Gastbeitrag von Matthias Pauers So verbrennen Sie kein Geld mehr mit Ihrem Start-up

Start-ups besitzen den Nimbus, dass sie absolute flexibel und agil arbeiten. Doch das stimmt oft nur in der Theorie. In der Praxis zeigt sich, dass auch junge und kleine Teams manchmal wie Großunternehmen agieren. Um aus dieser Schiene herauszukommen, können moderne Denkweisen helfen.
So verbrennen Sie kein Geld mehr mit Ihrem Start-up

Wenn es um das Thema Start-ups geht, herrscht meist ein glorifiziertes Bild vor: Die Mitarbeiter der jungen Unternehmen sind hochmotiviert, arbeiten agil, schnell und rund um die Uhr. Und dank der kreativen Ideen erobern Start-ups im Handumdrehen neue Zielgruppen, wodurch sie und ihre Investoren reich und berühmt werden.

Dieses klischeehafte Abziehbild kennt sicherlich jeder von uns. Immerhin kann man diesen Eindruck bekommen, wenn man die stark verkürzten Erfolgsgeschichten von bekannten Entrepreneuren wie Steve Jobs oder Elon Musk liest. Doch die Wahrheit hinter den Storys ist meist eine andere: Viele Start-ups arbeiten weder agil, noch erobern sie neue Märkte. Und anstatt viel Geld zu verdienen, verbrennt so manche verheißungsvolle Neugründung viel Geld ohne vorzeigbares Ergebnis.

Das muss aber nicht sein! Wenn ein paar wichtige Dinge beachtet werden, kann man den steinigen Weg zum Erfolg ebnen und große Steine umfahren. Dazu gehört zum Beispiel die Konzentration auf die Zielgruppe.

Frühestmöglich an die Zielgruppe denken
Was übereifrige Entwickler gerne mal vergessen: Sie programmieren jahrelang an einer App oder an einer SAAS-Lösung, doch dafür gibt es eigentlich gar keinen relevanten Markt. Das Team übersah das, weil entweder eine Markt-Recherche versäumt wurde, oder weil die angepeilte Zielgruppe anders tickt als angenommen.

Um herauszufinden, was die potentielle Zielgruppe will, benötigt man ein Testszenario. Das lässt sich recht einfach umsetzen: Bevor man ein Produkt komplett fertig programmiert, kreiert man ein sogenanntes MVP. Das Minimum Viable Product stellt das kleinstmögliche Produkt dar. Also eine Art Prototyp, der in seinem Funktionsumfang im Bezug auf das mögliche, fertige Ergebnis deutlich reduziert wurde. Die wenigen Features, die das MVP bietet, sind aber voll nutzbar.

Vereinfacht gesagt: Das MVP ist das angepeilte Produkt, aber nur auf wenige Funktionen heruntergedampft. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist Dropbox. In seinen Anfängen war das ein einfach zu bedienender Cloudspeicher, der nicht viel bot, außer eben die grundlegenden Möglichkeiten zum Ablegen von Daten. Im Laufe der Zeit wuchs Dropbox zu dem an, was es heute ist: ein Cloudspeicher mit einigen Business-Funktionalitäten.

Was bringt ein MVP?
Das Ziel eines MVP ist klar: Es soll damit die Akzeptanz bei der angepeilten Zielgruppe getestet werden. Und man holt hierüber Feedback ein. Dadurch, dass das „abgespeckte“ Produkt ständig weiterentwickelt und öffentlich gemacht wird, kann man dementsprechend dauerhaft die Meinung der Nutzer einholen. So merkt man relativ schnell und einfach, ob man mit seinem Konzept auf dem richtigen Weg ist oder ob man Kurskorrekturen durchführen muss. Hieraus resultiert ein besserer und geplanter Einsatz der finanziellen Mittel. Das Risiko eines Geldverbrennens, wie man es von anderen Methoden kennt, wird durch das MVP auf ein Minimum reduziert.

Doch: Sich vorzunehmen, ein Minimum Viable Product zu entwickeln, alleine reicht nicht. Hierfür muss unter anderem das entsprechende Mindset im Team vorherrschen. Die Projektleitung und das ganze Team sollte dem „Lean Start-up“-Gedanken folgen. Damit sind nicht nur Programmierer gemeint, sondern beispielsweise auch das Marketing. Denn Letztgenanntes muss von Anfang an jede Iteration des MVP vermarkten und durch das Feedback eventuell eine Zielgruppen-Neudefinition vornehmen.

Wichtig ist, dass besonders die Entwickler durch agile Prozess-Methoden fähig sind, schnell und dauerhaft neue Versionen des Produktes zu releasen. Das ist gerade bei bunt zusammengewürfelten Start-up-Teams, in denen Erfahrung und Expertise fehlt, oft schwer umsetzbar. Die Folge kann sein, dass sich die Programmierer verzetteln, Releases ständig verschoben werden oder dass es zu Unstimmigkeiten im Team kommt. Und damit landet man wieder an dem Punkt, wo Zeit und Geld dahinfließen.

Damit es soweit nicht kommt, sollten sich Start-ups mit Entwicklungsmethoden wie SCRUM oder Kanban auseinandersetzen. Zudem kann es sinnvoll sein, externe Berater und Coaches hinzu zu ziehen, um verfahrene Situation zu lösen und in eine zielführende Richtung zu lenken.

Fazit
Start-ups besitzen den Nimbus, dass sie absolute flexibel und agil arbeiten. Doch das stimmt oft nur in der Theorie. In der Praxis zeigt sich, dass auch junge und kleine Teams manchmal wie Großunternehmen agieren. Um aus dieser Schiene herauszukommen, können moderne Denkweisen und Methoden wie MVP, Lean Start-up und Scrum helfen.

Zum Autor
Matthias Pauers ist Coach für Software-Entwicklung und greift mit seiner Firma Teamprove gerne Start-ups unter die Arme. Denn als Fußball-Fan weiß er, worauf es ankommt: auf Kommunikation, Teamwork und agile Methoden, um schnell zum Ergebnis zu kommen. Um die Zusammenarbeit zu verbessern und zu beschleunigen, unterstützt Matthias Pauers junge Unternehmen mit seiner Expertise.

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Foto (oben): Shutterstock