Celesio schnappt sich DocMorris

Der traditionsreiche Pharmahändler Celesio (ehemals Gehe) steigt bei der Internet-Apotheke DocMorris ein. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz in Höhe von 21,6 Milliarden Euro übernimmt für schätzungsweise 200 Millionen Euro die kompletten Anteile der […]
Celesio schnappt sich DocMorris

Der traditionsreiche Pharmahändler Celesio (ehemals Gehe) steigt bei der Internet-Apotheke DocMorris ein. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz in Höhe von 21,6 Milliarden Euro übernimmt für schätzungsweise 200 Millionen Euro die kompletten Anteile der Venture Capital-Gesellschaften Neuhaus Partners, 3i und HgCapital in Höhe von gut 90 Prozent. Das Management von DocMorris bleibt weiter mit knapp zehn Prozent beteiligt. Ralf Däinghaus, Christoph Jennen und Thomas Schiffer werden die Internet-Apotheke zudem weiter leiten.

“Mit Hilfe unserer Investoren haben wir in den vergangenen sieben Jahren ein tragfähiges Geschäftsmodell mit großem Erfolg aufgebaut. Nun brauchen wir für die Zukunft einen strategischen Partner, um weiter in unserem Tempo expandieren zu können. Aus der Vielzahl der Interessenten ist Celesio die richtige Entscheidung”, sagt Däinghaus, Gründer und Vorstand von DocMorris. “Wir bringen eine starke Marke mit. Mit dem größten Pharmahändler Europas an der Seite können wir unseren Weg konsequent weitergehen.”

Für Celesio arbeiten nach eigenen Angaben in 16 Ländern über 36.000 Menschen. Zu den Geschäftszweigen des Pharmakonzerns gehören Großhandel, Apotheken und Services. Im Großhandel führen laut Unternehmensangaben “135 Niederlassungen Tag für Tag über 100.000 Lieferungen durch”. In rund 2.100 Apotheken werden zudem “täglich mehr als 500.000 Kunden” bedient und im Bereich Services bietet Celesio “Pharmaherstellern Logistik- und Distributionslösungen an”.

Mit dem neuen Gesellschafter will DocMorris besonders den “Ausbau der Markenpartnerschaften mit Vor-Ort-Apotheken in Deutschland verstärkt vorangetrieben”. Seit wenigen Wochen ist die Internet-Apotheke im Hauptmarkt Deutschland über so genannte Markenpartnerschaften mit 20 Niederlassungen vertreten. In den nächsten drei bis fünf Jahren soll die Anzahl der Kooperationspartner auf 500 steigen. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete DocMorris nach eigenen Angaben einen Umsatz in Höhe von 172 Millionen Euro. Die umtriebige Internet-Apotheke DocMorris wurde vor sieben Jahren vom niederländischen Apotheker Jacques Waterval und dem deutschen IT-Experten Ralf Däinghaus gegründet.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

  1. Celesio spekuliert laut CEO Oesterle darauf, dass das Fremdbesitzverbot aufgehoben und der Mehrbesitz von Apotheken weiter gelockert wird. Dann könnte man mit einer starken Marke “DocMorris” den deutschen Apothekenmarkt aufmischen. Als Groß- und Einzelhändler hat man somit einen Großteil der Lieferkette inne. Die daraus resultierende Marktstellung wird den Aktionären von Celeio gefallen, den Herstellern und Kunden vermutlich weniger.



  2. Horst

    …wie man aus dem Markt höhrt, verliert die GEHE einen nach dem anderen Kunden. Es mag ja toll sein in der Zeit des Fremdbesitzverbotes eine AMrke zu haben, aber:

    – erst einmal muss die Marke im Einzelhandel positiv besetzt sein. Die DocMorris bei uns ist kein Brüller – ein mieser Laden sogar und nicht einmal billiger als die anderen Apotheken…
    – wenn die Umsatzverlieren, kostet si DocMorris nciht nur die 200 Mio., sondern noch einige 100 Mios mehr!
    – vielleicht wollen jetzt auch keine Apotheken mehr mitmachen, wo Celesio dahinter steckt?

    Ich bin skeptisch!



  3. Indy

    Mutig, mutig, wenn man darauf setzt, dass sich die eigenen Kunden, welchen man plötzlich in den Rücken gefallen ist, auch noch dafür bedanken solllen. Der Gehe laufen scharenweise die Kunden weg. Da kann man auch mit höheren Rabatten locken oder den Apothekern mit einer DocMorris-Niederlassung in ihrer Nähe drohen. Der Apotheker, der davon beeindruckt der Gehe die Treue hält, möge bitte nicht klagen, wenn er sein eigenes Geschäft demnächst für wenig Geld an seinen ehemal so treuen Großhandelspartner abtreten darf. Noch kann man selbst an den Weichen stellen, bald ist es hierfür zu spät. Da will der richtige Partner wohl gewählt sein. Ein grünes Kreuz an der Tür ist nicht der Heilsbringer, den einem Herr Oesterle als solchen gerne verkaufen möchte.

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