“Es macht einen Heidenspaß” – Stephan Uhrenbacher von Qype im Interview

Stephan Uhrenbacher, Gründer und Geschäftsführer des Internet-Stadtmagazins “Qype“, über regionale Werbung, Einnahmequellen und gnadenlose Offenheit. Qype ist vor rund einem Jahr gestartet. Wie ist Ihre Bilanz? Wir haben hart gearbeitet und ein komplett […]
“Es macht einen Heidenspaß” – Stephan Uhrenbacher von Qype im Interview

Stephan Uhrenbacher, Gründer und Geschäftsführer des Internet-Stadtmagazins “Qype“, über regionale Werbung, Einnahmequellen und gnadenlose Offenheit.

Qype ist vor rund einem Jahr gestartet. Wie ist Ihre Bilanz?
Wir haben hart gearbeitet und ein komplett neues Geschäftsmodell aufgebaut. Es macht einen Heidenspaß zu sehen, dass “Qype” bei den Nutzern ankommt. Niemand hat uns rechts oder links überholt. In unserem Segment sind wir ganz weit vorn. In Europa sogar die Größten. In den USA ist “Yelp” noch eine Nummer größer, wobei das Angebot einen starken Fokus auf San Francisco und Boston hat.

Was ist in den letzten zwölf Monaten schief gelaufen?
Vor wenigen Wochen sind während der Erstellung einer Sicherungskopie fast alle Bilder in der “Qype”-Datenbank nicht gesichert, sondern gelöscht worden. Da ist sozusagen einiges grottenschief gelaufen. Zum Glück konnten wir fast 100 % aller verlorenen Bilder wieder herstellen.

Was macht man in so einer Situation?
Wichtig ist, dass man solche Fehler gnadenlos offen kommuniziert. Alles andere hilft in so einer Situation nicht weiter.

Kürzlich erhielt ein “Qype”-Nutzer für einen seiner Einträge eine Abmahnung. Ein Einzelfall oder ein Damoklesschwert, dass über jedem “Qype”-Nutzer schwebt?
In allen Foren, in allen Blogs und Plattformen, auf denen Nutzer Content hochladen, können sie belangt werden, wenn sie Falsches behaupten oder andere beleidigen. Das ist gut so, denn das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Wir löschen solche Beiträge, sobald wir davon wissen, so wie es jetzt der BGH mit seiner Entscheidung vom 27. März für alle Forenbetreiber auch vorgeschrieben hat. Tritt der seltene Fall ein, dass ein Nutzer abgemahnt wird, bieten wir zuallererst unseren Rat an. Niemand kann zum Beispiel belangt werden, wenn er von einer schlechten Erfahrung berichtet.

Im konkreten Fall hat ein Nutzer zwei namensgleiche Unternehmen verwechselt und Angaben gemacht, die zu einem Wettbewerber gehörten. Er wurde daraufhin abgemahnt, sprich aufgefordert, dies nicht zu wiederholen.

Was sind die wichtigsten Themen in den nächsten zwölf Monaten?
Ein zentrales Thema ist die Internationalisierung. Wir wollen “Qype” zunächst nach England exportieren. Seit Anfang März ist die englische Version im closed Beta-Test. Außerdem wollen wir das Anzeigengeschäft ausbauen. Generell setzen wir alles daran, das bestehende Angebot noch besser, noch einfacher zu machen.

Welche ausländischen Märkte nehmen sich mit “Qype” ins Visier?
Wir möchten mit “Qype” gerne in Deutschland, England und Frankreich stark sein. Vieles andere lässt sich später daraus ableiten.

Seit Ende Januar wird “Qype” von Orangemedia vermarktet. Wie läuft es bisher?
Die Vermarktung ist super angelaufen. Hätte ich in dem Maße am Anfang nicht erwartet. Es gibt überregionale und regionale Kampagnen, die bei uns laufen, und die Zahlen liegen über Plan.

Wie sieht “Qype” in Zahlen aus?
Momentan haben wir rund 25.000 registrierte Nutzer. Wobei man sich bei “Qype” nur registrieren muss, wenn man selbst einen Beitrag schreiben möchte. Sämtliche Inhalte stehen allen Nutzern zur Verfügung. Die registrierten Nutzer haben bisher 45.000 Beiträge zu Restaurants, Schwimmbädern und Parkanlagen in ganz Deutschland verfasst. Insgesamt kommt “Qype” derzeit monatlich auf 750.000 Unique Visitors. Die Zahl der Page Views liegt bei fast drei Millionen. In den letzten Monaten sind wir jeweils um 30 % gewachsen.

Setzen Sie bei der Finanzierung ausschließlich auf Werbung oder wollen Sie noch andere Einnahmequellen anzapfen?
Neben Online-Vermarktung sind durchaus noch andere Finanzierungsmöglichkeiten denkbar. Details will ich noch nicht verraten. Zunächst konzentrieren wir uns voll und ganz auf das Thema regionale Vermarktung, danach auf lokale Werbung durch Unternehmen direkt. Wenn wir jetzt schon andere Finanzierungsmöglichkeiten in Angriff nehmen, besteht nur die Gefahr, dass wir uns verzetteln. Generell wollen wir uns aber nicht nur auf eine Finanzierungsmöglichkeit verlassen.

Wann soll “Qype” schwarze Zahlen schreiben?
Ende 2008.

Zur Person
Stephan Uhrenbacher, geboren 1969, baute Mitte der 90er des vergangenen Jahrhunderts für Gruner+Jahr die Reiseplattform “TravelChannel” auf. 1999 ging er nach London und arbeitete als Head of Northern für “LastMinute.com”. Danach wirkte er als Director Product & Programm sowie als Prokurist bei der Bild.T-Online AG. Später verantwortete der Diplom-Wirtschaftsingenieur bei der Versandapotheke “DocMorris” Logistik, Auftragsbearbeitung, IT und Marketing. Im Frühjahr 2006 hob Uhrenbacher das interaktive Stadtmagazin “Qype” aus der Taufe.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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