KMU-Instrument Wir bringen endlich Licht in den EU-Förderdschungel

Die Europäische Kommission hat die Ergebnisse der ersten Runden des KMU-Instruments bekannt gegeben. Mit diesem Instrument fördert die EU hoch innovative Projekte von KMUs und Start-ups. Kumardev Chatterjee und Mirella D’Agnano analysieren die bis dato geförderten Projekte.
Wir bringen endlich Licht in den EU-Förderdschungel

Das KMU-Instrument ist das Fördermittel der EU für hoch innovative Start-ups und KMUs. Noch sind sich Unternehmen und Start-ups hierzulande unsicher, nach welchen Kriterien die Auswahlkriterien des im vergangenen Sommer angelaufenen Instruments funktionieren. Kumardev Chatterjee und Mirella D’Agnano analysieren die bis dato geförderten Projekte und bringen Licht in den EU-Förderdschungel.

Im Januar hat die Europäische Kommission die offiziellen Ergebnisse der ersten drei Runden des KMU-Instruments bekannt gegeben. Mit diesem Instrument fördert die EU innerhalb des 80-Milliarden-Euro-Rahmenprogramms Horizont 2020 hoch innovative Projekte von KMUs und Startups. Nachfolgend analysieren wir die Ergebnisse für die Stichtage am 18. Mai (Phase 1), 20. September (Phase 1) und 9. Oktober (Phase 2). In Phase 1 erhalten Unternehmen – ausschließlich KMUs und Startups – 50.000 Euro, in Phase 2 zwischen 500.000 und 2,5 Millionen Euro. Bis dato sind in Phase 1 insgesamt 16,7 Millionen Euro für 333 Projekte, an denen 361 KMUs beteiligt sind, verteilt worden. In Phase 2 liegen erst die Ergebnisse des Stichtags am 9. Oktober vor: 78 Projekten wurden Fördergelder in Höhe von fast 108,1 Millionen Euro zugeteilt.

Damit hat die EU in innerhalb von weniger als neun Monaten insgesamt Gelder in Höhe von 124,8 Millionen Euro an 439 europäische KMUs und Startups vergeben. Mit dieser finanziellen Hilfe sollen diese Unternehmen hoch innovative Produkte, Dienstleistungen und Prozesse am Markt testen, einführen, entwickeln und skalieren. Da es sich um Fördergelder handelt, müssen die auserwählten Unternehmen…

…keine Unternehmensanteile abtreten oder gegenwärtige oder zukünftige Investments verwässern
…keinen gegenwärtigen Umsatz oder Gewinn abtreten
…keine Zinsen auf die bewilligten Fördergelder zahlen
…keine bereits erhaltenen Mittel zurück zahlen, auch für den Fall, dass sie ihre gesetzten Ziele nicht erreichen

Ergänzende Investitionen durch private Investoren oder andere nationale oder regionale Förderinstrumente oder Darlehen sind möglich.

Wer wird gefördert? Ein Vergleich von Phase 1 und 2 anhand von Umsatz, Personal und Dauer der Marktpräsenz: In Phase 1 haben 41 Prozent der Antragssteller einen Umsatz bis zu 100.000 Euro. In Phase 2 liegt der Umsatz bei 31 Prozent der Antragssteller zwischen 100.000 Euro und einer Million Euro. Von den geförderten Projekten erzielen im Verhältnis allerdings mehr Unternehmen einen Jahresumsatz von unter 100.000 Euro in Phase 2 (35%) als in Phase 1 (31%). Einen Unterschied gibt es beim Personal: 37 Prozent der in Phase 1 auserwählten KMUs hatten bis zu fünf Mitarbeitern, in Phase 2 haben die am häufigsten geförderten Unternehmen (38%) dagegen zwischen elf und 50 Mitarbeiter.

In beiden Phasen sind rund 40% der geförderten Unternehmen zwischen vier und zehn Jahren am Markt aktiv. In Phase 1 sind 30 Prozent der geförderten KMUs und Startups höchstens vier Jahre am Markt (23 Prozent in Phase 2).

Die Analyse des Umsatzes, der Mitarbeiter und der Jahre, die ein Unternehmen am Markt ist, ergibt damit ein äußerst ausgewogenes Bild. Die prozentualen Verhältnisse variieren in den drei Kategorien zwar etwas, für einen erfolgreichen Antrag sind sie aber nicht ausschlaggebend: Chancen haben daher alle KMUs und Startups unabhängig von ihrem Umsatz, der Anzahl ihrer Mitarbeiter und ihrer Jahre, die sie bereits am Markt sind.

