#Interview
„Die Initialzündung war ein Schockmoment“
KLAO aus Würzburg übersetzt Texte mithilfe von KI in zertifizierte und DIN-konforme Leichte Sprache. Die Plattform des Teams um Fabian Schlausch, Svenja Fischer und Abdullah Abdelrazek unterstützt Behörden, Kommunen und Organisationen dabei, Informationen barrierefrei bereitzustellen und gesetzliche Anforderungen zur Barrierefreiheit effizient umzusetzen.
Im Interview mit deutsche-startups.de stellt Gründer Schlausch sein Startup einmal ganz ausführlich vor.
Wie würdest Du Deiner Großmutter KLAO erklären?
Stell dir vor, du bekommst einen Brief vom Amt und verstehst kein Wort davon. So geht es 6,2 Millionen Menschen in Deutschland jeden Tag. Mit KLAO übersetzen wir solche Texte in Leichte Sprache: kurze Sätze, einfache Wörter, geprüft von Menschen, die selbst betroffen sind. Ämter und Firmen sind seit Kurzem sogar gesetzlich dazu verpflichtet, und wir machen es ihnen leicht, diese Pflicht zu erfüllen.
Wie genau funktioniert Euer Geschäftsmodell?
Wir bieten drei Produkte an. Das Übersetzungstool ist eine Web-App für Kommunen und Verwaltungen, die ihre Texte selbst in Leichte Sprache übertragen wollen, dafür zahlen sie eine Jahreslizenz. Das API-Portal richtet sich an Entwickler:innen und Agenturen, die Leichte oder Einfache Sprache in ihre eigenen Websites und Systeme einbauen wollen, das läuft tokenbasiert. Und mit unserem Zertifizierungsportal PEP verbinden wir Institutionen mit zertifizierten Lektorinnen und einer Prüfgruppe aus Menschen mit Lernschwierigkeiten, die die Texte offiziell abnehmen.
Wie ist die Idee zu KLAO entstanden?
Die Initialzündung war ein Schockmoment im Praktikum: Menschen mit Behinderung, die als „Beschäftigung“ Grillanzünder bastelten. Das war das Gegenteil von Inklusion. Später im Uni-Forschungsprojekt scheiterten sie an riesigen Textmengen: Klassische Übersetzungen waren unbezahlbar, reine KI-Tools weder inklusiv noch DIN-konform. Aus diesem „Geht-nicht“ entstand KLAOs Mission: Wir verbinden Künstliche Intelligenz mit Menschlicher Expertise für echte Teilhabe.
Wie oder wo hast Du Deinen Mitgründer:innen kennengelernt?
Über einen Pitch in der Universität meldete sich Abdullah bei mir und gemeinsam starteten wir in die Entwicklung und Pilotierung. Ein halbes Jahr später kam Svenja, klassisch über eine Ausschreibung und auch hier über die Hochschulkanäle, dazu.
Was waren die größten Herausforderungen, die Ihr bisher überwinden musstet?
Die Verkaufszyklen im öffentlichen Sektor sind lang, oft fünf bis sechs Monate von Erstkontakt bis Vertragsabschluss. Dazu kommt die aktuelle Wirtschaftslage: Auch Kommunen sitzen gerade auf knappen Budgets und tun sich schwerer mit neuen Investitionen. Und wie jedes Startup kämpfen wir gleichzeitig mit der klassischen Finanzierungsfrage, wie wir wachsen, ohne dabei die Substanz zu verlieren.
Welches Projekt steht demnächst ganz oben auf Eurer Agenda?
Ganz oben steht unser Plugin-Launch, wo wir aktuell in der Pilotphase sind. Und ansonsten: möglichst vielen Menschen von KLAO erzählen, auf Messen, im Netzwerk und überall wo Leichte Sprache benötigt wird.
Wo steht KLAO in einem Jahr?
Ich wünsche mir, dass noch viel mehr Städte und Kommunen mit uns arbeiten und dadurch noch mehr Menschen Zugang zu Informationen bekommen, die vorher für sie verschlossen waren. Das ist am Ende der Grund, warum wir das alle machen.
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