Wird Risikokapital knapp?

Die Finanzkrise hält die Welt weiter in Atem. Um sich für die Wirtschaftsflaute zu wappnen, rät Michael Brandkamp, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds, jungen Unternehmen, die für ihr weiteres Firmenwachstum auf Risikokapital angewiesen sind, […]

Die Finanzkrise hält die Welt weiter in Atem. Um sich für die Wirtschaftsflaute zu wappnen, rät Michael Brandkamp, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds, jungen Unternehmen, die für ihr weiteres Firmenwachstum auf Risikokapital angewiesen sind, sich zügig einen Kapitalgeber hereinzunehmen. Zwar habe die Finanzkrise die Bewertungen der Firmenanteile nach unten sacken lassen, so dass der Verkauf von Anteilen an eine Risikokapitalgesellschaft für die Gründer derzeit nicht so lukrativ sei wie noch vor etwa einem Jahr. Brandkamp erwartet jedoch für das nächste Jahr eine Verknappung des in Deutschland verfügbaren Risikokapitals, so dass es dann noch schwieriger werde, frisches Geld aufzutreiben, um das Firmenwachstum zu finanzieren. “Die Gründer sollten beim Gespräch mit Venture Capital-Gesellschaften besser heute zu einer moderaten Bewertung \’den Sack zu machen\’ und sich die Finanzierung bis mindestens 2011 oder besser noch 2012 sichern. Andernfalls laufen sie Gefahr, dass ihnen 2010 das Geld ausgeht, weil sie im nächsten Jahr keine Anschlussfinanzierung finden.”

Der High-Tech Gründerfonds selbst will in den nächsten Monaten und im kommenden Jahr unverändert Geld für aussichtsreiche Firmengründungen zur Verfügung stellen. Bereits Ende des vergangenen Jahres hatte deutsche-startups.de einige bekannte Geldgeber zu ihrer künftigen Strategie befragt. Oliver Schuepbach von Wellington Partners sagte beispielsweise: “Eine Ausrichtung von Investmententscheidungen an den Rahmenbedingungen am Kapitalmarkt verbietet sich demgegenüber schon mit Blick auf die hohe Volatilität sowie die unterschiedliche Aufnahmebereitschaft der Börsen für junge Technologieaktien. Unabhängig von der Verfassung der Kapitalmärkte gelten daher bei Wellington Partners die gleichen Investmentkriterien wie in den Vorjahren”. Mischa Wetzel von der IBB Beteiligungsgesellschaft ergänzte: “Auch in der Vergangenheit sind wir in Baisse-Phasen sehr erfolgreiche Investments eingegangen. Wir legen seit jeher Wert auf eine geschlossene Gesamtfinanzierung, also die Möglichkeit, mit unserem Investment den Cashflow Break-Even zu erreichen. Das ist heute wichtiger denn je, da Anschlussfinanzierungen im aktuellen Marktumfeld nicht einfacher geworden sind.” Oliver Samwer vom European Founders Fund wiederum sagte damals: “Trotz und gerade wegen der derzeitigen Situation investieren wir weiter und sind fest davon überzeugt, dass gute Unternehmen auch weiterhin zu guten Exits führen werden.”

Geld für Neugründungen – dies belegen auch die zahlreichen Neugründungen der vergangenen Monate – scheint noch vorhanden zu sein. Wie die Lage im kommenden Jahr aussieht, ist nur schwer zu prognostizieren. Schwieriger sieht es aktuell in der Tat bereits bei weiteren Wachstumsfinanzierungen aus – abgesehen mal von einigen ganz großen Finanzierungsrunden bei Experteer ( 8 Millionen Euro), Swoopo (7,5 Millionen) oder BuyVip (14,9 Millionen). Wird Risikokapital – wie Michael Brandkamp vom High-Tech Gründerfonds es sagt – im nächsten Jahr noch knapper? Meinungen bitte in den Kommentaren hinterlassen!

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.



  1. tina Obermeier

    Den Breakeven hab ich schon lange für mich erreicht und mit 89234789 Fastilliarden Euro für Werbung könnt ma noch ein paar Mitarbeiter beschäftigen aber

    1. bin ich alleine und damit nicht ernst zu nehmen
    2. möcht ich mich nicht von den VC-Zockern einlullen lassen

    Gibts auch normale VC’s ?

    MFG



  2. Andre

    Geld ist doch vorhanden. Für einige Konzepte gibt es aber sicherlich erstmal kein Geld mehr. Auch VCs müssen haushalten.



  3. Nico

    Ich glaube, dass gute Konzepte auch immer Geld bekommen werden.

    Vielleicht werden nur die zig-Kopien vorhandener Seiten oder solche ohne wirkliches Finanzierungsmodell leer ausgehen. Schlimm, fände ich das nicht.

    -Abwarten und Tee trinken-

  4. Einerseits kann ich mich meinem Vorredner nur anschließen. Andererseits bekommen viele gute Konzepte gerade eben kein Geld, während langweilige Me Too Konzepte das Geld hinterher geworfen bekommen.

    Es gibt leider kaum eine konservativere Branche als die VC Branche. Wenn jemand mit einer revolutionären Idee oder auch einfach nur mit einem Konzept daher kommt, die ein bisschen abseits vom gerade aktuellen Hype (Social Networks, Mass Customization, you name it…) steht, dann stehen seine Chancen bei VCs erst einmal sehr schlecht.

    VCs haben selten Ahnung von der Technologie und wissen eben auch nicht, was The Next Big Thing wird und verlassen sich deswegen darauf, was in der Vergangenheit funktioniert hat. Statistisch sinnvoll, für innovative Gründer aber äußerst unerfreulich.

    So etwas wie YCombinator fehlt hierzulande eigentlich. Anstatt die Leute monatelang sinnloses Papier für Due Diligence produzieren zu lassen, einfach neben ein wenig Startkapital dafür zu sorgen, dass die Gründer produktiv werden und aus einer Idee auch möglichst schnell ein Produkt wird.



  5. tina Obermeier

    Wenn ich Geld zum rauswerfen hätte – dann würd ich ne Halle mieten und IT-Gründer einladen dort zu arbeiten.
    Jeder Gründer(in) hat 365 Tage Zeit zu wurstln, muss aber auch mind 40h die Woche da sein und nachweisen das er was tut.
    Vom Gewinn bekomm ich dann x Prozent, sonst keine Gebühren.
    Dafür ham die Gründer Büro und jede Menge Kommunikation

    Wer macht mit?



  6. tina Obermeier

    sollte jemand sowas in München machen , ich wär sofort dabei ‘oben’ oder ‘unten’.

    Nötig wäre dabei eigentlich eh nur eine grosse Bürofläche und Internet. Dürft ja aktuell nicht sooo teuer sein.

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  8. bernd schuehle

    @tina obermeier

    na suuuuuuupeeeer idee… lol. beknacktheit rulez.



  9. tina Obermeier

    @Bernd:
    Nicht dumm daherreden, begründen!

  10. Gute Idee. Ich weiß auch nicht, was daran ‘beknackt’ sein soll. Das ist eigentlich genau das, was Y Combinator macht und die fahren damit sehr gut, sowohl was den eigenen Gewinn, als auch was die Erfolgsquote der gegründeten Unternehmen betrifft.

    Aber in Deutschland ist ja scheinbar erstmal alles ‘beknackt’, was nicht mit einem irrsinnigen bürokratischen Aufwand verbunden, sondern einfach und elegant ist.



  11. tina Obermeier

    Y Combinator sind wohl Amis und nur dort aktiv, oder?
    Schade!

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