Der Bereich Open-Disruptive-Innovation (ODI)
Am meisten Anträge wurden im Bereich ODI eingereicht, in dem IKT-Projekte gefördert werden: Mit 1684 entfiel fast ein Drittel 32,4% der insgesamt 5.190 Anträge auf diesen Bereich.

Vergleicht man Herkunftsländer und Regionen, aus denen geförderte IKT-Projekte kommen, sticht Spanien mit 20 erfolgreichen Anträgen hervor, gefolgt von den skandinavischen und baltischen Ländern (17). Am meisten Phase-2-Anträge im Bereich ODI (4) waren in Großbritannien erfolgreich. Die osteuropäischen Länder kommen zusammen auf acht geförderte Projekte in Phase 1 sowie ein Phase 2 Projekt. Deutschland (6/1), Frankreich, Italien und das restliche Europa folgen.

Deutschland auf den Spuren von Spanien, Italien und Großbritannien
Der Erfolg deutscher Startups und KMUs war, über alle Bereiche hinweg betrachtet, in den ersten Runden eher mittelmäßig. Mit insgesamt 32 erfolgreichen Anträgen erzielten sie ein ähnliches Ergebnis wie Frankreich, hinken aber deutlich hinter Spanien (84), Italien (62) und Großbritannien (56) zurück. In Phase 1 wurden 26 deutsche KMUs gefördert – also weniger als in Spanien (72), Italien (59) und Großbritannien (46). In Phase 2 wurden sechs deutsche Anträge auserwählt. Erfolgreicher waren KMUs in Spanien (12), Großbritannien und den Niederlanden (je 10) sowie in Frankreich (9).

Unter den insgesamt 32 durch das KMU-Instrument geförderten Projekten sind sieben im Bereich ODI aktiv, davon sechs in Phase 1 und eines in Phase 2.

Sechs der sieben geförderten Unternehmen – alle, die ein Funding für Phase 1 erhalten haben – sind seit 2010 gegründet worden.

Die geförderten Projekte bieten unter anderen hoch innovative Lösungen im Bereich Wifi-Hardware, für Immobilien oder im Bereich der Computerspiele. Drei deutsche Beispiele sind:
* Hapticom’s „haptiPad“ ist das weltweit erste Tablet, das Blinden eine barrierefreie digitale Kommunikation ermöglicht.
* Mit GameYourself können Computerspieler eine virtuelle dreidimensionale Figur der eigenen Person erzeugen.
* IndustrialPartners gehört zum Tradecom Konsortium, das innovative Hardware und Software Lösungen entwickelt und bewertet, um den Ansprüchen der Finanzbranche, von Maklern sowie denen im Energie- und Rohstoffhandel gerecht zu werden.

Eine Übersicht der gefundeten Unternehmen findet ihr hier.

Passend zum Thema: “Horizont 2020 – Wie man den Antrag meistert und sich EU-Euros sichert

Zu den Personen
Mirella D’Agnano ist in dem auf das KMU-Instrument fokussierte Beratungsunternehmen EU Startup Services für das Help Desk verantwortlich. Kumardev Chatterjee ist Präsident des European Young Innovators Forum (EYIF) und hat drei Jahre lang die Entwicklung des KMU-Instruments unterstützt. Regelmäßig erläutert Kumardev Chatterjee auf Workshops in ganz Europa das Antragsverfahren – im März und April auch auch auf der CeBIT und in Hamburg.

Foto: Euro sign at European Central Bank headquarters in Frankfurt from Shutterstock

  1. Wieso kann man nicht einfach sagen “Übersicht der finanzierten Unternehmen”? Muss es immer ein Mix-Cool-Denglish “””gefundet”” sein, bei dem man denkt da steckt ein Tippfehler in einem deutschen Wort, das es noch gar nicht gibt, bei dem Wortbroken aus mehreren Sprachen zusammengesetzt werden? Ganz oder gar nicht. Eine Aufforderung zum Deutsch lernen.



  2. Jochen

    Witzig, wie einfach es scheinbar sein soll als Startup EU-Gelder zu bekommen. Die Chancen in der Realität liegen bei etwas mehr als 10% (mehr nach Stärke der Konkurrenz). Von den hohen formalen Anforderungen ganz zu schweigen.

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