iStartup: Von 0 bis iPhone – Gastbeitrag von Sascha Konietzke

Das iPhone wird als innovativ, jung und dynamisch angesehen. Über Statistiken, Umsätze, neue Rekorde und Gründe für Apples App Stores wird viel berichtet. Wie aber kann das eigene Unternehmen am Trend teilnehmen und […]

Das iPhone wird als innovativ, jung und dynamisch angesehen. Über Statistiken, Umsätze, neue Rekorde und Gründe für Apples App Stores wird viel berichtet. Wie aber kann das eigene Unternehmen am Trend teilnehmen und wie gelangt ein Startup auf das iPhone? Welche Kosten fallen an, welche Kenntnisse muss man mitbringen und wie lange dauert die Entwicklung?

Die Idee bestimmt den Aufwand

Der Aufwand – und damit auch die Kosten für die Erstellung einer neuen iPhone Anwendung – hängen maßgeblich von den Funktionen der gewünschten Anwendung ab. Eine native Anwendung, die direkt mit einer begrenzten Menge an Daten wie Videos, Bildern, Sounds oder Texten ausgeliefert wird, kann von Experten schon in wenigen Tagen entwickelt werden. Aufwändiger wird es, sobald der Anwender mit der Applikation interagieren soll und nicht nur Daten angezeigt und wiedergegeben werden.

Die Benutzung des GPS-Chips zur Bestimmung der Position, der Kamera zum Fotografieren oder die Verwendung des Beschleunigungssensors machen die Programmierung der Anwendung komplizierter. Sobald Nutzer Daten eingeben können, welche lokal gespeichert oder an einen Server übertragen werden, erhöht sich die Komplexität weiter: Fehleingaben müssen von dem Programm abgefangen werden und die Gefahr besteht, dass Daten vom Web Service abgewiesen oder die Verbindung unterbrochen wird.

Die Arbeit an der eigenen Webanwendung, die benötigt wird um die Kommunikation mit einer nativen iPhone Anwendung zu ermöglichen, ist darüber hinaus nicht zu vernachlässigen. Dies gilt vor allem, sobald der Nutzer in der Anwendung auf dem Server liegenden Daten ändern kann, da somit eine sichere Authentifizierung und Nutzerkonten benötigt werden. Etwas einfacher hat es derjenige, der nur existierende APIs wie die von Flickr oder Twitter nutzen möchte.

Umsetzungsmöglichkeiten im Detail

Um die erdachte Idee auf das iPhone zu bringen gibt es mehrere Möglichkeiten. Da der Browser auf dem iPhone neue HTML und CSS Standards beherrscht, sind mittlerweile auch das Auslesen der Position des Gerätes oder Animationen direkt auf mobilen Webseiten möglich. Der Aufwand für die Erstellung einer mobilen Webseite ist geringer als die Programmierung einer nativen Applikation und kann oft auch selbst in die Hand genommen werden. Nachteilig ist jedoch, dass die Anwendung dann nicht im App Store steht und es schwierig ist, Geld für das Betrachten einer mobilen Webseite zu verlangen, da es heutzutage leider noch keine einfachen Abrechnungsverfahren für die Nutzung von Webseiten gibt.

Eine anderer Weg, um ganz ohne Programmierkenntnisse auf das iPhone zu kommen, ist die Nutzung eines Anwendungsgenerators wie dem AppMakr, mit welchem schnell und günstig iPhone Anwendungen mit wenigen Mausklicks erstellt werden können. Es ist jedoch schwierig ohne eine etablierte Marke mit solch einer generierten und wenig innovativen Anwendung Umsätze im App Store zu erzielen.

Zuletzt bleibt nur noch die Programmierung einer nativen iPhone Anwendung. Die meisten iPhone Anwendungen können für Kosten ab etwa 20.000 Euro von einer Agentur erstellt werden. Da die wenigsten Startups über ein solches Budget verfügen, bleibt nur noch die Möglichkeit, die Anwendung selbst zu entwickeln.

