Fragestunde mit Thomas Clark von enable2start – die Antworten

Letzte Woche riefen wir Euch, liebe Leser von deutsche-startups.de, wieder einmal auf, Fragen im Rahmen unseres User generated Interviews zu sammeln. Dieses Mal gingen sie an Thomas Clark, Leiter der Unternehmensentwicklung der Financial […]
  • Von Christina Cassala
    Dienstag, 3. Juni 2008
  • 1 Kommentar

Letzte Woche riefen wir Euch, liebe Leser von deutsche-startups.de, wieder einmal auf, Fragen im Rahmen unseres User generated Interviews zu sammeln. Dieses Mal gingen sie an Thomas Clark, Leiter der Unternehmensentwicklung der Financial Times Deutschland (FTD). In dieser Funktion hat er im vergangenen Jahr die Gründer-Initiative enable2start aus der Taufe gehoben. Enable2start geht in diesen Wochen in die zweite Runde. Und hier die Antworten:

Was hat die FTD eigentlich davon junge Unternehmen zu sponsern?
Erstens finden wir es toll, clevere Gründer mit coolen Geschäftsideen zu unterstützen. Zweitens bekommen wir durch die redaktionelle Begleitung mit großer Transparenz einzigartige Stories, die vor allem junge Unternehmertypen sehr interessieren dürften. Dass wir ein so enorm hohes Preisgeld an die fünf Sieger verteilen können, haben wir allerdings unseren Sponsoren zu verdanken. Ohne Alice, Arcandor, Christ Capital, der HVB und dem Zentrum für Innovation und Gründung (UnternehmerTUM) wäre es völlig unmöglich, eine Viertelmillion auszuschütten. Ihnen ist es zu verdanken, dass enable2start so ein Mega-Ding wurde.

Warum sollte ich mich bei enable2start bewerben?
Weil Du bei enable2start drei Dinge bekommst, die nahezu jeder Gründer braucht: Kapital, Aufmerksamkeit und ein tolles Netzwerk. Alle drei Dinge nicht gerade zu knapp, wie ich finde.

Warum ist enable2start so breit aufgestellt, wäre ein Fokus auf eine Branche nicht besser?
Nein. Wir wollen ganz bewusst das Signal aussenden, dass bei enable2start jeder Gründer und Jungunternehmer eine Chance hat, unter die fünf Sieger zu kommen – egal, welche Branche und welcher Vertriebsweg, egal, ob High-Tech oder Low-Tech, ob Gründung im Team oder als „Einzelkämpfer“. Das breite Spektrum der Finalisten des Vorjahres zeigt, dass wir wirklich für alles offen sind. Ebenso bunt gemischt sind die Sieger des Vorjahres – von der Kita bis zum Kopierschutz, und dazwischen Mymuesli & Co..

Bleibt die Frage, ob diese Breite nicht für die Bewerber schwierig ist, weil sie ihre Siegeschancen schwer einschätzen können. Zugegeben. Doch dafür ist das Procedere der Bewerbung enorm einfach: Online-Formular ausfüllen, Lebenslauf und Businessplan hochladen, das war’s. Für Gründer, die bereits einen Businessplan haben, ist das bestimmt in einer Viertelstunde erledigt. Zudem sind wird sehr offen, was Form und Umfang des Businessplans betrifft.

Schaut ihr euch wirklich die Konten der Unternehmen an?
Nur die der fünf Sieger. Warum? Weil wir eine Möglichkeit haben wollen, die Angaben der Gründer zu den Quartalszahlen nachzuprüfen. Das sind wir allein schon unseren Lesern schuldig, denn die vertrauen darauf, dass wir alles Machbare tun, um sicher zu stellen, dass die genannten Zahlen auch stimmen. Wir haben uns bei der Erstauflage kritisch gefragt, ob es okay ist, einen solchen Einblick zu verlangen. Dabei sind wir schnell zu dem Schluss gekommen: Jeder sorgfältige Investor würde es genauso machen. Und wir wollen wie sorgfältige Investoren agieren – auch wenn wir für unsere 50.000 Euro keine Anteile bekommen.

