Connected-Car Mit Pace von der Rostlaube zum Smartcar

In seiner Freizeit nimmt Pace-Mit-Gründer Martin Kern an Autorallyes teil, beruflich lädt er Journalisten zur Testfahrt in seinen Defender ein. deutsche-startups.de traf den passionierten Autoliebhaber und testete seine App aus. Im Interview verrät er, wie die App funktioniert und wo er Pace in einem Jahr sieht.
Mit Pace von der Rostlaube zum Smartcar

Bereits vor der Gründung von Pace leitete Co-Gründer Martin Kern bis zum Exit den Onlineshop Tirendo. Seine Automobilerfahrungen sammelte er als Berater bei McKinsey & Company, wo er acht Jahre lang Automobilhersteller, Zulieferer und Automotive-Aftermarket-Spieler beraten hat. Neben Pace ist er in der Berliner Start-up-Szene unter anderem als Co-Founder des Mobile Games Developers TreasureHunt aktiv. Gemeinsam mit den ebenfalls erfahrenen Mitstreitern Robin Schönbeck und Philip Blatter, möchte er nun den Smartcar-Markt erobern.

“Aktuell sprechen wir 140 Millionen Autofahrer an”

Im Mini-Interview mit deutsche-startups.de spricht Smartcar-Macher Martin Kern über Smartcars, Internationalisierung und wie man erfolgreich Geld einsammelt.

Welches Problem wollen Sie mit Pace lösen?
Wir bieten mit Pace die Möglichkeit, Autos ab Baujahr 1996 zum Smartcar zu machen. Das heißt mit Hilfe des von uns entwickelten Pace Link Adapters verbinden wir das Auto via Bluetooth mit dem Smartphone des Autofahrers. Damit hat der Autofahrer Zugriff auf eine Vielzahl sehr wertvoller Daten, die das Auto in den Bordcomputern zur Verfügung stellt und die für die meisten Autofahrer nicht zugänglich sind. Durch die zusätzliche Verbindung zu unserer Cloud stehen dem Autofahrer außerdem viele weitere verkehrsrelevante Daten zur Verfügung, die ihn im Alltag unterstützen, beispielsweise Tankstellenpreise und Stauinformationen.

Jede Woche entstehen dutzende neue Start-ups, warum wird ausgerechnet Pace ein Erfolg?
Das wichtigste Element ist meiner Meinung nach immer das Team. Meine beiden Co-Founder Robin und Philip sind – so wie ich auch – erfahrene Unternehmer, die in der Vergangenheit bereits sehr erfolgreich Firmen aufgebaut und geleitet haben. Außerdem haben wir an unseren beiden Standorten in Berlin und Karlsruhe ein sehr kompetentes Team für die für uns zentralen Themen App-Entwicklung, Cloud- und Webentwicklung sowie Marketing. Wir sind außerdem davon überzeugt, dass der Markt in dem Pace sich bewegt ein riesiges Potenzial birgt. Aktuell sprechen wir mit unserer Lösung 140 Millionen. Autofahrer in Europa an, deren Autos alle mit Pace kompatibel sind. Und zu guter Letzt haben wir mit unserem Pace-Link ein sehr innovatives Hardware-Produkt, das den anderen im Markt verfügbaren Lösungen technologisch überlegen ist.

