15 Fragen an Stefan Pflaum von Snipscan

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Mir ist es enorm wichtig, meine Ziele selbst zu setzen und diese auch zu verwirklichen. Es hat einen besonderen Reiz eine eigene Vision zu […]
  • Von Christina Cassala
    Freitag, 21. Dezember 2012
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Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Mir ist es enorm wichtig, meine Ziele selbst zu setzen und diese auch zu verwirklichen. Es hat einen besonderen Reiz eine eigene Vision zu verfolgen und dieser immer ein Stück näher zu kommen. Ich merke das jeden Tag aufs Neue.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Von einem hollywoodreifen „Heureka“-Zeitpunkt kann man hierbei glaube ich nicht sprechen. Es war vielmehr ein längerer Prozess, der aus der Grundidee die Kommunikation zwischen Unternehmen und den eigenen Kunden zu vereinfachen zur endgültigen Snipscan-Idee geführt hat. Rückblickend würde ich sagen die ausschlaggebende Tatsache für die Gründung von Snipscan war, dass ich es einfach mag mir etwas persönlich zu verdienen.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Das erste Geld stammte von einem guten Bekannten, der mir Anfang 2011 eine kleine Summe für die ersten Schritte zur Verfügung stellte. Hierdurch konnte ich mich darauf konzentrieren dem Konzept den damals noch nötigen Feinschliff zu verpassen und die Umsetzung bis zum Marktstart zu beschleunigen.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Ich hatte ja das Glück bei meinem ersten Start-up bereits viel Erfahrung gesammelt zu haben und bin so sicher einigen der größeren Stolpersteinen aus dem Weg gegangen. Ich denke jedoch es wird den meisten Gründern so gehen, dass die Teamfindung wohl der größte Stolperstein ist. Leider lässt sich dieser nur sehr schwer umfahren, sodass wir einige Anläufe bei der technischen Umsetzung benötigt hatten um nach ca. sieben Monaten Entwicklungszeit endlich an den Markt zu gehen.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich würde schon früher mit potentiellen Kunden sprechen um so das Produkt von Beginn an noch näher am Markt zu entwicklen. Wir haben hier meiner Meinung nach etwas zu lange gewartet und hätten bereits vor dem Start noch intensiver mit den verschiedenen Kundengruppen sprechen können, um genauer die speziellen Bedürfnisse abzudecken. So hätten wir vielleicht noch schneller individuellere Lösungen anbieten können und hätten evtuell das eine oder andere Feature anders aufgebaut oder vielleicht sogar zunächst hinten angestellt. Alles in allem bin ich aber trotzdem sehr zufrieden. Es hat sich ja gezeigt, dass wir mit unseren Einschätzungen zum Glück nicht allzusehr daneben lagen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Mit Online Marketing erreicht man leider nur schwer eine Zielgruppe, die nicht täglich vor dem Rechner sitzt. Mit einer eher offline-geprägten Zielgruppe spielt für uns natürlich die klassische PR-Arbeit eine wichtige Rolle.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Eine wichtige Rolle während der Gründungsphase spielte mein guter Bekannter Sascha Sammer. Vor allem beim Aufbau einer Unternehmensstruktur und mit seiner Erfahrung im Mobile Marketing hat er hier tolle Unterstützung geleistet.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Auch wenn man das schon sehr oft gehört hat und man als Gründer diese Einstellung nicht immer teilt: Möglichst früh mit dem – achtung Buzzword – „Minimum Viable Product“ starten, mit den eigenen Kunden in Kontakt treten und lernen, dass der Kunde immer Recht hat. Das ist auch für mich die wichtigste Erfahrung des letzten Jahres.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ohne jetzt zu tief einzusteigen und um nicht total abzuschweifen sollten die Hürden für junge Unternehmen in den ersten Jahren generell gesenkt werden. Als Gründer muss man sich in dieser Zeit auf sein Kerngeschäft und die eigene Produktentwicklung konzentrieren und sollte sich nicht zu sehr mit anderen Dingen beschäftigen müssen. Das kostet einfach viel zuviel des ohnehin knappen Geldes. Man darf aber ja gespannt sein was sich hier tun wird. Einige gedankliche Ansätze gibt es ja hierzu bereits.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Als Wirtschaftsinformatiker würde ich wie meine ehemaligen Studienkollegen wahrscheinlich bei einem Softwarehersteller im Vertrieb arbeiten, inzwischen sehr gut verdienen und müsste mir keine Gedanken um meine Altersvorsorge mehr machen.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschenspielen?
Ich glaube, das Start-up an sich wäre mir nicht so wichtig. Ich würde mich generell dafür interessieren wie andere Unternehmer auf die vielen täglichen Herausforderungen reagieren und diese lösen.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Epoche ist übertrieben, aber die 2006er Jahre waren eine wirklich geile Zeit für junge Leute mit Gründergeist. Sofern ich auch meine Erfahrungen mitnehmen dürfte würde ich wohl noch einmal dorthin zurück gehen und ein paar weise Ratschläge verteilen.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich würde 60% in meine Altersvorsorge investieren, 10% „verleben“ und mit 20% junge Gründer mit spannenden Konzepten unterstützen.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Draußen. Ohne Laptop. Am liebsten auch ohne Smartphone, was aber ja leider schwer möglich ist. Hauptsache irgendwie abschalten, z.B. mit dem Mountainbike am Tegernsee.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Prinzipiell mit jedem anderen Gründer und Unternehmer. Ich finde Gründungsgeschichten generell sehr spannend. Alles hat ja bekanntlich einmal klein angefangen. Interessant wäre wohl auch das ein oder andere Bier mit Uli Hoeneß.

Im Fokus: Weitere Fragebögen in unserem großen Themenschwerpunkt 15 Fragen an

Zur Person:
Stefan Pflaum gründete 2011 Snipscan (www.snipscan.com), eine mobile Loyalty Plattform um Gastronomie- und Dienstleistungsbetriebe bei der aktiven Kundenbindung zu unterstützen. Während seines Studiums der Wirtschaftsinformatik war er im Jahr 2006 Co-Founder der Social Networking Plattform „joinR“, die über eine halbe Millionen Mitglieder erreichte und zuletzt bei der MeinProspekt GmbH im Business Development tätig.

Christina Cassala, Redakteurin bei deutsche-startups.de, war schon zu ihren besten Uni- Zeiten in den 90er Jahren journalistisch tätig. Gleich nach dem Volontariat arbeitete sie bei einem Branchenfachverlag in Hamburg, ehe sie 2007 zu deutsche-startups.de stieß und seither die Entwicklungen der Start-up Szene in Deutschland mit großer Neugierde beobachtet.