Eigenentwicklung für das iPhone

Um eine iPhone Anwendung eigenständig mit Apples offiziellen Hilfsmitteln zu entwickeln ist eine Mitgliedschaft im Apple Developer Program für 79 Euro im Jahr, sowie ein Mac mit aktuellem Betriebssystem nötig. Falls der noch nicht vorhanden ist, sollten die Wechselkosten zum Apple System nicht vernachlässigt werden. Ein neuer Mac und einige Lizenzen für Software kosten schnell bis zu 2.000 Euro, zuzüglich der Zeit für das Einarbeiten in das neue Betriebssystem.

Es gibt bereits inoffizielle Hilfsmittel wie Adobe Flash CS5, MonoTouch oder Dragonfire, mit denen iPhone Anwendungen auch ohne Mac und mit anderen Programmiersprachen entwickelt werden können. Ein solches Hilfsmittel zu nutzen ist jedoch äußerst risikoreich, da Apple die Anwendung nach einer langen Entwicklungsphase jederzeit ablehnen könnte und die Anwendung dann nicht in den App Store darf.

Die meisten Entwickler in Startups kommen aus der Webprogrammierung und sind mit Programmiersprachen wie PHP, Ruby oder Python vertraut. Erfahrung im Umgang mit Objective-C und den Cocoa Touch Frameworks, welche zur Entwicklung für das iPhone benötigt wird, ist nur selten vorhanden. Objective-C ist eine objektorientierte Erweiterung zur C Programmiersprache. Die Grundzüge der Sprache sind für einen erfahrenen Programmierer mit Kenntnissen der objektorientierten Programmierung schnell gelernt – es dauert aber mindestens einen Monat bis man sich an das manuelle Speichermanagement und die Frameworks gewöhnt hat. Apple bietet im Web kostenlos tausende Seiten gut geschriebener Dokumentation zur Sprache und den Bibliotheken an. Wer es nicht scheut in die Informationsflut einzutauchen, kann so die iPhone Programmierung – auch ohne Bücher oder Kurse – online lernen.

Je nach Komplexität der Anwendung und Qualität des Konzeptes dauert die Entwicklung der Grundfunktionen der Anwendung ein bis zwei Mannmonate. Aber Achtung: Die Zeit, die für das Finalisieren der Nutzeroberfläche, mögliche Optimierungen und das Testen benötigt wird, wird gerne unterschätzt. Hier sollte man mindestens die Hälfte der Entwicklungszeit der Grundfunktionen ansetzen.

Wenn die Anwendung schließlich fertig entwickelt und getestet ist, kann sie an Apple übergeben werden. Wer seine Anwendung vorbereitet und die Hauptgründe für eine Ablehnung der Anwendung – wie das Nichteinhalten der Apple Human Interface Guidelines – im Voraus analysiert und behebt, sollte keine Probleme mit der Aufnahme seiner Anwendung haben. Nach wenigen Tagen kann die App dann schon oft im App Store gefunden werden. Allerdings geht die Arbeit dann erst richtig los, denn ohne Marketing wird keine Anwendung mehr zum Hit im App Store.

Zur Person
Sascha Konietzke gründete gemeinsam mit Benedikt Foit und Cornelius Rabsch Tagcrumbs (www.tagcrumbs.com), einem Webdienst zum Teilen der eigenen Lieblingsplätze mit Freunden. Der Jungunternehmer verbrachte die vergangenen Monate damit, die iPhone Anwendung für Tagcrumbs zu entwickeln – mit welcher man Plätze markieren, entdecken und empfehlen kann. Vor der Gründung von Tagcrumbs war Sascha Konietzke bei Hewlett-Packard tätig. Während eines Praktikums in Palo Alto wurde er vom Start-up-Fieber angesteckt und erkannte, dass es für ihn der richtige Zeitpunkt war, die Konzernwelt zu verlassen, um ein Start-up zu gründen.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.