Interview Featvre: Von 5000 auf 150.000 Nutzer in 12 Monaten

"Lustigerweise haben wir bei Featvre bisher keine großen Fehler gemacht. Wir arbeiten agil, nicht nur in der Software-Entwicklung, sondern in allem was wir tun. Wir lernen extrem schnell aus unseren Fehlern. Wir arbeiten immer mit Zielen", sagt Mitgründer Dirk Bartels.
Featvre: Von 5000 auf 150.000 Nutzer in 12 Monaten

Bei Featvre finden Onliner eine kuratierte Sammlung von Dokumentarfilmen, Reportagen und sonstigen nicht-fiktionalen Beiträgen. Das Startup wurde von Dirk Bartels und Heiko Haenler gegründet. Die Potsdamer wollen ihren Nutzern “anspruchsvolle, außergewöhnliche Non-Fiction-Sendungen, die man einfach nicht verpassen sollte” bieten”, sagt Bartels. “Und dieses Erlebnis wollen wir systematisieren und personalisieren.”

Der Erfolg gibt den Featvre-Macherin recht: “Wir werden heute von 150.000 Nutzern im Monat genutzt – vor 12 Monaten waren es keine 5.000”. Im Interview spricht Mitgründer Bartels über das Hubble-Teleskop, Widerstandskraft und das schlechte Fernsehprogramm.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Featvre erklären?
Wir bieten Dir “Kluges Fernsehen”: Schaue Dir zu jeder Zeit die schönsten Dokumentarfilme, außergewöhnliche Konzerte und tolle Ballettaufführungen auf Deinem iPad an. Dann musst Du Dich nicht immer über das schlechte Fernsehprogramm aufregen oder Dich beschweren, dass die Sendungen, die Dich interessieren, oft nach 23 Uhr ausgestrahlt werden. Kleine Anmerkung: Meine Mutter ist 90 Jahre alt und begeisterte Featvre-Nutzerin, dank der App und des iPads.

Deine Großmutter bzw. die Gruppe der älteren Onliner, ist aber nicht eure primäre Zielgruppe?
Nein, diese Zielgruppe „überlassen” wir gerne unserem Partner NEPOS, die speziell für ältere Nutzer ein integriertes Tablet entwickeln. Gemeinsam arbeiten wir derzeit daran, unsere Doku-Empfehlungen dort zu integrieren. Tablets haben ja gerade in dieser Zielgruppe eine gute Akzeptanz, weil ein Tablet auch für einen älteren Menschen intuitiver ist, verglichen mit einem Computer mit externer Tastatur und Maus. Zu unserer Zielgruppe zählt eigentlich jeder, der gerne kluges Fernsehen bzw. Streaming genießen will. Voraussetzung für die Nutzung von Featvre ist natürlich eine Internetverbindung. Aber eine Altersbegrenzung gibt es bei uns nicht. Denn wir haben über 2.000 unterschiedliche Themen: Dokus zum Thema Graffiti und Hip-Hop findet man bei Featvre genauso wie klassische Konzerte, politische Reportagen oder Künstlerporträts.

Bei welcher Gelegenheit entstand die Idee zu Featvre?
Die Idee entstand bei einem Dinner im Saigon Green auf der Kantstraße. Mein Partner und Freund Heiko Haenler und ich hatten eine angeregte Diskussion, wie schlecht das Fernsehen in Deutschland und in den USA ist und was es für ein tolles Angebot in den Mediatheken gibt, das kaum genutzt wird. Ich hatte direkt vor dem Treffen eine Doku namens “Invisible Universe” in der PBS-Mediathek gesehen, die zum 50. Jahrestag des Hubble-Teleskops gesendet wurde, und außerdem eine Abenteuer-Doku bei Red Bull TV. “Das musst Du sehen” sagte ich zu Heiko – und dieser Satz wurde zur Leitidee von Featvre: anspruchsvolle, außergewöhnliche Non-Fiction-Sendungen, die man einfach nicht verpassen sollte. Und dieses Erlebnis wollen wir systematisieren und personalisieren.

Wo ist da das Geschäftsmodell?
Wir haben wirklich mit diesem Konzept begonnen, ohne ein konkretes Business-Modell zu haben. Wir waren – und sind weiterhin – davon überzeugt, dass es sehr vielen Menschen so geht wie uns. Wir wollten also erst einmal zeigen, dass wir das System bauen können, und schnell und günstig eine große Anzahl von Nutzern erreichen können, die Featvre lieben und mit ihren Freunden und Bekannten teilen. Damit machen wir die Welt ein Stück weit besser und klüger und ein konkretes Geschäftsmodell ergibt sich dann.

