherzad … witzig.

    Viel Erfolg!



  8. Paule

    Ich finde die Idee im Prinzip gar nicht schlecht, vielleicht etwas stark auf Xing geschielt … aber mein Gott, warum sollte man nicht auf bewährtes setzen.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass das Projekt ein voller Erfolg wird *thumbsup*.



  9. tina Obermeier

    “Durch die Globalisierung sind auch die Muslime gezwungen auf die Rendite zu achten”

    naja, also was man so in der Finanzpresse liest scheint ja nicht jede Bank – und da gibts auch christliche Banken – nur FinanzGeier zu sein.

    Soll auch welche geben die auf Nachhaltigkeit setzen und sich mit weniger zufrieden geben…

    Aber die Sache mit dem arabischem Raum:
    Vor nem Jahr in Dubai ist mir schon aufgefallen wie wenig Web-Dienste es doch (speziell) dafür gibt..
    Muss ja nicht gleich im IRAN sein, die arabische Halbinsel, Ägypten usw wollen auch was ab ;)

  10. Gibt es sowas eigentlich auch für Juden, für Buddhisten, für Laoisten?

  11. Sensationell umgesetzt und ein toller Markt. Viel Erfolg! Alleine in Südostasien leben ca. 200 Mio Menschen deren Religion der Islam ist.

    Das Pendant für Christen ( mehr auf community statt Business ) gibt es schon! http://www.christbook.com/

    Und es gibt auch ein spezielles für “down under” namens http://www.zaabiz.com

  12. Hallo nochmal,

    @Max: ja, afghanshop.com gehört auch mir, der wahrscheinlich größte und einzige 100% legale afghanische Internetshop :-)

    Bzgl. Rendite/Handel: tatsächlich ist es so, daß die meisten im Westen lebenden Muslime nicht auf das Zinsverbot achten. Aus Diskussionen um dieses Thema haben wir gelernt, daß das schlicht daran liegt, daß es hier keine entsprechenden Angebote gibt. Mein Berater bei der Hamburger Sparkasse bemüht sich seit Monaten, islamkonforme Anlageprodukte für mich zu finden, bisher leider nur mit wenig Erfolg.

    In Deutschland ist es, aufgrund gesetzlicher Reglements, nicht möglich, eine islamkonforme Bank zu gründen – nicht weil die Gesetze bewußt “islamfeindlich” wären, sondern weil hier gewisse, gute, Schutzmechanismen implementiert sind die aber einen Zinsbezug haben, der nun einmal den Shariaregeln widerspricht.
    In Großbritannien wurde vom Gesetzgeber Abhilfe geschaffen, vielleicht kommt das in Deutschland auch noch. Ich weiß von Freunden aus London die sich seitdem mehrere Häuser gekauft haben, vorher lag das Geld geparkt auf der Bank…
    Seit der Weltwirtschaftskrise ziehen islamkonforme Anlageprodukte auch verstärkt westliche Anleger an, so hoffen wir, auch nicht-muslimische Mitglieder zu gewinnen, die den Handel mit fördern.

    @Tina Obermeier: der Iran ist allerdings technologisch am weitesten entwickelt, die größte Bloggernation, im Nahen Osten eine der besten Internetpenetrationsraten, etc.. Wenn nur das Embargo nicht wäre…

    @Max, Kamawall, Paule, Thomas Schulze: danke schön!

    Viele Grüße
    Rias A. Sherzad

  13. Pingback: Kommentare zu aktuellen aber langweiligen Meldungen… | BlogWave.de



  14. Max

    Herr Sherzad Ihr Umgang mit den Kommentaren finde ich vorbildlich. Ich wünsche Ihnen von ganzen Herzen VIEL ERFOLG.



  15. Roberto De Simone

    Hallo zusammen,

    das es eine Nachfrage nach so einem Angebot geben kann möchte ich nicht bestreiten. Finde es nur schade, das XING als Plattform für Muslime angeblich eher nicht in Frage kommt. Finde die angeführten Gründe eher esoterischer/ überzogen religiöser Natur und gar von kulturellen Barrieren zu Sprechen als vollkommen unangemessen in diesem Zusammenhang.

