“Der App-Shop ist konzeptionell sehr nützlich” – Jan Eike Thole von WineMeister

Im Wein liegt die Wahrheit, sagt man. Dies zu behaupten, soweit würden die Gründer von WineMeister wahrscheinlich nicht gehen wollen. Aber beurteilen, ob es sich bei dem Wein um ein gutes oder schlechtes […]
  • Von Christina Cassala
    Mittwoch, 10. April 2013
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Im Wein liegt die Wahrheit, sagt man. Dies zu behaupten, soweit würden die Gründer von WineMeister wahrscheinlich nicht gehen wollen. Aber beurteilen, ob es sich bei dem Wein um ein gutes oder schlechtes Tröpfchen handelt, das wissen sie. Mit dem Sommelier Jan Konetzki haben die Brüder Jan Eike und Henning Thole jedenfalls einen mehr als erfahrenen Weinkenner an Bord ihrer App WineMeister (www.winemeister.de). Mit Hilfe dieser sollen die Weintrinker ab sofort nur noch die besten Weine kaufen und bewerten. Über Supermarktweine und deren Qualität sprach Mitgründer Eike Thole im Gründer-Kurzinterview mit deutsche-startups.

Welche Idee steckt hinter Ihrem Start-up?
Zunächst die Idee, unseren Nutzern immer dann eine passende Weinempfehlung auszusprechen, wenn sie eine benötigen, d.h. im Alltag vor Ort im Supermarkt oder in unserem App-Shop. Hinzu kommt der Aspekt der „Weinbildung für jedermann“. Wir möchten Weinkäufer dazu animieren, sich bewusster mit dem Produkt Wein auseinanderzusetzen und bestenfalls dabei unterstützen ihren persönlichen Geschmack kennenzulernen.

Wie sehr bzw. in welchen Punkten hat sich ihr Konzept von der ersten Idee bis zur Gründung verändert?
Ursprünglich war angedacht, die WineMeister – App kostenpflichtig anzubieten. Erfahrungswerte zeigten dann jedoch ganz deutlich, dass unsere Reichweite hierdurch auf einen Bruchteil schrumpfen würde, sodass unser Ziel der Wein- und Trinkbildung für „jedermann“ nicht hätte verwirklicht werden können. Als alternatives Ertragsmodell haben wir uns für den eingebauten App-Shop entschieden.

Der App-Shop erfüllt seinen Zweck als Einnahmequelle, ist gleichzeitig aber auch konzeptionell sehr nützlich. Denn nach etlichen Supermarktweinverkostungen durch Jan stellten wir fest, dass wohl keiner dieser Weine jemals die obere Grenze unserer Gläser-Bewertungsskala erreichen wird. Dies liegt daran, dass Supermarktweine „Massenprodukte“ sind, welche aus Qualitätsgesichtpunkten oftmals enttäuschen – zumindest Jan als Profi aber auch viele Nutzer. Natürlich können Nutzer selbst bewerten wie gut oder schlecht ihnen einen Wein geschmeckt hat. Unseren App-Shop haben wir jedenfalls so konstruiert, dass nur solche Weine verkauft werden, die – aus Sicht eines Weinprofis – allesamt hochwertiger sind als der beste Wein den wir im Supermarkt getrunken haben.

Wer sind Ihre Mitbewerber und wie grenzen Sie sich von ihnen ab?
Wir haben eigentlich keine direkten Mitbewerber. Es gibt kein vergleichbares Angebot auf dem Markt, welches es Nutzern ermöglicht eine standortbasierte Weinempfehlung zu erhalten und dabei gleichzeitig etwas über den empfohlenen Wein und Wein im Ganzen zu lernen. Indirekte Wettbewerber gibt es viele. Einerseits gibt es zig online Weinhändler, andererseits werden Weine auch bereits im Supermarkt empfohlen, aber eben auf eine ganz andere Art und Weise.

Was ist der entscheidendste Faktor, damit Ihr Start-up den Durchbruch schafft?
Der entscheidendste Faktor ist, ob uns der geschäftliche Turnaround vom kostenlosen App-Nutzer zum zufriedenen Kunden gelingt. Um aus unseren Nutzern später einmal Kunden zu machen, müssen wir deren Vertrauen gewinnen indem wir ihnen mit einer ehrlichen Leistung (d.h. einer guten Weinempfehlung vor Ort) einige echte Mehrwerte im Alltag kreieren (z.B. das zufriedenstellende Gefühl einen guten Wein zu trinken oder getrunken zu haben). Das klappt bei allen sehr gut, die sich bereits einen guten Wein über WineMeister in den Einkaufswagen oder -korb gelegt haben. Darüber hinaus hat natürlich auch Jan’s bodenständige Persönlichkeit und sein Fachwissen einen großen Wert, der für WineMeister sehr wichtig ist.

Wie wollen Sie Geld verdienen und wann schreiben sie schwarze Zahlen?
Die Kommerzialisierung der App steht noch am Anfang. Unser Hauptaugenmerk liegt nicht darin, schnellstmöglich schwarze Zahlen zu schreiben, sondern viel eher den Ausbau des aktiven Nutzerstamms zu forcieren und das eigentliche Produkt zu verbessern. Mit einer größeren Reichweite stoßen gleichzeitig auch weitere interessante Kommerzialisierungsmöglichkeiten hinzu. Eine erste Einnahmequelle ist der eingebaute App-Shop, über den man hochwertige Weine kaufen kann. Alternativ zum App-Shop gibt es verschiedene weitere und vielversprechende Ertragsmodelle, die in Zukunft mittels Piloten sorgfältig getestet und evaluiert werden.

Welche Märkte wollen Sie mittel- und langfristig erobern?
WineMeister wird definitiv in weitere Märkte expandieren. Bevor wir unseren Fokus auf die Umsetzung des Expansionskurses setzen, muss unser Produkt jedoch noch weiter reifen und um weitere sinnvolle Funktionen ergänzt werden. Für das Q4/2013 ist aktuell der Launch für UK vorgesehen. Als „UK Sommelier of the Year“ genießt Jan dort bereits ein sehr hohes Ansehen sowie großes Öffentlichkeitsinteresse. Langfristig wünschen wir uns, dass WineMeister in weitere Länder vordringt, in denen Wein gerne getrunken wird.

Welche Meilensteine wollen Sie in den kommenden zwölf Monaten auf jeden Fall erreichen?
Zuerst natürlich ein weiterer erfolgreicher Launch in Großbritannien. Die App wurde nach 8 Wochen am Markt bereits 17000 Mal heruntergeladen. Bis zum Jahresende wollen wir 100.000 Downloads haben.

Im Fokus: Weitere Interviews mit jungen Gründern gibt es im Special Gründerinterviews

Zur Person:
Jan Eike Thole studierte in Londin und Berlin Jura. Erst Online-Erfahrungen sammelte er als Mit-Gründer der Seite Mr-Skill.co.uk in London. Nach seiner Rückkehr aus Großbritannien gründete er gemeinsam mit seinem Brunder Henning und dem befreundeten Sommelier Jan Konetzki WineMeister in Berlin.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.