Jetzt mal zu den Zahlen: Wie hat sich Featvre seit dem Start entwickelt?
Irre gut, finden wir. Immerhin verdoppeln sich unsere KPIs alle 60 bis 90 Tage, und wir haben nach gut einem Jahr gut sechsstellige Nutzerzahlen im Monat. Darüber hinaus haben wir auch im B2B-Umfeld einige namhafte Partner gewonnen – Sponsoren, Sendeanstalten, Produzenten, Publikumsmagazine – und wir haben eine tolle cloudbasierte Technologie-Plattform und Apps für so ziemlich alle wichtigen Mobile- und TV-Plattformen. Featvre hat jetzt 10 Mitarbeiter, aufgeteilt in Entwicklung, Redaktion und Business. Wir werden heute – Stand März – von 150.000 Nutzern im Monat genutzt – vor 12 Monaten waren es keine 5.000.

Und wann wollt ihr Geld verdienen?
Die Monetarisierung beginnt für uns erst in diesem Jahr, daher gibt es hier keine belastbaren Daten. So ziemlich alle erfolgreichen Internet-Dienste im Medienbereich sind so gestartet. Ziel ist es für uns, schnell die 500.000 Nutzer im Monat zu erreichen. Diese Zahl sehen wir als die Schwelle für eine nachhaltige Markenbildung und Monetarisierung an.

Du sprachst gerade schon von einem B2B-Konzept: Was genau macht ihr da?
Im Wesentlichen geht es hier bisher um Kooperationen mit Redaktionen und Bloggern. Unsere redaktionelle Expertise, das kuratierte Angebot und die journalistische Arbeit teilen wir gerne mit Partnern wie dem Stern und dem Monopol Magazin. Wir schreiben hier regelmäßig Gastbeiträge über Dokus, die der Leser in diesem Monat nicht verpassen sollte. Diese Empfehlungen werden zielgruppengenau aufgestellt, also zum Beispiel Kultur-Beiträge für das Monopol Magazin und Musik-Beiträge für Musikexpress. Darüber hinaus gibt es auch Ideen bezüglich der gemeinsamen Verwertung von Lizenzrechten an Dokumentationen.

Was waren die größten Hürden, die ihr auf dem Weg zur Gründung überwinden musstet?
In gewisser Weise sind wir ja „alte Hasen” im Startup-Geschäft. Mein erstes Software-Unternehmen habe ich 1984 gegründet. Mit POET Software, welches ich 1992 gegründet hatte, habe ich den Sprung ins Valley 1995 gewagt, und 1999 einen recht erfolgreichen Börsengang gemanagt. Und mein Partner Heiko Haenler hat auch diverse erfolgreiche Unternehmen gegründet, wie etwa aktuell ad modum.

Was könnt ihr aus dieser Zeit bei Featvre mitnehmen?
Wir wissen also nur zu gut, dass der Aufbau eines Unternehmens viel Zeit, Ausdauer und auch Widerstandskraft bedarf. Was am meisten nervt ist die „Unkerei” der Besserwisser, die einem immer erklären wollen, warum das sowieso nicht klappt. Damit bleibt die Finanzierung gerade hier in Deutschland vermutlich die größte Hürde. Aber ich habe auch schon dreimal den Ironman Hawaii erfolgreich absolviert und da gab es auch viele Zweifler.

Wie gehst Du mit Zweiflern um?
Zum einen sehr genau hinhören. Vielleicht ist ja etwas dran. Zum anderen sind wir sehr überzeugt von Featvre und wollen es den Zweiflern zeigen. Also sind Zweifler zwar nervig, aber auch eine tolle Motivation.

Was waren die größten Fehler, die Du bisher gemacht hast – und was hast Du aus diesen gelernt?
Lustigerweise haben wir bei Featvre bisher keine großen Fehler gemacht. Wir arbeiten agil, nicht nur in der Software-Entwicklung, sondern in allem was wir tun. Wir lernen extrem schnell aus unseren Fehlern. Wir arbeiten immer mit Zielen. Vielleicht hätten wir noch früher die Nutzer-Anmeldung verpflichtend machen sollen, damit wir besser mit den Nutzern kommunizieren können. Und ab und an verlässt man sich auf Menschen, auf die dann doch kein Verlass ist. Aber so ist das nun mal im Leben.

Wo steht Featvre in einem Jahr?
Wir können eine halbe Millionen glückliche Nutzer aufweisen, eine Marke, die in Deutschland für anspruchsvolle, außergewöhnliche Bewegbild-Inhalte steht und ganz viele B2B-Partnerschaften, die mit uns gemeinsam diese Ziele erreichen wollen. Wir sind überzeugt, dass das geht.

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Foto (oben): Featvre

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.