Gastbeitrag von Konstantin Kalheber Dreamforce – Megaevent des Branchenprimus Salesforce

Einmal im Jahr lockt Salesforce mit der Dreamforce nach San Francisco und gibt dort Einblicke in den Innovationsstand der US-Wirtschaft. Auch in diesem Jahr setzte die weltgrößte Softwarmesse neue Maßstäbe. Rund 400 Aussteller und knapp 140.000 Besucher tummelten sich in der Stadt.
Dreamforce – Megaevent des Branchenprimus Salesforce

Zwischen 400 Ausstellern und knapp 140.000 zahlenden Besucher tummelten sich nicht nur die BeachBoys und Hillary Clinton, sondern auch Politiker und CEOs, um Produktinnovationen hautnah zu erleben. Gastbeitrag von Konstantin Kalheber. Rund vier Tage lang legt die Besucherschar einen nicht unerheblichen Teil der Innenstadt zeitweise lahm. Sogar der US-amerikanische Rapper Will.i.am nutzt die Stimmung, um seine neue Smart Watch “i.am/PULS” erstmals der Öffentlichkeit zu präsentieren und somit seine Wearables-Produktsparte zu launchen. Die Smart-Watch soll Google, Apple oder Samsung Konkurrenz machen und ermöglicht Telefonieren, Musikstreamen, Browsen und das Installieren von Apps.

Die Themen der 1.450 Vorträge, Break-Out-Sessions, Workshops und Seminaren reichten dabei von künftigen Cloud-Lösungen und Sales-Optimierung über Gamification bis hin zu reinen Entwicklersessions.

Und hier die Top 3 Take-Aways der Dreamforce 2014:

Veränderung geschieht in 2 Millimeter-Schritten

Zahlreiche Management-Denkweisen und Methoden wie KAIZEN oder der Kontinuierliche Verbesserungsprozess (KVP bzw. engl. CIP) predigen seit Jahren einen stetigen Fokus auf Optimierung von Produkten, Prozessen, Leistungen und Strukturen anhand kleiner Schritte. Insofern ist dieser Ansatz nicht neu, nimmt jedoch gerade im digitalen Bereich eine neue Bedeutung ein. Denn kaum eine andere Industrie ist dermaßen von Innovationen geprägt, getrieben und abhängig wie der Bereich von digitalen und der Online-Produkten und Leistungen.

Innovationen jedoch beschreiben gerade Veränderung in großen Schritten. Und so gilt es hier, diese beiden scheinbaren Gegensätze miteinander zu verbinden. Sind Innovationen insbesondere in Phasen der Gründung und Geschäftsbereichserweiterungen von Bedeutung, hängt der längerfristige Erfolg von Startups regelmäßig von deren Fähigkeit ab, das kurzfristige Wachstum durch schnell reifende Prozesse und Strukturen zu festigen. Nur so lassen sich langfristig die besten Mitarbeiter und die attraktivsten Kunden halten. Und dazu wiederum ist ein permanentes Tüfteln an der schrittweisen Optimierung erforderlich.

Der Fortune 500 Coach Tony Robbins vergleicht die Veränderung eines Unternehmens mit dem Golfspielen: “Wenn ich meinen Schläger um nur 2 Millimeter drehe, hat dies ein riesige Auswirkung darauf, wo der Ball am Ende hinfliegt und landet.”
Wird die Konzentration auf kleine Veränderungen, aber an die richtigen Stellen gelegt, können kleine Veränderungen bereits enorme Wirkungen erzielen. So war es dem Unternehmen AvidXchange möglich, mit Hilfe einer einfachen Regel die Marge innerhalb von 2 Jahren um fast 800 Prozent steigern: “Muss ein und der gleiche Arbeitsschritt täglich mehr als drei Mal ausgeführt werden, wird dieser Teil der Prozesskette so weit wie möglich automatisiert. Wir brauchen also nicht unser gesamtes System neu zu erfinden und umzustellen um erfolgreicher zu werden.”

Um die richtigen 2 Millimeter zu finden, sollte man konsequent auf datengestützte Entscheidungen bauen und weniger versuchen die Entscheidungen aus dem Bauch heraus zu treffen. Datengestützte Entscheidungen kann man erst dann treffen, wenn die Leistungskennzahlen meines Unternehmens verstanden, messbar und transparent darstellbar gemacht wurden.

Gamification wird populärer

Mit Gamification werden die etablierte Anreiz- und Motivationsmechanismen aus Spiele-Umgebungen auf einen spiel-fremden Kontext übertragen. Dies hat zum Ziel, sowohl Motivation, Engagement als auch die Lernbereitschaft stark zu erhöhen. Die Videospiel-Industrie hat diese Elemente in den vergangen Jahren perfektioniert und schafft es so, dass Ihre Spieler tagtäglich zurückkehren und sie stundenlang an Spiele wie Candy Crush oder Clash of Clans zu binden.

Die Carnegie Mellon University hat in Kooperation mit der Stanford University ein Spiel mit dem Namen „Eterna” entwickelt. Hier müssen die Spieler hochkomplexe Proteinketten miteinander verbinden, um bestimmte Muster zu erzeugen. Da das Spiel dem realen Verhalten der Proteinketten nachempfunden wurde, können die Forscher aus den besten Ergebnissen des Spieles Rückschlüsse auf Ihre Forschungsarbeiten schließen. In der Vergangenheit konnten bereits eine Vielzahl an wissenschaftlichen Herausforderungen durch dieses „Spiel“ gelöst werden.

