#Interview

“Direkt im ersten Jahr ist unser Mitgründer ausgestiegen”

Green Fusion setzt auf einen cloudbasierten Energiemanager. Das ClimateTech konnte bereits 2,7 Millionen einsammeln. "Unser Ziel ist es, ab 2025/26 dann auch in der Lage zu sein, profitabel zu arbeiten", sagt Gründer Paul Hock.
“Direkt im ersten Jahr ist unser Mitgründer ausgestiegen”
Dienstag, 13. Februar 2024VonAlexander Hüsing

Das junge ClimateTech-Unternehmen Green Fusion, in Hohen Neuendorf und Berlin zu Hause, entwickelt einen cloudbasierten Energiemanager zur Steuerung von Wärme, Strom und E-Mobilität. Investoren wie BitStone Capital, Übermorgen Ventures und Highrise Ventures investierten bereits 2,7 Millionen Euro in Green Fusion, das 2021 von Paul Hock, Joey Faulkner, Simon Wagenknecht und Matteo Zappulla gegründet wurde.

“Da waren wirklich auch einige glückliche Zufälle dabei”, sagt Gründer Hock zur Venture Capital-Suche. “Beim ersten Investor lief das über den persönlichen Freundeskreis und das private Netzwerk. Danach über unser Stipendium an der TU Berlin. Wir hatten zusätzlich das Glück, dass Investor:innen proaktiv auf uns zugekommen sind und uns einfach bei LinkedIn kontaktiert haben. Mittlerweile haben wir ein großes Netzwerk, mit dem wir uns immer wieder austauschen.”

Im Interview mit deutsche-startups.de spricht Green Fusion-Gründer Paul Hock außerdem über Gaskessel, günstige Mieten und Recruiting.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Green Fusion erklären?
Als eine Art Autopilot für Energiesysteme in Mehrfamilienhäusern. Das bedeutet, dass sich die Heizungsanlagen immer weiter optimieren, lernen und selbst steuern. Dabei werden auch externe Parameter wie zum Beispiel Wetterprognosen oder Preise berücksichtigt.

War dies von Anfang an euer Konzept?
Mit der Kopplung von Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen hat ursprünglich alles begonnen. Wir kommen aus dem regenerativen Bereich. Tatsache ist aber, dass es in der Wohnungswirtschaft einen riesigen Bestand mit konventionellen Anlagen gibt, also beispielsweise Gaskesseln. Wir haben unser System angepasst, um auch diese Anlagen optimieren zu können und gleichzeitig die Digitalisierung und die Transformation von regenerativen Anlagen voranzutreiben.

Zuletzt konntet ihr bereits eine Millionensumme einsammeln. Wie seid ihr mit euren Investor:innen in Kontakt gekommen?
Gute Frage, da waren wirklich auch einige glückliche Zufälle dabei. Beim ersten Investor lief das über den persönlichen Freundeskreis und das private Netzwerk. Danach über unser Stipendium an der TU Berlin. Wir hatten zusätzlich das Glück, dass Investor:innen proaktiv auf uns zugekommen sind und uns einfach bei LinkedIn kontaktiert haben. Mittlerweile haben wir ein großes Netzwerk, mit dem wir uns immer wieder austauschen.

Es herrscht weiter Krisenstimmung in der deutschen Startup-Szene. Mit welchen Erwartungen blickst Du auf die kommenden Monate?
Wir sind da wirklich sehr positiv gestimmt! Es spielt uns sehr in die Karten, dass die Immobilienbranche sich neu finden muss und vermehrt in Themen investiert, die zu Nachhaltigkeit und Klimaneutralität führen. Investorenseitig haben wir einen klaren Fokus auf ClimateTech-Themen. Angesichts der starken CO2-Einsparwirkung und dem Impact unserer Lösung. Wir haben auch das Gefühl, dass es in diesem Bereich noch genügend Geld für die richtigen Themen gibt.

Wie hat sich Green Fusion seit der Gründung entwickelt?
Am Anfang waren wir vier Tech-Gründer mit einer Idee und dem Willen und der Überzeugung, daraus etwas zu machen. Aber für uns alle war es das erste Mal. Wir wussten nicht, wie man ein Startup gründet, Leute einstellt, an Investor:innen reportet und so weiter. Im Laufe der Zeit haben wir sehr viel gelernt. Mittlerweile sind wir knapp 40 Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen – aber immer noch mit einem sehr starken Tech-Fokus – und deutschlandweit verteilt. Im Moment sind wir dabei, uns den europäischen Markt noch genauer anzuschauen. Unser Ziel ist es, ab 2025/26 dann auch in der Lage zu sein, profitabel zu arbeiten und unsere Kosten mit den wiederkehrenden Umsätzen zu decken. Hier sind wir auf einem sehr guten Weg.

Euer Firmensitz ist Hohen Neuendorf, Brandenburg. Ist das jetzt ein Vor- oder ein Nachteil?
Wie sitzen nicht nur in Hohen Neuendorf, sondern auch in Berlin, Hamburg, München und Köln. Dennoch bietet uns Hohen Neuendorf gute Möglichkeiten, wie zum Beispiel günstige Mieten oder Fördermöglichkeiten. Wir halten weiterhin an diesem Standort fest. Gleichzeitig haben wir aber auch festgestellt, dass die Großstädte für die Mitarbeitenden immer noch deutlich attraktiver sind.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist seit der Gründung, seit dem Start so richtig schief gegangen?
Eine Menge, das ist ja auch Teil des Ganzen und gehört dazu. Direkt im ersten Jahr ist unser Mitgründer Joey ausgestiegen, das hat uns allen sehr weh getan – auch persönlich. Wir haben aber immer versucht, direkt eine Antwort zu finden, was uns bisher auch immer gut gelungen ist.

Und wo hat Ihr bisher alles richtig gemacht?
Ich glaube, wir haben auch das Glück, die richtige Lösung in der richtigen Zeit zu haben. Die Energiekrise und die daraus resultierende CO2-Diskussion und die immer dringlicher werdenden Nachhaltigkeitsthemen – dadurch gewinnt unser Produkt natürlich immer mehr an Relevanz und Bedeutung. Wo wir aus meiner Sicht sehr viel richtig gemacht haben, ist beim Recruiting: Wir haben es wirklich geschafft, in kurzer Zeit ein unglaublich starkes Team zusammenzustellen, das sehr vielfältig ist und die unterschiedlichsten Qualitäten und Stärken vereint.

Wo steht Green Fusion in einem Jahr?
Wir wollen Vorreiter in Sachen Energieeffizienz in der Wohnungswirtschaft sein! Und das nicht nur im konventionellen Bestand, sondern insbesondere auch im Bereich der Sektorkopplung mit Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen. Das waren immerhin die Anfänge unserer Idee. Perspektivisch sehen wir aber auch viele Möglichkeiten mit virtuellen Kraftwerken. Wir freuen uns darauf, mit unserem Wirken und unseren Innovationen, die Wärmewende weiter voranzubringen.

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Foto (oben): Green Fusion

Alexander Hüsing

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.