Gastbeitrag von Ruth Groth Local Commerce: So ergeben sich für Händler Chancen

Trotz unverkennbaren Vorteilen von Online-Bestellungen besinnen sich Kunden wieder auf das lokale Einkaufen und die Werte stationärer Geschäfte. Persönliche Beratung und Service, (ggf.) Anproben und das ausführliche Begutachten des Wunschproduktes stehen bei dem Endkunden wieder hoch im Kurs.
Local Commerce: So ergeben sich für Händler Chancen

Rund 500 Euro im Jahr geben die Deutschen durchschnittlich online aus. Der Onlinehandel boomt, wächst rapide und stetig an und wird scheinbar immer beliebter. Die stationären Geschäfte hingegen verzeichnen immer mehr Einbuße und scheinen die Kehrseite des Phänomens „online only“ zu sein. Selbst große Ketten und Traditionsgeschäfte schwächeln im Vergleich zu Online-Riesen.

Laut FAZ erwirtschaftet der (erst 2008 gegründete) Berliner Versandhändler Zalando knapp halb so viel Umsatz wie die Warenhauskette Karstadt. Otto liegt in seinem Umsatz ungefähr gleichauf mit Karstadt und Versand-Größe Amazon lässt mit einem Deutschland-Umsatz von ca. 10,5 Mrd. Dollar (2013) sowohl Karstadt als auch Kaufhof klar hinter sich. Der Onlinehandel an sich verzeichnete 2013 ein Umsatzplus von 44 % und einen Erlös von knapp 40 Mrd. Euro. Der E-Commerce hat zweifellos einen unglaublichen Boom erlebt und sich von einer Randerscheinung zu einem deutlichen Trend hin entwickelt.

Geschenke, Elektronik, Bücher und Kleidung: Alles wird gern bequem und einfach per Mausklick bestellt und bezahlt.

Die Kehrseite scheinen die lokalen Händler darzustellen. Weniger Menschen kaufen stationär ein und sorgen somit für Umsatzeinbußen bei den Geschäften. Um möglichst viele Kunden in den eigenen Laden zu lotsen, bieten sich zentrale, urbane Lagen in der Stadtmitte an. Die Mieten für Deutschlands beliebteste Adressen wie der Tauentzien in Berlin oder die Kaufingerstraße in München sind derzeit so hoch wie noch nie und steigen stetig an: Rund 350 Euro monatlich zahlen Händler pro Quadratmeter in der Kaufingerstraße in München, so die Süddeutsche Zeitung. Für kleinere Boutiquen sind solche Mietpreise schon längst untragbar geworden und lediglich große Ketten können es sich noch leisten, in einer zentralen Lage oder in der Fußgängerzone zu verkaufen.

Als Reaktion und Anpassung an den Online-Trend wagen viele Händler den virtuellen Schritt und eröffnen einen Onlineshop. Auf den ersten Blick offenbaren sich scheinbar eine Menge Vorteile; es fällt keine hohe Miete mehr an, Lagerräume, in denen sich die angebotenen Produkte stapeln, genügen und auch am Personal kann gespart werden. Doch das Risiko und der damit einhergehende Aufwand eines Onlineshops werden weitestgehend unterschätzt. Liveschaltung, Wartung und Pflege sowie hohe Retourenquoten eines Onlineshops sind mit hohen Kosten, organisatorischem Aufwand und technischem Know-how verbunden. Auch das Erreichen einer tatsächlichen Marge ist oftmals erst nach mehreren verlustreichen Quartalen erreicht und bedarf meistens der Hilfe externer Investoren und Fremdkapital. Zalando beispielsweise schrieb Mitte dieses Jahres erstmals seit seiner Gründung vor sechs Jahren schwarze Zahlen.

Trotz unverkennbaren Vorteilen von Online-Bestellungen besinnen sich Kunden wieder auf das lokale Einkaufen und die Werte stationärer Geschäfte. Persönliche Beratung und Service, (ggf.) Anproben und das ausführliche Begutachten des Wunschproduktes stehen bei dem Endkunden wieder hoch im Kurs. Laut Absatzwirtschaft.de wünschen sich 93 % der Deutschen gezielte Services und Beratungsangebote in Ladengeschäften, Rabatt-, Gutschein- und weitere Aktionen inbegriffen. So berichtete das Wall Street Journal im Oktober, dass Amazon nun einen lokalen Store in New York eröffne und auch Zalando betreibt seit 2012 einen Outlet-Store in Berlin und seit Mitte dieses Jahres auch einen in Frankfurt am Main.

Dennoch: Auf die Bequemlichkeit und Möglichkeiten des Internets wollen Verbraucher heutzutage kaum mehr verzichten. Für Händler ergeben sich so gewinnbringende Chancen: Mithilfe einer Multi-Channel-Strategie wird eine Präsenz auf den relevanten Kanälen gewährleistet. Die Verbindung zwischen on- und offline ist schnell geschaffen und ist darüber hinaus unkompliziert und preiswert. Immer öfter nutzen potentielle Kunden Suchmaschinen, um sich nach Öffnungszeiten und Kontaktdaten von Geschäften zu erkundigen.

Als lokaler Händler muss der Onlinehandel demnach keineswegs bekämpft, sondern vielmehr als Portal genutzt werden. Ein klassisches Ladengeschäft vereint mit den Elementen des modernen E-Commerce ist in der Lage, den Kunden bestmöglich zu greifen und so maßgeblich zum Erfolg des Geschäftes beizutragen.

Zur Person
Ruth Groth ist im Bereich Marketing und PR bei der Mode-Suchmaschine TheLabelFinder tätig. TheLabelFinder lotst seit 2008 erfolgreich Kunden in lokale Geschäfte. Mithilfe der einfachen Suche nach Modemarken oder -geschäften hat frustrierendes Herumirren ein Ende. Derzeit sind über 19.500 Marken und knapp 98.000 Geschäfte (Stand Januar 2015) bei TheLabelFinder registriert – und das weltweit.

Foto: buy local – chalkboard with text from Shutterstock

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