#Interview

„Es gibt hier keinen magischen Trick“

Bis 2030 möchte das Team von Futury den Nährboden für 1.000 neue Startups in der Rhein-Main-Region schaffen. Dafür bringt die Startup Factory Hochschulen, Industrie und Kapital zusammen. Geschäftsführer Charlie Müller spricht über die ambitionierten Ziele der Initiative.
„Es gibt hier keinen magischen Trick“
Dienstag, 20. Oktober 2026VonAlexander

Aus Hochschulen und Forschung sollen in Deutschland deutlich mehr Startups entstehen. Genau dafür hat der Bund 2025 zehn sogenannte Startup Factories ausgewählt. Sie sollen regionale Gründungsökosysteme aufbauen und wissenschaftliche Ideen schneller in Unternehmen verwandeln.

Eine davon ist Futury. Die Startup Factory für die Rhein-Main-Region arbeitet mit der Goethe-Universität Frankfurt, der TU Darmstadt, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Frankfurt School of Finance & Management zusammen. Hinzu kommen 31 Industriepartner und drei Stiftungen. Inhaltlich konzentriert sich Futury unter anderem auf Life Sciences, FinTech, Aviation, AI, Cyber Security und DeepTech.

Das Ziel ist ambitioniert: Bis 2030 möchte Futury den Nährboden für 1.000 neue Gründungen schaffen. Allein in den kommenden zwölf Monaten sollen 140 neue Startups entstehen.

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Geschäftsführer Charlie Müller über die ersten Monate als Startup Factory, fehlende Labor- und Maker-Flächen und darüber, was die Rhein-Main-Region als Startup-Standort auszeichnet.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Futury erklären?
Futury arbeitet daran, in der Rhein-Main-Region die Bedingungen für Gründungsinteressierte, vor allem für Studenten und Wissenschaftler, zu verbessern. Das ist wichtig, damit die vielen guten Ideen, Erfindungen und Technologien, die wir in Deutschland nach wie vor haben, auch den Weg in den Markt finden. Wir wollen den Nährboden für 1.000 neue Gründungen bis 2030 bereiten. Wir konzentrieren uns dabei insbesondere auf wissenschafts- und technologiebasierte Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie auf die Begleitung von Gründungsteams von der ersten Idee bis zur Unternehmensgründung und Skalierung. Dafür arbeiten wir mit den vier führenden Hochschulen der Region, mit 31 Industriepartnern sowie 3 Stiftungen zusammen. Konkret unterstützen wir Gründungsteams von der Ideenfindung bis zur Ausarbeitung eines konkreten Geschäftsmodells und bringen sie mit den relevanten Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kapitalmarkt zusammen, um ihnen den Zugang zu Finanzierung, Kunden und strategischen Partnern zu erleichtern. 

Was genau zeichnet eure Region aus?
Wenn man an die Rhein-Main-Region denkt, denken die meisten als erstes an Frankfurts Banken und den Flughafen. Ist gibt aber darüber hinaus ein enormes wissenschaftliches Potenzial in der Region, das wir heben wollen. In lediglich 30 Minuten Fahrtzeit verbinden unsere vier Partnerhochschulen mehr als 100.000 Studierende und knapp 12.000 Wissenschaftler:innen: die Goethe-Universität Frankfurt und die Johannes Gutenberg-Universität Mainz als zwei der größten medizinführenden Volluniversitäten, die Technische Universität Darmstadt als eine der renommiertesten Universitäten für Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie die Frankfurt School of Finance & Management als eine der erfolgreichsten privaten Business Schools. Zudem ist die Rhein-Main-Region als internationale Metropolregion Heimat zahlreicher global agierender Industrieunternehmen – von Banken und Finanzinstituten, Pharma- und Life-Science-Unternehmen bis hin zum Knotenpunkt für (Luft-)Verkehr und Daten. Entsprechend konzentrieren wir uns inhaltlich insbesondere auf die drei wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Cluster LifeScience & Healthcare, Finance & Banking, Aviation & Space sowie die Technologiecluster AI & Cybersecurity und Deep Tech. 

Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?
Futury hat bereits seit 2015 Gründungsteams in Incubations- und Accelerationsprogrammen mit Industriepartnern zusammengebracht und die Pilotierung von Lösungen im Markt ermöglicht.  Wir sind stolz, dass wir uns aus diesem Modell heraus zu einer der insgesamt 10 Startup Factories weiterentwickelt haben, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie unseren Industriepartnern mit jeweils 10 Millionen Euro über die nächsten Jahre finanziert wird. Damit sind wir für die kommenden Jahre sehr gut aufgestellt, aber natürlich nehmen wir auch noch weitere Partner auf. Eine zentrale Herausforderung in diesem Prozess ist gewesen, die wichtigsten Hochschulen und Forschungseinrichtungen in der Rhein-Main-Region an einen Tisch zu bringen und die Themen Transfer und Gründung stärker in die Köpfe der Studierenden und Wissenschaftler zu bringen. Wir sind deswegen extrem froh, dass die Frankfurt School, die Goethe-Uni Frankfurt, die TU Darmstadt und die JGU Mainz mittlerweile Gesellschafter der Futury GmbH sind und diesen Weg gemeinsam mit uns gehen.  
 
Was habt Ihr seit dem Start im Sommer 2025 bisher erreicht? 
Wir haben 31 Industriepartner, 3 Stiftungen und vier Hochschulen ongeboardet, wir sind auf mittlerweile 25 Mitarbeitende gewachsen und haben diverse Programme wie unser Lab2Market-Format oder unsere Build Days durchgeführt.  Dass unsere Aktivitäten Früchte tragen, zeigen die Zahlen: Laut aktuellem Report des Startup-Verbands liegt Frankfurt mittlerweile deutschlandweit auf Platz 5 der Städte mit den meisten Neugründungen. In Hessen wurden im ersten Halbjahr 2026 82% mehr Startups gegründet als im zweiten Halbjahr 2025, in Rheinland-Pfalz 62% mehr im selben Zeitraum. 
 
Welches Projekt steht demnächst ganz oben auf Eurer Agenda? 
Es geht insbesondere um den weiteren Aufbau der Strukturen und vor allem Infrastruktur in der Region. Gerade für technologie-orientierte Ausgründungen benötigen wir MakerSpaces (ähnlich zu Werkstätten) und für Startups im Bereich LifeScience LabSpaces (Labore), damit sie ihre Erfindungen weiterentwickeln können. Das ist ein Projekt für die nächsten 3-5 Jahre, welches aber ein enorm wichtiger Meilenstein ist, der die Region langfristig attraktiver für Ausgründungen macht.  Zusätzlich geht natürlich die eigentliche Arbeit mit den Gründern und Startups weiter. Es gibt hier keinen „magischen Trick“, der schnell zum Erfolg führt. Die Aufgaben sind alle bekannt, jetzt heißt es Ärmel hoch und dranbleiben.   

Wo steht Futury in einem Jahr? 
Alleine in den nächsten 12 Monate wollen wir dabei helfen, 140 neue Startups auszugründen, davon mindestens 40 mit wissenschaftlichem Bezug. Dafür müssen wir das zentrale Ökosystem in der Rhein-Main-Region sein, welches Gründern, egal in welcher Phase sie sind, konkret weiterhilft – ob bei der Produktentwicklung, bei der Suche nach ersten Industriekunden oder natürlich bei der Finanzierung.

LET’S MEET AT STARTUPLAND


SEID DABEI: Am 10. März 2027 geht unsere STARTUPLAND Conference im RheinEnergieSTADION in Köln in die nächste Runde. Freut Euch auf spannende Talks, inspirierende Gründer:innen, praxisnahe Masterclasses und jede Menge Networking. Wir bringen die Startup-Szene wieder zusammen! Mehr über Startupland

Startup-Jobs: Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? In unserer Jobbörse findet Ihr Stellenanzeigen von Startups und Unternehmen.

Foto (oben): KI 

Alexander

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.