Fünfzehn Fragen an Andreas Constantin Meyer von fotocommunity und make.tv

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Meine Ideen verwirklichen! Als eigener Chef kann ich neue Realitäten schaffen. Ganz besonders reizt es mich, Online-Dienste zu schaffen, die das Leben meiner User […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Meine Ideen verwirklichen! Als eigener Chef kann ich neue Realitäten schaffen. Ganz besonders reizt es mich, Online-Dienste zu schaffen, die das Leben meiner User bereichern und ihnen neue Horizonte eröffnen.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Die fotocommunity-Idee kam mir in meinem Urlaubsjahr 2000 nach dem Web-1.0-Stress. Die Idee zu make.tv 2003 mitten im Aufbau von fotocommunity.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
fotocommunity ist selbstfinanziert und seit einigen Jahren profitabel. make.tv hat gerade die zweite Finanzierungsrunde abgeschlossen – die erste mit internationalen Privatinvestoren und die zweite durch den High-Tech Gründerfonds und von mir selbst.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
fotocommunity war 2001 komplett werbefinanziert. Die Budgets sind aber 2002 nach dem Crash quasi eingefroren worden. Da habe ich als eine der ersten Webseiten eine monatliche Mitgliedsgebühr eingeführt. Das klappt bis heute sehr gut! Besonders wichtig war mir immer die Betreuung meiner User und Kunden. Das geht nur durch die Mithilfe der User selbst. Schon wenige Monate nach dem Start der fotocommunity war das E-Mail-Aufkommen zu groß, um es selbst oder mit bezahlten Mitarbeitern zu bewältigen. Bis heute helfen unsere User mit, neuen Usern Fragen zu beantworten.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Den Programmcode besser dokumentieren für alle, die nach mir kommen. Ansonsten kann ich jedem nur raten: Keep costs low and think big. Das lässt sich vereinbaren.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Customer-Relationship-Magament. Nur wer eine gute Beziehung zu seinem Kunden hat, kann ihn auch konvertieren. User in einer Datenbank zu sammeln und irgendwelche kostenlosen Webtools anzubieten, ist einfach. Im besten Falle ist das Tool gut genug, um alleine mit Mundpropaganda zu wachsen, den Rest erledigen dann Adwords oder sonstige geschickte Massnahmen. Nur: Wie monetarisiert man die User? Ich bin da ein großer Fan von Mitgliedsgebühren. Und dann muss man sich Gedanken über die Beziehung zu jedem User machen. Das fängt mit den Basics an: Kundenanfragen zeitig und gut zu beantworten. Dazu gehört aber auch, auf den Kunden zuzugehen und eine Email zu senden, wenn er eine Weile inaktiv war. Natürlich muss man das während des Wachstums schnell automatisieren. Wichtig dabei ist dann aber, auf die persönliche Antwort einer automatisierten E-Mail persönlich zu antworten!

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Meine Chef-Supporterin Ute Allendörfer, die eine CRM-Maschine ist (siehe oben), und mein CTO Felix Huber, der schon 2001 dafür gesorgt hat, dass die Server laufen!

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Überlegt euch, wie ihr das viele Geld, welches ihr ausgebt, wieder einnehmen könnt. Die Zeiten sind vorbei, wo User und Seitenabrufe einen Wert darstellen.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Einfachere Anmeldung von Aushilfskräften und Praktikanten. Und: Wenn ich mir die Rechnungen der Steuerberater ansehe, auch ganz generell ein einfacheres Steuersystem. Ich beklage mich nicht grundsätzlich: Die Steuersätze sind schon in Ordnung. Aber es gibt einfach zu viele Ausnahmeregeln, da blickt doch kein Mensch mehr durch und deshalb steigen die Beratungskosten!

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ein anderes Start-up gründen!

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
studiVZ. Und zwar, weil ich wirklich mal wissen will, wie man es schafft, mit einer so primitiven Seite so viele User zu binden.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Ich reise in das Jahr 2030, wo quasi jedes elektronische Gerät eine Gigabit-Verbindung ins Internet hat. Mich würde brennend interessieren, wie die Menschen damit umgehen und was sie daraus machen.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Wenn Sie mich das mit 50 fragen, würde meine Antwort vielleicht lauten: Zu Ruhe setzen. Jetzt aber würde ich neue Internetanwendung entwickeln. Es gibt noch so viele weiße Flecken auf der Internet-Landkarte! Jetzt hätte ich sowieso keine Zeit, übermässig viel Geld auszugeben – abgesehen von eingeflogenem Tee!

Wie verbingen Sie einen schönen Sonntag?
Samstag ist mein freier Tag. Tee trinken, Zeitung lesen, abends Party. Sonntags arbeite ich in der Regel.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit Ihnen, Alexander! Ich gebe zu, mehr Zeit mit dem Lesen von klassischen Medienprodukten zu verbringen, als mit Blogs. Euren Blog und ein paar andere lese ich natürlich. Aber insgesamt habe ich noch nicht den rechten Zugang zur “Blogosphäre” gewonnen. Ich würde gerne mehr über Blogs erfahren.

Zur Person
Andreas Constantin Meyer gründet 1991 mit Schulfreunden die erste Firma und produziert Disketten, CD-ROMs und ein Werbespiel für die EU. Ab 1997 arbeitet er drei Jahre lang mit internationalem Venture-Kapital an einer Softwaretechnologie zur Mediendistribution. Im Jahr 2000 steigt er aus und leistet sich ein Sabbatjahr. Er reist und fotografiert. Zurück in Bonn baut er seine eigene Fotohomepage und merkt: Aufwand und Nutzen stehen bei solchen Projekten in keinem Verhältnis; geringe Besucherzahlen, kaum Resonanz. Die Idee zu fotocommunity (www.fotocommunity.de) war geboren. 2008 gründete Meyer make.tv (www.make.tv), einen Dienstleister für die Produktion und Übertragung von Livesendungen im Internet.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.