PACE Features

Wer sind Ihre Konkurrenten?
Die Pace Lösung mit unseren neun Features ist in dieser Art aktuell auf dem Markt einzigartig. Es gibt aber natürlich Anbieter, die andere Lösungen mit OBD2-Adaptern im Angebot haben. Beispielsweise das Start-up Vimcar, die eine reine Fahrtenbuchlösung mit einem OBD2-Adapter anbieten, oder auch der TomTom Curfer, ein OBD2-Adapter der sich allerdings mehr oder weniger auf die Funktion als Spritspartrainer und eine Find-my-Car Funktion konzentriert. Bei Neufahrzeugen sind einige der von uns angebotenen Funktionen teilweise bereits integriert – siehe beispielsweise Opel Onstar. Allerdings ist es wichtig zu berücksichtigen, dass die Lösungen der Automobilhersteller in der Regel nur zu Beginn direkt nach dem Neuwagenkauf kostenlos sind und dann oft schon nach einem Jahr jährliche Gebühren von bis zu mehreren hundert Euro fällig werden. Unsere App hingegen kann man für einen einmaligen Kaufpreis erwerben – 119 Euro, aktuell für Vorbestellungen noch mit 15% Rabatt für 99 Euro. Wir stellen keinerlei zusätzliche laufende Kosten in Rechnung, da das System die Mobilfunkverbindung des verbundenen Smartphones nutzt.

Wer unterstützt Pace finanziell?
Wir haben Pace nach der Gründung zunächst selbst finanziert und waren einige Monate im Bootstrapping-Modus unterwegs. Wir haben gerade sehr erfolgreich unsere Kickstarter-Kampagne mit Fokus auf Kunden in Deutschland abgeschlossen. Innerhalb von weniger als 60 Minuten haben wir unser Fundingziel von 50.000 Euro erreicht. Wir konnten bereits mehr als 3.500 Kunden von Pace begeistern und haben knapp 350.000 Euro eingenommen. Das war aber natürlich nur der allererste Schritt unseres Markteintritts. Im Herbst haben wir dann eine Seed-Finanzierungsrunde mit einem Businessangel und einem Family Office gemacht. Wir sind aktuell schon in Gesprächen mit weiteren Investoren, die mit uns gemeinsam gerne die Skalierung und Internationalisierung vorantreiben wollen.

Wie wollen sie Geld verdienen?
Die offensichtlichste Einnahmequelle ist zunächst natürlich der Verkauf der Links in Kombination mit der App sowie In-App Purchases für erweiterte Funktionen. Ein mittelfristig deutlich größeres Potenzial bieten darüber hinaus aber natürlich die nachgelagerten Geschäftsmodelle und das B2B-Geschäft. Sehr attraktive Geschäftschancen für Pace sind in diesem Bereich beispielsweise die Lead Generation für den 70 Milliarden-Markt der Autowerkstätten oder die Nutzung von Pace als Kundenbindungsinstrument für Werkstätten und Autohäuser. Weitere attraktive Bereiche sind der Einsatz von Pace als Tool für Versicherungen um „pay-as-you-drive“ Tarife anzubieten und für individuelle Lösungen im Flottenkundenbereich.

Wo steht Pace in einem Jahr?
In einem Jahr wird sich die Marke als Anbieter von Connected-Car Nachrüstlösungen etabliert haben und die Community an Pace Kunden in Deutschland wird auf viele zehntausend Autofahrer gewachsen sein. Man wird Pace dann sowohl Online als auch im traditionellen Einzelhandel kaufen können. Ein weiteres wichtiges Thema wird für uns die Internationalisierung sein: Im Moment kann man die App zwar außerhalb von Deutschland schon benutzen, aber einige Features wie beispielsweise die Tankstellensuche oder der automatische Notruf werden zu Beginn nur in Deutschland verfügbar sein. Wir planen daher die kompletten Features im kommenden Jahr auch in weiteren europäischen Ländern auszurollen.

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Conny Nolzen, geboren 1989, arbeitet seit September 2015 als Volontärin bei deutsche-startups.de. Die Hamburgerin konnte bereits, neben ihrer Tätigkeit als Pferdewirtin, verschiedene Start-ups mit kreativen Ideen unterstützen. Ihr besonderes Interesse galt hierbei den Gründerinnen der Szene. Erste journalistische Erfahrungen sammelte sie in der Nachrichtenredaktion eines Hamburger Radiosenders. Mit Conny kam auch der erste Bürohund zu ds - welcher (meistens) auf den Namen Emil hört.