Fünfzehn Fragen an Irakli West vom Feuerwehrnetz

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Der Reiz liegt in der hundertprozentigen Verantwortung für Erfolg und Misserfolg. Der Begriff “eigener Chef” ist übrigens recht dehnbar. Das FWnetz ist zu 100 […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Der Reiz liegt in der hundertprozentigen Verantwortung für Erfolg und Misserfolg. Der Begriff “eigener Chef” ist übrigens recht dehnbar. Das FWnetz ist zu 100 % selbst finanziert, also muss ich mich eigentlich nur vor mir selbst rechtfertigen. Hat Vor- und Nachteile. Klappt das Businessmodell nicht, kann ich’s immer noch um 180 Grad drehen, wie Mitte letzten Jahres geschehen. Ich kann meine volle Energie der Plattform widmen, anstatt Reports zu schreiben.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Der erste Businessplan wurde bereits zu besten New Economy-Zeiten geschrieben, 1999. Das FWnetz heute entspricht im Wesentliche dem, was ich damals heruntergeschrieben hatte.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Finanzielle Mittel zu 100 % selbst eingesetzt, hinzu Reinvest der Einnahmen. Hinzu kommt sehr viel Humankapital von Freunden und Familie, ohne die es nie im Leben geklappt hätte.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Die Gründung war recht simpel. Größter Stolperstein war sicher die Bereitstellung des nötigen Kapitals um eine GmbH zu gründen.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Das mit dem “Social Network” war eine Schnapsidee. Aber jetzt weiss ich’s. Die typischen “social”-Elemente wie Gruppen, Blogs usw. können nichts anderes als ein Mehrwert sein, ein nice-to-have. Ein funktionierendes Businessmodell ist das nicht.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Mundpropaganda, die sich aus der Qualität ergibt. Das FWnetz ist inzwischen primär eine Ausbildungsplattform, bringt also auch Nutzen, für den User bereit sind zu zahlen. Und anderen davon zu erzählen. Der Markt ist recht überschaubar, mit einer besseren Kapitalausstattung könnte man sicher mit klassischen Mitteln an Multiplikatoren herankommen. Aber das Kapital ist nun mal nicht da, dennoch sehen die Indikatoren nicht schlecht aus.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Das sind einige. Müsste ich eine besonders hervorheben, ist das logischerweise meine Frau. Wir haben drei Kinder, und ich bin viel zu wenig bei der Familie wenn auch die Arbeitszeit recht flexibel ist.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Ich denke, man muss an die Idee glauben, für die man sich aufarbeitet. Und sie muss originell sein, und jemandem einen Nutzen bringen, immer wieder. Nur für Geld, und/oder ein Me-Too hinzustellen, das kann nicht befriedigend sein.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Er soll bitteschön der Bildungsministerin übermitteln, sie möge ihre Länderkollegen dazu bringen, gemeinsam dieses unsägliche Schulmodell zu kappen. Ein Schulsystem wie in den skandinavischen Ländern kann langfristig nur von Vorteil sein. Deutschland hätte enormes Potenzial. Einziger Trost: die meisten anderen Länder haben ein noch schlechteres Bildungssystem.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Das ist kaum zu beantworten. Ich denke, Konzeption in einer Internetagentur war schon, und wird weiter mein Ding bleiben. Vielleicht kommt Community Management auch hin, denn Unternehmen sollten den Dialog selbst führen – nicht durch ihre PR Agentur – und qualitativ wertvolle Informationen aufsammeln und verarbeiten, mehr aus dem Bauch entscheiden anstatt alles mit einem ROI zu belegen, der sowieso auf einer Humbug-basierten Kalkulation beruht.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Vielleicht bei Plazes, auch wenn der Zug für sie abgefahren sein dürfte. Ich glaube, damals ist viel Potenzial nicht gehoben worden – womöglich wäre daraus sogar ein Twitter inklusive Location geworden. Wobei Plazes inzwischen nicht mehr als Start-up gelten dürfte. Ansonsten: keine Ahnung.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Europa in den 30ern würde mich schon sehr reizen. Dann würde ich vielleicht eher verstehen, warum es zum Weltkrieg gekommen ist, übrigens ein Interesse von mir.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Den größten Teil festverzinst auf die hohe Kante legen und ansonsten normal weitermachen. Mit dem Liquiden würde ich meine Familie, auch in Georgien, unterstützen. Und einen Jeep aus dem Weltkrieg (siehe 12.) kaufen. Das ist mein Lebenstraum.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Mit Frau, Kindern und Eltern. Nachmittags um 3 ist auch immer Kaffee und Kuchen auf der Wache. Passt.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit meinen Kindern in 10 Jahren, darauf freue ich mich jetzt schon.

Zur Person:
Irakli West ist seit 1985 bei der Feuerwehr. Der 40-jährige Däne ist verheiratet und hat drei Kinder. Er absolvierte eine Ausbildung in London zum Videografen und gründete 1995 eine Internetagentur. West verbrachte die New Economy bei einer Agentur in London und wurde danach im Innovationsmanagement einer Großbank in München tätig. Seit 2006 ist er als Berater selbstständig, Ende 2007 launchte er FWnetz (www.fwnetz.de), eine Plattform für deutschsprachige Feuerwehrleute.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.