Fünfzehn Fragen an Franz Duge von chocri

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Das ist mir sehr wichtig. Ich kann so die Geschwindigkeit von Projekten selbst bestimmen und auch das Ziel immer nach meinen Wünschen anpassen. Außerdem […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Das ist mir sehr wichtig. Ich kann so die Geschwindigkeit von Projekten selbst bestimmen und auch das Ziel immer nach meinen Wünschen anpassen. Außerdem bin ich als mein eigener Chef nicht gezwungen immer eine 40-Stundenwoche einzuhalten, auch wenn mal weniger zu tun ist.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Mein Kollege Micha und ich hatten schon vor chocri ein kleines gemeinsames Projekt. Wir verkauften damals Schokoladenbrunnen zusammen mit Schokolade und Zubehör. Da der Markt für Schokobrunnen jedoch zunehmend mehr Konkurrenten bekommen hatte mussten wir uns etwas Neues einfallen lassen. Dabei entstand die Idee zu chocri aus der Not heraus: Ich suchte damals ein Geschenk für meine Freundin und überlegte mir eine Tafel nur mit ihren Lieblingszutaten zu machen. Ihr gefiel die Idee so gut, dass Bekannte und Freunde uns auch nach individueller Schokolade fragten. Das war der Startschuss für chocri

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Wir haben von Anfang an alles selbst finanziert. Die Anfangsinvestition betrug damals nur 10.000 Euro und dementsprechend sahen auch unsere Internetseite und unser Büro aus. In der Produktion hatten wir damals eine Maschine zu stehen, die älter als wir waren. Als die ersten Umsätze kamen und wir sehen konnten, dass die Idee funktioniert, haben wir weiter investiert.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Wenn man alles selbst finanziert kommt einem bei einigen Entscheidungen natürlich der negative Kontostand in die Quere. Auch die Personalbeschaffung war für uns nicht immer leicht, besonders der Altersunterschied machte die Personalführung nicht leichter.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Ich würde von Anfang an ein größeres Finanzpolster für die Gründung anlegen. Man weiß schließlich nie was passiert. Es wäre mehr als nur schade, wenn die eigene Idee an einem vermeidbaren Liquiditätsengpass scheitert.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Wir machen derzeit viel Werbung im Fernsehen mit Gewinnspielmarketing bei ProSieben und RTL2. Das funktioniert gut, man muss jedoch immer die Kosten im Blick haben. Ansonsten bespielen wir natürlich auch die Standard-Kanäle: Pressearbeit, SEM, SEO, Kooperationen und Affiliate-Marketing.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Wir haben ein großes Unterstützernetzwerk aus Freunden und Familie gehabt, die uns mit Rat und Tat beiseite standen. Dazu haben wir Gründer uns regelmäßig ausgetauscht, um uns gegenseitig zu motivieren.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Für uns war es sehr entscheidend schon früh die zukünftigen Kunden in unsere Entscheidungen einzubinden. Angefangen haben wir damit schon ein halbes Jahr vor unserem Start mit einem Blog. Das hat die Basis für unseren weiteren Erfolg gelegt: Wir haben eine Kundenzufriedenheit von über 97 % und werden an durchschnittlich 5 Leute weiter empfohlen.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Ich würde mir weniger Bürokratie wünschen. Das fängt an bei einer vereinfachten Möglichkeit der Buchhaltung und geht hin zu einer guten Beratung für Förderprogramme.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ich würde mal bei einer großen Schokoladenfirma in die Marketingabteilung hineinschauen. Spannend finde ich, wie man ein großes Budget am besten verteilt und später die Erfolge misst.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Auch wenn Spreadshirt wahrscheinlich kein Start-up mehr ist, würde ich mir dort gern mal die Produktion und die Abläufe anschauen.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
Ich würde gern in die Zukunft schauen, sagen wir so 50 Jahre. Wo steht dann das Internet? Wie vernetzt sind wir dann? Wie wirkt sich die Erderwärmung wirklich aus?

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Ich würde mir einen Landrover Defender kaufen und einmal um die Welt fahren. Wenn ich wieder da bin, würde ich sicher ein neues Unternehmen gründen – zumindest mit einem Teil des Geldes.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Mit meiner Freundin und einem gemeinsamen Frühstück. Dann unternehmen wir entweder etwas draußen oder bei schlechtem Wetter bleiben wir einfach zu Hause. Abgeschlossen wir der Sonntag dann seit neustem mit dem Tatort.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit Alfred Ritter, dem Geschäftsführer von Ritter Sport.

Zur Person
Franz Duge gründete im September 2008 gemeinsam mit Michael Bruck Chocri (www.chocri.de). Derzeit produziert das Berliner Start-up in Schichtarbeit täglich bis zu 1.000 individuelle Schokoladentafeln. Im ersten Unternehmensjahr brachte chocri nach eigenen Angaben über 120.000 Tafeln Schokolade an den Mann und die Frau. Der erwirtschaftete Umsatz im ersten Jahr lag im “mittleren sechsstelligen Bereich”. In Deutschland kostet eine Tafel – einschließlich Porto schnell mal sieben oder acht Euro.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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