Fünfzehn Fragen an Albert Warnecke von Shoptrex

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Die Möglichkeit, all die Dinge, die ich während meiner Zeit als Angestellter gelernt habe so umzusetzen, wie ich es für richtig halte. Bei welcher […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Die Möglichkeit, all die Dinge, die ich während meiner Zeit als Angestellter gelernt habe so umzusetzen, wie ich es für richtig halte.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
Ich habe einige Shops beraten und betreut und dabei hautnah die Probleme dieser Händler kennen gelernt. Es ist eben nicht damit getan, bei den Suchmaschinen einige Begriffe zu buchen, und auch ein Affiliate-Programm braucht eine qualifizierte Betreuung. Bannerwerbung mag zwar Image bilden, ist aber aus Kostengründen für diese Händler kein Thema. Grundsätzlich lässt sich feststellen: Mit den momentan am Markt etablierten Marketingkanälen tun sich kleine und mittlere Händler schwer an Kunden zu kommen. Deshalb habe ich nach einer Alternative – speziell für diese Zielgruppe – gesucht. Zufällig habe ich dann das Buch „Zukunftstrend Empfehlungsmarketing“ von Anne Schüller gelesen. Die Idee des Empfehlungsmarketings fand ich gut, was mich aber gestört hat, war die Tatsache, dass Empfehlungsmarketing zwar wirkt, aber keine Reichweite hat. Jeder Nutzer muss einzeln überzeugt werden. Ich wollte gerne die Reichweite von klassischer Werbung mit der Wirksamkeit von Empfehlungen koppeln. Online-Händler haben immer viel zu tun – deshalb sollte die Plattform einfach zu verstehen und schnell zu erlernen sein. Das waren die beiden Eckpunkte meiner Überlegungen. Diese grundlegenden Ideen haben mein Partner Stephan Brambach und ich dann an einem lauen Augustabend am Rhein mit Blick auf den illuminierten Post-Tower und einem Bier vor uns soweit konkretisiert bis klar war: Das ist tragfähig, das ist jetzt der Startschuss für Shoptrex.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
Aus der eigenen Tasche. Wir finanzieren uns selbst. Das gibt uns die Freiheit, Shoptrex so zu führen, wie wir es für richtig halten.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
Ernsthafte Hürden oder Stolpersteine gab es eigentlich keine. Wir haben eine Menge Berufs- und Lebenserfahrung und sind alle Punkte gründlich und mit der Politik der kleinen Schritte angegangen. Rückblickend hat zwar alles deutlich länger gedauert als geplant, aber wir halten den administrativen Aufwand klein und konzentrieren uns aufs Produkt und die Vermarktung.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Wie oben bereits gesagt, wir würden im Nachhinein einige Sachen etwas anders angehen, aber das sind alles Feinjustierungen. Grundsätzlich gilt: Wir würden die Sache wieder genau so anpacken.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Wir setzen on- und offline auf kontinuierliche Pressearbeit und versuchen zusätzlich in den einschlägigen Händler-Foren präsent zu sein.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Mein Partner, ohne Ihn würde es Shoptrex nicht geben. Er ist derjenige, der unsere Ideen in Code umsetzt und sich als Innenminister um den ganzen administrativen Bereich kümmert.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
Nie alleine gründen, nie Venture Capital nehmen und den Laden nach Gutsherrenart führen.

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Weniger administrativen Aufwand. Es sollte eine simple Startup-Flatrate geben, mit der alle Abgaben erledigt sind. Außerdem sollten die Zwangsmitgliedschaften in diversen Kammern und Verbänden abgeschafft werden. So wird Geld frei, das man ins Produkt oder den Vertrieb stecken kann.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Ich wäre freiberuflich als Berater in Sachen „Hege und Pflege einer kommerziellen Online-Präsenz“ unterwegs und würde mein in 10 Jahren Yahoo! erworbenes Wissen an den Mann bringen.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Bei einem der Live-Shopping-Anbieter würde ich mich gerne einmal umsehen.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
In die obere Kreidezeit, um nachzusehen, wie realistisch Spielberg seine Raptoren getroffen hat.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Anlegen. 60% in Aktien, 40% in Anleihen. Vorher werden aber 5.000 Euro abgezweigt, um die Hifi-Anlage internet-tauglich zu machen.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Nachmittags kommen Freunde zu Besuch. Der Vormittag geht für länger schlafen, einmal durch den Stadtpark traben und dann in Ruhe frühstücken drauf.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Mit Prof. Günter Faltin, Professor für Entrepreneurship an der Freien Universität Berlin und Gründer der Teekampagne. Viele der in seinem Buch „Kopf schlägt Kapital“ beschriebenen Vorgehensweisen haben wir so bei der Gründung von Shoptrex umgesetzt.

Zur Person
Albert Warnecke begründete nach Abschluss seines Studiums zum Diplom-Chemieingenieur den Onlineauftritt des „Windows Magazin“ des Ziff-Davis-Verlags in CompuServe und schuf damit das erste Online-Forum dieser Art im deutschsprachigen Raum. Anschließend arbeitete er als Abteilungsleiter beim DMV-Verlag, zuständig für den inhaltlichen Aufbau und die technische Konzeption der Online-Auftritte des Verlags in verschiedenen Online-Diensten. 1997 wurde Warnecke von der Yahoo Europe Inc. ins Gründerteam der Yahoo Deutschland GmbH berufen und verantwortete als Senior Producer neben der Konzeption und Umsetzung aller neuen Produkte auf nationaler Ebene auch die Weiterentwicklung bestehender Angebote in Europa. Mit Shoptrex (www.shoptrex.de) wollen Warnecke und sein Partner Stephan Brambach nun einen neuen Vertriebskanal für Online-Händler etablieren.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.

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