Fünfzehn Fragen an Christian Bücherl von Expli

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Es bedeutet Freiheit und Verantwortung gleichermaßen. Mit Freiheit meine ich, dass man als Selbständiger mehr als im Angestelltenverhältnis bestimmen kann, was auf die Agenda […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Es bedeutet Freiheit und Verantwortung gleichermaßen. Mit Freiheit meine ich, dass man als Selbständiger mehr als im Angestelltenverhältnis bestimmen kann, was auf die Agenda kommt, man darf selbst mitbestimmen in welche Richtung das Unternehmen läuft, das ist toll. Man muss aber auch die volle Verantwortung für all seine Entscheidungen und Handlungen übernehmen und langfristig in die Zukunft denken können, also eine Vision haben. Arbeit bei Expli empfinde ich aber zum Glück nicht also solche.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Diese Idee ist 2007 bei einer Diskussion im Freundes- und Bekanntenkreis aufgekommen. Wir haben generell über die Problematik bei der Suche nach Tipps und Ratgebern im Internet gesprochen und fanden es schade, dass es in Deutschland noch kein Portal gibt auf dem man schnell, einfach und übersichtlich dargestellte Ideen präsentiert bekommt.
Zudem haben sich drei Teammitglieder in ihren Dissertationen mit dem Thema “Community Management” und “kreative Ideenfindung” auseinander gesetzt. Ein weiterer hatte Know-how im Bereich der Online-Vermarktung. So kam schnell eins zum anderen und Expli war geboren.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Wir haben uns, nachdem wir sicher waren die Idee umsetzen zu wollen, ziemlich schnell für Startkapital in Form eines Gründerstipendiums (exist) beworben. Die Idee konnte überzeugen, so dass wir für ein Jahr finanziert sind. Außerdem sind wir durch die Ludwig-Maximilian-Universität München in das LMU Entrepreneurship Center eingebunden und bekommen dort kostenlose Büroräume und die gesamte Infrastruktur zur Verfügung gestellt.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Wichtige Punkte sind die richtige Aufteilung der Aufgabengebiete im Team, das Commitment aller Beteiligten und der gemeinsame Glaube an den Erfolg der Unternehmung. Als Stolpersteine würde ich dies jedoch nicht betrachten, eher als Leitfaden zu Beginn der Gründung.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Möglichst zügig mit dem eigenen Produkt auf den Markt kommen, auch wenn dieses noch nicht voll ausgereift ist. Nur durch einen solchen Praxistest kann das eigentliche Produkt an den Bedürfnissen der Nutzer und Kunden ausgerichtet werden.
Durch die gewonnen Erfahrungen würde so manch bürokratische Hürde jetzt natürlich schneller genommen werden.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Zu Anfang hatten wir das Glück PR Erfolge in Print, TV und Radio zu erzielen. Strategische Kooperationen mit wichtigen Partnern haben sich als sehr zielführend erwiesen und sollten deswegen von Anfang in die Planung einbezogen werden.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Wir haben zwei erfahrene und hilfsbereite Mentoren an unserer Seite, die uns immer wieder den objektiven Blick von außen geben und uns damit auf dem – manchmal steinigen – Weg der Gründung optimal begleiten. Was wir am Anfang als Verpflichtung aus dem exist-Programm verstanden haben, hat sich dann doch als sehr hilfreich erwiesen.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Gründer sollten sich frühzeitig überlegen, ob der Markt für ihre Geschäftsidee wirklich groß genug zum Geldverdienen ist: Gibt es jemanden, der später tatsächlich bereit ist mein Produkt zu kaufen?

Zudem ist die Teamzusammenstellung besonders wichtig für den Erfolg eines Start-ups. Der Austausch mit anderen Gründerteams (gerade im Rahmen von Gründungszentren wie dem LMU EC), erweist sich bei beiden Aspekten als besonders wertvoll.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Unbürokratische und wirtschafts- statt universitätsnahe Gestaltung von Förderprogrammen für junge Gründer. Und ein Schnupperpraktikum für ihn in einem Start-up, damit er weiß, wie hart das Geschäft sein kann.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Wenn ich nicht wieder in der Automobilbranche arbeiten würde, könnte ich mir gut vorstellen im Vertrieb von Investitionsgütern im asiatischen Raum einzusteigen.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Oft gehört und trotzdem wahr: Bei mymuesli natürlich, aber nur im Bereich Abfüllung! Auch wirklich interessant wären ein paar Einblicke in den Alltag von Statista.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Dorthin, wo es noch keine elektronischen Kommunikationsmittel gibt. Einfach deshalb, weil man sich das heute gar nicht mehr ohne Laptop und Handy oder Telefon vorstellen kann. Im Speziellen würde mich interessieren, ob Skorbut wirklich eine solche Plage unter Piraten war.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Die Häfte des Geldes würde ich in Expli stecken und die andere Hälfte langfristig anlegen. Wenn eine anständige Rendite dabei herauskommt, würde ich wahrscheinlich der professionellen Bonsaizucht nachgehen und einen Shop für balinesische Handwerkskunst eröffnen.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
In letzter Zeit vorwiegend im Büro oder Homeoffice. Ansonsten natürlich mit meiner Partnerin draußen in der Natur beim Radln, Bergsteigen oder im Sommer beim Schwimmen am See. Die regelmäßige Pflege meiner Bonsaisammlung darf an einem solchen Tag natürlich auch nicht zu kurz kommen.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Einfach mal wieder mit meinen Freunden, die ich in letzter Zeit stark vernachlässigt habe. Dies ist eben ein Opfer, dass man als Gründer bringen muss. Ein Bierchen mit Indiana Jones wäre aber auch nicht verkehrt.

Zur Person:
Christian Bücherl studierte BWL in München und Qingdao (China). Während seines Studiums sammelte er Erfahrungen bei Unternehmensberatungen in München und Hongkong und arbeitete danach in Automotive-Beratungen. Zusammen mit Hendrik Grallert, Stefanie Maul, Philipp Wiegandt, Felix von Held und Dr. Marc Jokisch gründete er die Ideen- und Ratgeber-Plattform Expli (www.expli.de)

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

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