Was passiert eigentlich, wenn ein Unternehmen, welches ihr ausgezeichnet habt, während der Nachberichterstattung pleite geht. Wäre dies nicht ein Armutszeugnis für die FTD-Jury?
Finde ich nicht. Jeder erfahrene Unternehmer und Investor weiß, dass nichts 100-prozentig sicher ist, selbst bei sorgfältiger Prüfung und Analyse. Hätten wir auf Nummer sicher gehen wollen, hätten wir eine Initiative gestartet, die bei der Preisverleihung aufhört. Oder eine, die Gründer kürt, die es bereits geschafft haben. Wir fanden aber, es ist die Sache wert, sich den Unwägbarkeiten einer über einjährigen Live-Berichterstattung zu stellen, quasi mit ins Risiko zu gehen. Nur so könnt ihr beim Lesen nachvollziehen, was es wirklich heißt, ein Unternehmen zu gründen, im Guten wie im Schlechten.

Natürlich hoffe ich sehr, dass stets alle fünf gekürten Gründer die ganze Berichterstattungszeit über bestehen bleiben, doch im Grunde genommen wäre das eher ungewöhnlich. Denn immerhin sagt eine „Gründer-Volksweisheit“, dass fünfzig Prozent aller Gründungen das erste Jahr nicht überstehen. Sollte also einer unserer Sieger liquidieren müssen oder gar Insolvenz anmelden, wäre das nicht ungewöhnlich. Wer in so einem Fall Häme auf die Jury oder die FTD gießen wollte, hat das Grundprinzip des Gründens nicht verstanden: Wer ein Unternehmen gründet, geht ein Risiko ein.

Wie viele Startups haben sich bis zum jetzigen Zeitpunkt beworben?
In den ersten zwei Wochen gingen sieben Bewerbungen ein, es ist eben noch sehr früh. Die große Aufruf-Kampagne startet erst jetzt im Juni und bis zum Bewerbungsschluss (31. Juli) sind noch einige Wochen Zeit. Was Deadlines betrifft, sind Gründer (leider) auch nicht anders als andere Leute: Sie warten bis zur letzten Minute. Im Vorjahr trafen zwei Drittel der Bewerbungen in der letzten Woche ein (von 12 Bewerbungswochen), 20 Prozent in den letzten sechs Stunden, knapp zehn Prozent in der letzten Stunde und (!!) fünf Prozent in den letzten 15 Minuten. Die „geballte Ladung“ am Schluss ist eine ganz besondere Herausforderung für die Auswertung der Bewerbungen. Wir nehmen das natürlich „sportlich“, doch soviel möchte ich hier dezent anmerken: Wer mit seiner Bewerbung nicht bis zu allerletzten Minute wartet, wird bestimmt nicht schlechter gestellt.

Haben sich in der letzten Runde Unternehmen durchgesetzt, bei denen auch Sie schon bei der Bewerbung Potenzial gesehen haben?
Na klar, sonst hätte ich sie nicht für das Finale nominiert.

Zum Thema wöchentliche Berichte: Wie ist der Umgang mit der Presse? Wie sieht das konkret aus?
Unser enable2start-Redakteur Claus Hornung telefoniert ein Mal die Woche je eine Stunde mit jedem der fünf Gründer und fragt sie nach den Ereignissen der vergangenen Woche. Daraus entstehen die Gründerberichte, die ihr regelmäßig auf www.ftd.de/gruendung lesen könnt. Dort hat jeder der fünf Gründer quasi „seinen“ Wochentag – Gründer 1 am Montag, Gründer 2 am Dienstag, etc.

Begleitung im Marketing. Wie muss ich mir das vorstellen? Wo und wie unterstützten Sie?
Im Vorjahr haben wir die Sieger in einer bundesweiten Kampagne vorgestellt, mit Banner und Anzeigen. Ist bestimmt nicht schlecht für einen Gründer, wenn er von einer ganzseitigen Anzeige runter lacht, die in FTD, Capital, Impulse, Spiegel, etc. abgedruckt ist. Zudem bringt die redaktionelle Begleitung enorme Aufmerksamkeit – und obwohl wir kritisch und unabhängig berichten, hat das natürlich auch oft Marketing-Effekte.