Gamification hilft uns also weg von einer „Ich muss“-Einstellung hin zu einer „Ich will“-Einstellung. Gabe Zicherman, Autor und Gamification Experte, gab in seiner Gamification Keynote das Bildnis: “Wenn Auswertungen und Controlling das Thermometer für unser Unternehmen darstellen, dann ist Gamification das Thermostat.” Mit Gamification können wir eine datengetriebene Verhaltensänderung erreichen. Indem wir unsere Unternehmensziele durch Leistungskennzahlen genau festlegen und auf der Mikroebene danach steuern, können wir mit Hilfe von Gamification-Elementen dazu motivieren, dass an diesem Leistungszielen kontinuierlich gearbeitet wird. Während ein CRM-System zum Ziel hat, den Customer Live Time Value zu erhöhen, schaffen es Gamification-Elemente im Unternehmen den Employee Life Time Value zu erhöhen.

Der Trend des Gamifications wird mittlerweile von einer Vielzahl großer und kleiner Unternehmen aufgegriffen. So nutzt salesforce.com beispielsweise in Ihrer hauseigenen Salesforce University Gamification-Elemente, um den Ausbildungs- und Zertifizierungsprozess neuer Mitarbeiter zu beschleunigen. Nike motiviert Hunderttausende Nutzer seiner Running-App täglich, in Freundeskreisen gegeneinander anzutreten und was für Ihre Fitness zu tun.

Hier sieht man metergenau, ob Freund oder Freundin, Kollege oder Nachbar mehr gelaufen ist, bekommt Badgets, wenn der Laufplan auch bei Nieselwetter eingehalten wird etc. Der Pharmakonzern Bayer macht mit seinem Produkt Didget Nintendo DS nutzbar, um Kinder und Erwachsene spielerisch an die regelemäßige Messung Ihrer Blutzuckerspiegel heranzuführen. Wer regelmäßig misst, bekommt Punkte und Badgets.

Wir brauchen ein Umdenken im Lernen

Das menschliche Lernen heute unterscheidet sich nicht maßgeblich vom Lernen vor 1.000 Jahren. Die stetig wachsende Informationsflut stellt uns jedoch mittlerweile vor ganz andere Herausforderungen in der Informationsbewältigung. In jüngster Zeit haben sich eine Vielzahl moderner Lern-Methoden durchgesetzt: Videos, interaktive Tutorials und Interessen-Communities helfen uns dabei, uns einer Umgebung ständig wachsender Anforderungen zu stellen.

Durch moderne Technologien schaffen wir es, Wissen mit unseren Mitmenschen on Demand zu teilen. Wir sehen uns auf Youtube Do-It-Yourself Hairstyling-Videos an oder lernen durch interaktive Online-Tutorials in 15 Minuten, unser erstes Web-Projekt zu schreiben. Was uns jedoch noch weitestgehend fehlt ist, diese Medien in unseren täglichen Unternehmensalltag zu integrieren. Die meisten Fortbildungen, innerhalb eines Unternehmens, finden immer noch durch „Frontalschulungen“ oder erschlagend lange Dokumentationen statt.

Erfolgsprojekte wie die Khan-Academy aus den USA zeigen uns jedoch, dass wenn jeder Anwender sich in seinem persönlichen Lerntempo fortbilden kann, die Lernzeit stark reduziert und vor allem das Engagement enorm zunimmt. Mit modernen Aufnahmetools lassen sich solche Videos mittlerweile in wenigen Minuten erstellen und für jedermann jederzeit abrufbar zur Verfügung stellen.

Unter dem Schlagwort Blended Learning fasst man Lernformen zusammen, welche bspw. Präsenz- und E-Learning-Einheiten intelligent kombinieren. Erst seit relativ kurzer Zeit erlaubt uns der technische Fortschritt überhaupt, in großem Umfang Lerninhalte durch elektronische Medien attraktiv aufbereitet einem breiten Publikum zur Verfügung zu stellen. Universitäten flankieren Vorlesungen mit Massive Open Online Courses (MOOC). Dies verändert nicht nur die Art, wie wir Wissen aufnehmen.

Auch der potentielle Empfängerkreis wächst. E-Learning bringt Wissen in die entlegensten Orte der Welt und hilft, Bildungsarmut zu bekämpfen. Zahlreiche Nischen tun sich auf für findige Unternehmer, welche die Zeichen der Zeit erkennen und aus diesen Verhaltensumbrüchen Geschäftsmodelle ersinnen. Und etlicher dieser Menschen zieht es zu Veranstaltungen wie die Dreamforce. Um Ihre Ideen von anderen challengen und sich selbst weiter inspirieren zu lassen.

Fazit:
Wie auch im letzten Jahr war die Dreamforce wieder vollgepackt mit Ideen, Inspiration und Spirit. Auf kaum einer anderen Softwareveranstaltung hat man die Gelegenheit, so tief in die Themen einzutauchen. 4 Tage in denen man sich gänzlich vom Tagesgeschäft zurückzieht und neue Energie tanken und sich mit anderen klugen Köpfen über seine Ideen rund um die Cloud austauschen kann.

Übrigens: Auf den kostenlosen Dreamforce 2you Events stellt Salesforce ab Anfang November in Hamburg, Berlin, Köln und FFM sowie weiteren europäischen Städten die Highlights der diesjährigen Dreamforce vor.

Zur Person
Konstantin Kalheber wird als Gründungsmitglied des Berliner Anbieter für Salesforce Lösungen Incubes immer wieder mit der Vielzahl von Anforderungen rund um die Integration eines CRM-Systems in Start-Ups und KMU’s konfrontiert.