Fünfzehn Fragen an Sabine Segerer von modeafFAIRe

  Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?  Ich weiß vor allem die Handlungsfreiheit an der Selbstständigkeit sehr zu schätzen. Als Gründer kann man sich ausprobieren, Ideen verwirklichen, viele Erfahrungen in […]

 
Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? 
Ich weiß vor allem die Handlungsfreiheit an der Selbstständigkeit sehr zu schätzen. Als Gründer kann man sich ausprobieren, Ideen verwirklichen, viele Erfahrungen in kurzer Zeit sammeln und seine Grenzen testen. Das bringt einen auch persönlich weiter.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up? 
Als Katharina und ich uns kennen lernten haben wir bald festgestellt, dass wir uns sehr für die Themen Mode, Ernährung und Nachhaltigkeit interessieren. Und dass es gerade im Bereich Mode kaum Informationen über Herkunft und Produktions-Standards gibt. Das wollten wir ändern und mit unserer Plattform modeaFAIRe helfen, eine breitere Zielgruppe für sozial-ökologische Mode sensibilisieren.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen? 
Wir haben unser Portal von Grund auf selbst aufgebaut und lediglich für die Umsetzung des Designs eine Agentur beauftragt. Die haben wir aus eigener Tasche bezahlt.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine? 
Wir hatten zunächst die Befürchtung, dass das Thema vielleicht zu speziell ist und das Interesse daran gering. Aber dem war nicht so. Wir wollen mit unserem Portal vor allem Informationen vermitteln und unseren Lesern relevante Service-Leistungen anbieten – zum Beispiel die Frage beantworten, wo man chemiefreie Stoffe kaufen kann. Das bedeutet Zeitaufwand bei Recherche und Produktion. Insofern ist auch der Zeitfaktor immer ein gewisser Stolperstein, denn man könnte immer noch mehr Infos anbieten und dementsprechend investieren, aber man muss aufpassen, dass man sich nicht verrennt. Eine weitere Herausforderung war und ist es, Werbeplätze nur an diejenigen zu verkaufen, die zu unserer Zielgruppe passen und aus der Fair Fashion-Branche kommen. Da bewegen wir uns natürlich in einer Nische, aber wir wollen uns treu bleiben.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen? 
Ich würde schon anfangs mit Kapitalgebern reden und noch mehr Zeit investieren, um Partner und Kontakte für meine Idee zu gewinnen. Für Gründer ist das eigene Netzwerk ein unschätzbarer Wert.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig? 
SEO ist natürlich bei jedem Online-Portal von Nutzen. Wir haben unseren Fokus aber vor allem auf Pressearbeit gelegt. Weil sie ganz anders wahrgenommen wird als Werbung und weil wir ohnehin ein erklärungsbedürftiges Produkt haben.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Da wir zu zwei gegründet haben, war das natürlich meine Geschäftspartnerin Katharina Höfling. Es ist schön und entlastend, jemanden zu haben, mit dem man seine Ideen besprechen kann. Wir haben von Grund auf alles gemeinsam entschieden.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg? 
Die Geduld und den Glauben an die eigene Idee nicht zu verlieren, aber sich auch nicht krampfhaft an etwas festzubeißen. Man muss offen bleiben für neue Wege und darf den Spaß an der Sache nicht verlieren. Außerdem wichtig: fest strukturierte Arbeitszeiten und auch mal eine Auszeit nehmen. Gründer neigen zu 24/7, das kann langfristig nicht gut gehen.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen? 
Ich finde, rein informativ wird für Gründer schon viel getan. Außerdem gibt es gibt eine gut vernetzte, offene Gründerszene in Deutschland. Das macht vieles leichter. Ich würde mir aber mehr Fördermittel und leichteren Kontakt zu Investoren wünschen, weniger Bürokratie und außerdem eine steuerliche Entlastung für Start-ups.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten? 
Ich arbeite neben der modeafFAIRE weiterhin als freie PR-Beraterin. Das macht mir Spaß, weil es mich immer wieder mit neuen Themen konfrontiert und die Arbeit facettenreich macht. Außerdem kann ich andere Unternehmen an meinen Erfahrungen teilhaben lassen.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen? 
Bei den Jungs von mymuesli, wenn sie überhaupt noch als Start-up gelten… Erstens weil ich in Passau studiert habe und es toll finde, dass so ein erfolgreiches Unternehmen aus meiner Uni-Stadt kommt, und zweitens weil ich ja auch eine große Affinität zum Thema Food habe. Ich glaube, wir hätten uns viel zu erzählen.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie? 
In die Zukunft, mal sehen, was sich so tut. Dann wieder in die Gegenwart, um Entwicklungen schon vorher anzustoßen oder abzuwenden.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld? 
Eine eigene Wohnung in München kaufen (bei den Preisen das einzig Wahre), einen Teil natürlich in die modeafFAIRe investieren, spenden und reisen. Außerdem wäre ein eigenes, neues Modemagazin als Printversion toll, in dem ich kleine, europäische Labels vorstellen würde und verstärkt auf das Thema Recycling eingehen würde. Dazu noch ein Laden, in dem man die neueste Eco Fashion und die passenden Accessoires kaufen kann. Aber ich befürchte, für das alles reicht eine Million nicht.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Lange schlafen, lecker frühstücken und dann mit meinem Freund, Freunden oder der Familie etwas unternehmen. Und ich versuche abzuschalten und nicht die Mails zu checken oder ins Internet zu gehen.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden? 
Mit Tobias Schlegl, weil er ein interessanter und engagierter Mensch ist und aus der Medienlandschaft so heraussticht. Außerdem sympathisch: Er hat bei unserer Aktion „Faire Mode find´ich gut“ sofort reagiert und uns ein Statement geschickt. Das fand ich toll.

Zur Person
Sabine Segerer hat im Sommer 2010 gemeinsam mit Katharina Höfling modeafFAIRe (www.modeaffaire.de) gegründet, ein Online-Portal für faire Mode. Als freie Beraterin und Texterin ist sie zudem mit ihrem PR- und Textbüro Dressed Food selbstständig und lebt in München.

Seit Mai 2009 schreibt Yvonne für deutsche-startups.de Gründerportraits, Start-up-Geschichten und mehr – ihre besondere Begeisterung gilt Geschäftsideen mit gesellschaftlich-sozialer Relevanz. Sie tummelt sich auch im Ausland – immer auf der Suche nach spannenden Gründerpersönlichkeiten und Geschäftsideen.