Miriam Behmer im Interview readfy auf dem Weg zum “relevanten Flatrate-Anbieter”

"Unsere große Frage und letztendlich auch Wette war, ob Werbung in E-Books, also die Basis unseres Geschäftsmodells, überhaupt vom Leser angenommen wird. Und unsere Zahlen zeigen: Ja, da haben wir auf das richtige Pferd gesetzt", sagt Miriam Behmer von readfy.
readfy auf dem Weg zum “relevanten Flatrate-Anbieter”

Das App-Start-up readfy versucht seit 2013 eine werbefinanzierte E-Book-Flatrate im Markt zu etablieren. 50.000 E-Books bietet das junge Unternehmen, das 2014 via Companisto 500.000 Euro eingesammelt hat, inzwischen an. Geführt wird das Lese-Start-up seit Ende 2014 von der ehemaligen libri.de-Managerin Miriam Behmer. Die ursprünglichen Macher, Felix Bauchspieß, Ryan D. Mullins und Frank Großklaus sind alle längst nicht mehr an Bord. Solche Abgänge sind oft kein gutes Zeichen, von Katzenjammer kann bei readfy aber keine Rede sein. Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Geschäftsführerin Behmer über Content-Lieferanten, die zeitintensive Investorensuche und Werbung in E-Books.

Der BLSW Fonds investierte gerade in readfy. Wie geht es nun weiter?
Jetzt geht es darum, das Invest so effizient wie möglich einzusetzen. Das Ziel ist klar: Unsere Userbase so schnell wie möglich weiter zu skalieren. Erste Marketingkampagnen sind letztes Jahr noch angelaufen und die Zahlen entwickeln sich sehr vielversprechend. Außerdem planen wir, in den nächsten Monaten ein Paid Model als Ergänzung neben dem jetzigen werbefinanzierte Free Model einzuführen. Und da wären noch unsere vielen weiteren Ideen, um unser Produkt noch weiter zu verbessern. Und klar: Die 50.000 E-Books, die wir jetzt im Katalog haben, waren ein wichtiger Schritt, aber auch hier werden wir weitere Content-Lieferanten anschließen.

Wie schwierig ist es denn, Verlage vom Werbemodell zu überzeugen?
Ein bisschen Überzeugungsarbeit war da gerade am Anfang schon nötig. Aber wir merken, dass die Akzeptanz von Flatrate Modellen generell wächst und auch die Skepsis gegenüber unserer Werbefinanzierung sinkt. Wir haben jetzt schon circa 900 Verlage überzeugt, sind also auf einem sehr guten Weg.

Blicken Sie bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen?
Ich glaube da hatten wir Glück. So richtig schief gegangen ist letztes Jahr nichts. Aber was wir etwas unterschätzt haben, ist wie lange so eine Investorensuche dauern kann und wie zeitintensiv das ist. Aber das wäre ja jetzt glücklicherweise erst mal geschafft.

Wie lange haben Sie insgesamt gebraucht, um die Finanzierungsrunde über die Bühne zu bringen?
Es ist schwierig, den genauen Startzeitpunkt zu ermitteln, da sich viele Gespräche langsam aus bestehenden Kontakten heraus entwickelt haben. Aber bei unserem jetzigen Investor hat es circa sechs Monate von den ersten Präsentationen bis hin zum Notartermin gedauert.

Und wo haben Sie Ihrer Meinung nach alles richtig gemacht?
Unsere große Frage und letztendlich auch Wette war, ob Werbung in E-Books, also die Basis unseres Geschäftsmodells, überhaupt vom Leser angenommen wird. Und unsere Zahlen zeigen: Ja, da haben wir auf das richtige Pferd gesetzt. Unsere User lesen seit Launch jeden Monat mehr. Im Schnitt hat ein User im Dezember bei uns 387 Seiten gelesen. Das ist weit über Marktniveau und zeigt: Werbung in E-Books funktioniert.

Warum dann aber das Paid Model als Ergänzung als Ergänzung?
Wir haben eine Umfrage gestartet und Antworten von über 2.000 unserer User ausgewertet. Nur ein sehr kleiner Anteil stört sich an den Werbeeinblendungen. Aber ein nicht zu vernachlässigender Anteil wünscht sich eine Möglichkeit bei uns auch ohne laufende Internetverbindung lesen zu können. Dieses Offline-Lesen lässt sich mit Mobile Ads, die immer live abgestimmt auf den User und die Buchinhalte eingespielt werden, nicht vereinbaren. Auch bei den großen Musik Freemium Playern ist offline der große Conversion-Trigger zum Paid Model und nicht die fehlende Werbung. Bei uns ist das ganz ähnlich.

Wo steht readfy in einem Jahr?
Dieses Jahr werden wir uns noch vorrangig auf den deutschsprachigen Raum konzentrieren. Ziel ist es in einem Jahr weiterhin einer der relevanten E-Book Flatrate-Anbieter zu sein – aber mit einer deutlich größeren Nutzerschaft als jetzt.

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Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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