Fünfzehn Fragen an Alexander Reschke von Uniturm.de

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein? Morgens aufstehen und die Träume der Nacht verwirklichen – oder weniger pathetisch: machen, machen, machen. Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem […]

Was bedeutet es Ihnen, Ihr eigener Chef zu sein?
Morgens aufstehen und die Träume der Nacht verwirklichen – oder weniger pathetisch: machen, machen, machen.

Bei welcher Gelegenheit kam Ihnen die Idee zu Ihrem Start-up?
2003, wir Gründer waren frisch im Studium und konzentrierten uns mehr aufs Studentenleben als auf die Prüfungen. Wie also durch die Prüfungen kommen? Die rettende Idee hatte ein Freund: warum sich nicht einfach mit besseren Kommilitonen online austauschen? So luden wir unsere Freunde zum gemeinsamen Lernen ein, sie ihre Freunde und nach 3 Jahren hatten wir 90% unserer Fakultät als Mitglieder im Vorgänger von Uniturm.de.

Woher stammte das Kapital für Ihr Unternehmen?
In den ersten drei Jahren: Eigenfinanzierung und Werbeeinnahmen. 2007 gründeten wir die GmbH für Uniturm.de und holten direkt bei Gründung Stephan Schambach, Karsten Schneider und einige andere BAs an Bord. Mitte 2008 schlossen wir erfolgreich unsere zweite Finanzierungsrunde mit dem TGFS Seed ab.

Was waren bei der Gründung Ihres Start-ups die größten Stolpersteine?
2003 die Angst der Profs vor unabhängigen Medien an der Uni (hat sich ziemlich schnell in Interesse verwandelt) und 2007 der ständige Vergleich von Investoren mit dem studiVZ.

Was würden Sie rückblickend in der Gründungsphase anders machen?
Mehr Energy-Drinks kaufen – die bringen ja echt was. Und im Ernst: wir arbeiteten zu lange von zu Hause aus, um die Kosten fürs Büro zu sparen. Tipp an alle Gründer: Spart an vielen Stellen, aber sucht euch einen Raum, wo ihr 12h jeden Tag zusammen arbeiten könnt.

Jedes Start-up muss bekannt werden. Welche Marketingspielart ist für Sie besonders wichtig?
Mund-zu-Mund-Propaganda: schließlich haben wir so mit Null Euro Marketingbudget 90% der Fakultät erobert. Um die Mund-zu-Mund-Propaganda anzukurbeln, setzen wir auf leistungsorientierte Onlinewerbung und direkte Präsenzen auf den Campi. Das ultimative Rezept suchen wir aber auch noch.

Welche Person hat Sie bei der Gründung besonders unterstützt?
Das Dekanat unser Fakultät: nach dem die erste Skepsis überwunden war, unterstützen Sie unsere Vision, spendierten uns ein kleines Büro und sponserten uns sogar eine pflegeleichte Birkenfeige – leider die einzige Grünpflanze, die die Jahre bei uns überstanden hat.

Welchen Tipp geben Sie anderen Gründern mit auf den Weg?
1. Glaubt immer an eure Idee und zieht euer Ding durch. 2. Bietet einen echten Mehrwert, der sich monetarisieren lässt. 3. Sucht euch starke Partner für alle wichtigen Bereiche (Kontakte, Medialeistungen, Finanzmittel). 4. Gesteht euch ein, dass ihr noch nicht perfekt seid und habt deshalb die Bereitschaft zum Lernen

Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Kein Konjunkturprogramm – Ein Unternehmerprogramm! Es muss gerade jetzt attraktiv sein, Unternehmer zu werden. Mehr Gründerstimmung wäre das beste Mittel gegen die Krise.

Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie kein Start-up gegründet hätten?
Fischer – ich liebe das Meer. Aber wahrscheinlich hätte ich dann schon wieder eine Fischerei als Start-up gegründet.

Bei welchem deutschen Start-up würden Sie gerne mal Mäuschen spielen?
Visiongreen Ltd. – Ökoautos nach dem Londoner Vorbild für Deutschland. Sie sind der Vorreiter eines Trends, der durch die Krise noch verstärkt wird – wenn sie es richtig anstellen, können sie etwas Großes bewegen.

Sie dürften eine Zeitreise unternehmen: In welche Epoche reisen Sie?
70er Jahre USA um mitzuerleben, wie einige „Spinner“ die Grundlagen für das legten, was heute unsere so selbstverständliche Spielwiese ist: das Internet.

Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Uniturm.de pushen und danach Autohäuser nur für Klein- und Ökofahrzeuge aller Marken mitten in den Zentren unserer Städte aufbauen. Klarheit, Minimalismus und sauberes Gewissen sind die Trends für die Zukunft.

Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Endlich mal lange ausschlafen, Uniturm.de-Mitgliederzahlen checken – meistens darüber freuen, Handys und WLAN ausschalten, am und im Wasser austoben, Freunde treffen um das schlechte Gewissen zu besänftigen, mit einer Tasse heißer Schokolade die Gedanken treiben lassen.

Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Marc Andreessen (Schöpfer vom Netscape Navigator) – spannende Diskussion, ob er Firefox für den Kampf gegen den IE bewundert.
Stephen Hawking (Astrophysiker) – um wirklich zu erfahren, was die Macht des Geistes bedeutet.
Robert Basic – um zu erfahren, ob er sich manchmal bildlich die Masse seiner Leser vorstellt. Generell guter Tipp zur Motivation: Vorstellen, wie die eigenen User Stadien füllen)

Zur Person
Alexander Reschke (25) gründete gemeinsam mit Peter Biermann und Dirk Ehrlich das Wissensnetzwerk Uniturm.de (www.uniturm.de). Uniturm.de soll mit Wissens- und Unterlagenaustausch das Studium erleichtern. Bereits im zarten Alter von 13 unternahm Reschke seine ersten Gehversuche in die Selbstständigkeit. Thema der Firma: Taschengeldverwaltung. Mit 16 folgten die zweite Firma, eine Schüler-Unternehmensberatung und die erste Vorstellung in der WirtschaftsWoche. Mit 20 baute er wiwi-leipzig.de, den Vorgänger von Uniturm.de auf.

Alexander Hüsing, Chefredakteur von deutsche-startups.de, arbeitet seit 1996 als Journalist. Während des New Economy-Booms volontierte er beim Branchendienst kressreport. Schon in dieser Zeit beschäftigte er sich mit jungen, aufstrebenden Internet-Start-ups. 2007 startete er deutsche-startups.de.