Fünfzehn Fragen an Philipp Gloeckler von Avocado Store

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Ich kann mir momentan schlecht vorstellen in einer anderen Situation zu arbeiten. Es gibt nichts Besseres als eine Idee zu verwirklichen und täglich neue […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Ich kann mir momentan schlecht vorstellen in einer anderen Situation zu arbeiten. Es gibt nichts Besseres als eine Idee zu verwirklichen und täglich neue Herausforderungen zu bewältigen.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Da kamen mehrere Dinge zusammen. Zum einen habe ich den Markt für nachhaltige Produkte bereits eine Weile beobachtet. In diese Zeit habe ich nicht nur viele Marktteilnehmer persönlich kennen gelernt, sondern auch die Chancen und Probleme des Marktes gesehen. Zum anderen traf ich im Sommer 2009 den Qype-Gründer Stephan Uhrenbacher, welcher zu der Zeit nach Gründern geschaut hat. Wir stellten fest, das wir beide eine ähnliche Idee im Kopf hatten – noch am selben Tag kam die Idee zu Avocado Store, Deutschlands größtem Online Marktplatz für coole Öko-Produkte. Hier finden Konsumenten eine Alternative zu jedem konventionellen Produkt; und sowohl kleine als auch große Anbieter können davon profitieren.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Stephan Uhrenbacher ist nicht nur Executive Chairman von Avocado Store sondern hat auch die Pre-Seed-Runde finanziert. Ende 2009 haben wir zudem eine Förderung vom Pro-Ideenfonds aus Hamburg bekommen. Im ersten Quartal 2010 haben wir dann unsere erste Angel-Runde gemacht.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Wir haben sehr viel Zeit damit verbracht, eine Shop-Software für Avocado Store zu finden. Wir wollten das Rad nicht komplett neu erfinden. Wir gingen davon aus, dass es kein Problem wäre, auf eine existierende Shop-Software aufzubauen und einen Marktplatz draus zu machen. Schließlich haben wir uns entschieden alles von Null auf Rails zu programmieren – heute sind wir damit mehr als zufrieden. Die Software ist eine wirkliche Marktplatz-Software: Ein Produkt kann von unterschiedlichen Händlern angeboten werden, dabei hat jeder Händler seinen eigenen Shop.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Nicht so lange nach einer Sales-Software suchen.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Ich bin ein großer Fan von Print! Print wirkt!

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Ich arbeite sehr eng mit Stephan zusammen. Außerdem hat AKRA uns mit super Programmierern unterstützt und ein guter Freund hat mich auf den Pro Ideenfonds aufmerksam gemacht, der uns auch sehr geholfen hat. Last but not least hat unser erstes Design ein Student aus Mannheim für sein Projekt www.bietekopfhandundherz.de gemacht

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Kenne deinen Markt und gründe aus Überzeugung – nicht weil du gerne Gründer genannt werden möchtest.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Das ist für mich nicht so einfach zu beantworten, da ich nicht wirklich Stadt oder Land bezogen bin. Mit dem Pro-Ideenfonds haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht und ich finde, dass es generell sehr viele Förderungen in Deutschland gibt. Einige kosten allerdings viel zu viel Zeit. Ich denke, dass mein Hauptthema sich um eine bessere Förderung für universitäre Forschung drehen würde. Dort ist in Deutschland noch unheimlich viel zu tun!

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ich würde in New York für Jay-Z bei Roc Nation arbeiten.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Bei allesbiokaese.de würde ich mir als Maus den Magen voll schlagen!

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Ich bleibe hier und jetzt. Finde unsere Epoche super.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich würde mir eine richtig runtergekommene Wohnung, oder sogar ein Haus, kaufen und es eigenhändig renovieren.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Ein gutes Frühstück mit Freunden, etwas zu lesen und viel Bewegung.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Jay-Z.

Zur Person
Philipp Gloeckler ist, neben Stephan Uhrenbacher, Gründer des Avocado Store (www.avocadostore.com) und Mitglied der Geschäftsführung. An der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel studierte er General Management mit Fachrichtung Wirtschaftsinformatik. Seine Schwerpunkte hier und an der HEC Montreal: Finanzen & Banken, Supply Chain Management sowie Elektronischer und Internationaler Handel. Mitte 2009 brachte Gloeckler die amerikanische Nachhaltigkeitsbewegung Carrotmob nach Deutschland gebracht und agierte als Öko-Lifestyle-Berater für Fashion Labels, Online-Portale und die Premium Exhibition (Berlin Fashion Week).

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.