    Also ich fände es spannend und bin dafür das alle Religionen und Kulturen gemeinsam auf einer Plattform kommunizieren (können). Im realen Leben gibt es schon genug Zäune und Abgrenzungen.

    Ja ich weiß, die da draußen wollen das aber so und deswegen gibt es SALAM und wird SALAM auch evtl. Erfolg haben.

    In diesem Sinne, ma assalaama.

    LG, Roberto De Simone

  16. Alles Gute aus Berlin,

    der Markt ist riesig und es gibt einen klaren Bedarf, möglicherweise allerdings durch eine muslimische Gruppe auf XING oder LinkedIn einfacher abzudecken, oder?

    In jedem Fall ist das ein ernsthaftes Geschäft und keine “Ghettolösung”. Viel Erfolg.

    Beste Grüße, Mustafa

  17. Ich denke, das wird was.
    Das Netz ist einfach zu riesig um EIN Netz zu sein. Schade, aber alles andere ist Utopie…
    Jeder wird sich seine “Wohlfühl-Nischen”suchen und die werden auch gebaut werden, wenn nicht schon vorhanden.
    Ich finde es spannend immer wieder neue “Räume” zu finden und zu entdecken – und diese Idee hat ganz sicher Potenzial, und wenn der finanzielle Atem da ist eine gute Zukunft.
    Apropos entdecken: Islamische Geschäfte müssen ab einem gewissen Erfolg und Gewinn spenden? Da würde ich gerne mehr drüber erfahren – gibt es einen link oder irgendwo Infos?

    Beste Grüße aus Schwerte

    P.S.: Im “real life” funkioniert das Wechselspiel von Trennendem und Verbindendem ganz gut hier im Ruhrpott ;-)

  18. Pingback: Der Salam Business Club will die islamische Welt erobern …

  19. Hallo zusammen,

    @Max: noch einmal – danke schön :-)

    @Roberto De Simone & Mustafa Behan: leider geht es nicht nur um Kommunikation – die könnte man tatsächlich auch auf XING betreiben (wenn denn alle Englisch sprechen würden) – sondern um das Angebot der Dienstleistungen. Der von XING angebotene Jobs-Bereich ist sehr gut, allerdings nicht auf die Bedürfnisse des arabischen Markts zugeschnitten.
    Auch “XING-Mitglieder fragen” ist sehr gut, allerdings planen wir in unserem “Answers”-Bereich auch, Experten aus dem Bereich des shariahkonformen wirtschaftens Antworten auf entsprechende Fragen geben zu lassen – und nicht nur andere Mitglieder.
    Geschlossene Netzwerke über die Unternehmen, Studentenvereinigungen, Organisationen etc. miteinander kommunizieren können etc…. das sind einige der kommenden Funktionen der nächsten 2 Monate, die auf den anderen Plattformen fehlen und von Muslimen vermisst werden.
    Wir wollen mit der Plattform keine neuen Grenzen schaffen, daher haben wir bewusst auch europäische Sprachen in das Interface aufgenommen. Wie es schon eingangs heißt: die Plattform hat zu mindestens 10% nicht-muslimische / nicht-arabische Mitglieder – eine Zahl die wir auch gerne weiter wachsen sehen :-)

    @Jochen Hultrop: danke für die netten Worte und viele Grüße zurück aus Hamburg!
    Ja, tatsächlich gelten nach den Shariah-Regeln gewisse Bedingungen die von Unternehmen eingehalten werden müssen. Das betrifft die Verschuldung die einen bestimmten Prozentsatz nicht überschreiten darf, eine Pflichtabgabe ab einem bestimmten Umsatz und Gewinn und einige weitere Dinge.
    Zu Ihrer Frage: ja, die Sharia-Compliant-Funds spenden z.B. um die 2.5%. Einen kurzen Artikel zum Thema Islamic Finance And Banking finden Sie hier: http://www.welt.de/finanzen/article3523621/Islamische-Banken-sind-die-Gewinner-der-Krise.html
    Wenn Sie an weiteren Infos interessiert sind melden Sie sich gerne bei mir unter rias(punkt)sherzad(at)salambc(punkt)com und ich sende Ihnen einige PDFs zu.

    @Michael: auch an Sie: danke schön!

    Viele Grüße
    Rias A. Sherzad

Aktuelle Meldungen

Alle