Matching-Plattform für Investments Venturate sorgt für Dealflow zwischen Start-ups und Investoren

Für Start-ups als auch Investoren ist es mitunter schwierig, das passende Gegenstück zu finden. Mit einer illustren Schar an Gründern und Aufsichtsratsmitgliedern will Venturate die beiden Parteien über seine neue Matchmaking-Plattform zusammen bringen und so die Gelder fließen lassen.
Venturate sorgt für Dealflow zwischen Start-ups und Investoren

Venturate aus München öffnete Mitte Januar seine Matchmaking-Plattform, um Gründern den Zugang zu Seed- und Wachstumskapital zu vereinfachen. Hinter der Plattform stehen bekannte Gesichter wie Andreas Hörr (Gründer von Medikompass), Alexander Lasslop  (Gründer von mydays), Professor Dr. Dr. Claudius Schikora (Hochschule für angewandtes Management), René Seifert (Holtzbrinck eLab), Felix Haas (Gründer von Amiando) und Arnd Benninghoff, der Chief Digital Officer der ProSiebenSat1 Media AG.

Die Plattform bringt mithilfe von Kategorisierungen und einem intelligenten Backend verschiedene Arten von Investoren mit Gründern zusammen: Neben Risikokapitalgebern und Business Angels ist dort auch der “Corporate”-Bereich von mittelständischen bis Großunternehmen zu finden. Nach eigenen Angaben tummeln sich bereits mehr als 100 potenzielle Investoren und 75 Start-ups auf dem Marktplatz.

“Marktplatz” vs. “Silo”

Das Wort “Marktplatz” meint allerdings nicht den Ort, an dem sich jeder mit jedem offen austauscht. Bei Venturate können sich die potenziellen Partner anfangs nicht gegenseitig sehen, es findet eine Art “Silobildung” statt. Der Kontaktversuch geht immer vom Investor aus, der im Backend – in einem Stream – Start-ups vorfindet, die ins eigene Portfolio passen könnten. Mitgründer Hörr erklärt dazu: “Wir denken, dass gerade in Deutschland und Europa auf der einen Seite Gründer sehr genau wissen wollen, wer welche Informationen zu Ihrem Unternehmen sieht, auf der anderen Seite viele Investoren nicht offen über Investment-Schwerpunkte oder Investment-Volumen sprechen möchten. Aus diesem Grund haben wir Venturate als komplett geschlossene Plattform konzipiert.” Start-ups werden zunächst auf Eignung für den Marktplatz geprüft, Investoren erhalten nur auf Einladung oder Empfehlung Zugang und müssen pro Finanzierung mindestens 25.000 Euro auf den Tisch legen. So soll die Anzahl der Investoren klein gehalten werden und nicht Richtung Crowdfunding mit Kleinstbeträgen driften.

Expertenzirkel bewertet auf Anfrage die Start-ups

Aus Sicht des Venturate Teams ist das eigentliche Herzstück der Plattform allerdings der eigene Expertenzirkel, dessen Mitglieder sich in der jeweiligen Branche des Start-ups auskennen. Auf Wunsch können Gründer von den Experten eine Bewertung anfordern, die jeweils mit 299 Euro zu Buche schlägt. Diese Bewertungen enthalten Tipps zum Team oder dem Finanzplan und können später von den Start-ups auch veröffentlicht werden, um den eigenen Reiz auf potenzielle Geldgeber zu erhöhen. Für Investoren agieren diese öffentlichen Bewertungen auch als Qualitätsfilter.

Sechsstellige Seedfinanzierung kurz nach Gründung

Die Venturate AG wurde Ende 2013 gegründet und erhielt schnell eine ungenannte, sechsstellige Seed-Finanzierung von acht Business Angels. Die gegründete Plattform ist für Start-ups komplett kostenlos, im Laufe des Jahres 2014 wird es kostenpflichtige Premiumangebote für Investoren geben. Dörr präzisiert Venturates Ansatz: “Wir möchten uns rein auf das professionelle und unabhängige Matchmaking von Gründern mit Investoren konzentrieren. Das bedeutet, dass wir weder Gründern noch Investoren Erfolgs- oder Vermittlungsprovisionen berechnen.”

Mitbewerber und Zukunftsaussichten

Ajax Partner aus Nordrhein-Westfalen sammelt auf seiner Plattform transparent Informationen über Start-ups und Investoren, der Dienst bezeichnet sich selbst als “Meinungsbarometer, Marketingkanal und Matching-Plattform für Early-Stage Venture Capital”.  Ähnlich wie bei Venturate sind keine “kalten” Anfragen von Start-ups an Investoren mehr nötig, das nicht-öffentliche Matching bringt passende Konstellationen zusammen. Ajax Partner und AngelList geben sich im Vergleich zu Venturate fast als “Haus der offenen Tür”, auch bei AngelList werden Start-ups und Investoren für jeden sichtbar gelistet. Ähnliches gilt für Dealroom, wo Investoren auch gleich die Entwicklung der Gründerteams verfolgen können, bevor sie einsteigen. ExchangeBA bietet vor dem Matchmaking Beratung in Form von Coachings und Workshops an und führt Gründer sowie Investoren durch den gesamten Prozess. Venturate will sich mit seinem Expertenzirkel, seinem diskreten System und der Konzentration auf das reine Matchmaking von der Konkurrenz abheben.

Zunächst fokussiert sich Venturate auf den deutschen Online- und Mobilebereich, in Zukunft wird zunächst eine inhaltliche Ausweitung in die Bereiche Cleantech, Medtech und Biotech stattfinden und dann die Internationalisierung der Plattform.

Update: Ajax Partner bei Mitbewerbern hinzugefügt

Foto: businessman hand pointing to investment as concept from Shutterstock

Kommt beruflich aus den Bereichen der Mediengestaltung und der Betreuung demenziell erkrankter Menschen. Seit Ende 2012 ist er freier Journalist mit dem Schwerpunkt Start-ups, interessiert sich aber auch für E-Reading und Open Source.