Welche Faktoren muss ein Startup erfüllen, um in die engere Wahl zu kommen?
Mir persönlich ist vor allem wichtig, dass die Bewerbungsunterlagen transparent sind. Sollte etwa der Geschäftsbetrieb schon aufgenommen sein, achte ich darauf, ob die bereits erlösten Umsätze detailliert dargelegt sind, mögen sie noch so klein (und für den Gründer enttäuschend) sein. Ich freue mich auch, wenn ein Bewerber ein gut nachvollziehbares Vertriebskonzept präsentiert. Was die Art der Geschäftsideen betrifft, sind wir aber völlig offen. Vor dem Aufruf im Vorjahr hätte ich nie gedacht, dass wir eine Kita-Gründerin oder den Gründer eine Bio-Fastfood-Kette unter den Siegern hätten. Viel zu konventionell, viel zu langweilig, hätte ich vorher gesagt. Doch dann sahen wir deren Konzept – und waren begeistert.

Warum ist enable2start Ihren Angaben zufolge einmalig – warum gerade in Deutschland und nicht in den USA, wo es viele VCs gibt?
Keine Ahnung. Ich kenne jedenfalls keine Gründerinitiative, bei der interessierte Leser so tiefe Einblicke bekommen, inklusive Geschäftszahlen. Warum das noch nicht in den USA gemacht wurde, weiß ich auch nicht.

Welcher Gründer, den Sie im Interview hatten, hat Sie am meisten beeindruckt? Warum?
Wenn ich jetzt antworte, dass ich alle fünf Sieger bei Ihrem Auftreten enorm eindrucksvoll fand, klingt das vielleicht wie so ein langweiliger Diplomaten-Kauderwelsch, der eine klare Stellungnahme vermeiden will. Ist aber tatsächlich so. Sowohl bei Hubertus und Max von Mymuesli als auch bei den Präsentationen der anderen vier Gründer und Gründerteams, dachte ich mir: „Wow!“

Wollten Sie auch schon mal gründen? In welchem Bereich?
Ein paar vage Ideen habe ich schon. Mal sehen, vielleicht traue ich mich auch mal…

Nach welchen Kriterien werden die Start-ups bei enable2start bewertet?
Erste Schritt: Rohauswertung nach den Kriterien „Kreativität der Geschäftsidee“, „Stimmigkeit des Finanzplans“, „Nachgewiesene Vorarbeit“ und „Lebenslauf des Gründers/der Gründer“. Das dabei entstehende Resultat ist aber wirklich nur eine Rohauswertung. Denn natürlich ist uns klar: Was kreativ ist, kann jeder Juror anders sehen. Ist Müsli übers Internet verkaufen kreativ? Eine Kita gründen? Es sind oft die Nuancen, die die Kreativität ausmachen. Ebenso ist die Überprüfung der Stimmigkeit des Finanzplans manchmal einfach, manchmal extrem schwer. Gibt es Benchmarks, tut man sich leichter. Bei den Kosten kann man in der Regel eine bessere Einschätzung treffen als bei den Erlösen, etc. Deshalb gibt es bei uns einen zweiten Schritt, bei dem wir die Geschäftsideen individuell diskutieren. Im dritten Schritt laden wir einige Gründer zu persönlichen Gesprächen ein.

Wie regieren die Leser der FTD auf die neuen Ideen, Konzepte?
Kann ich allgemein schwer beantworten, dazu haben wir zu viele Leser, doch persönlich bekomme ich enorm viele positive Reaktionen. Und die Zahl der Leser der Gründer-Berichte auf FTD-Online stimmt uns zuversichtlich.

Soll es enable2start auf Dauer geben? Oder nur in der derzeitigen Gründerzeit?
Wir wollen enable2start gerne jährlich durchführen. Alleine schaffen wir das aber nicht (zu teuer), wir brauchen die Unterstützung der Sponsoren. Alice, Arcandor und das Zentrum für Unternehmertum unterstützen uns bereits zum zweiten Mal und ich hoffe sehr, dass hier eine langfristige Partnerschaft am entstehen ist. Die HVB und Christ Capital sind zum ersten Mal Sponsoren. Ich hoffe, dass wir sie überzeugen können, dass enable2start eine tolle Sache ist, die man dauerhaft unterstützen sollte. Doch dazu brauchen wir vor allem Eure Unterstützung: Denn enable2start steht und fällt natürlich mit der Quantität und Qualität.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.

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