Und was, wenn Lieferheld und Lieferando fusionieren?

EXKLUSIV Es waren einmal zwei Pizzakinder, der eine hieß Lieferheld (www.lieferheld.de), der andere Lieferando (www.lieferando.de). Beide mochten sich nicht sehr, beide verklagten sich öfter einmal. Inzwischen herrscht ein Burgfrieden. Und bald soll vielleicht eine Hochzeit folgen: Nach Informationen von deutsche-startups.de verhandeln die ehemaligen Streihähne über eine Fusion ihrer Pizzadienstvermittler. Die Start-ups dementieren dies.

Gleich mehrere ehemalige Mitarbeiter der beiden Unternehmen sowie mehrere Szeneinsider, die den Investoren der beiden Unternehmen nahe stehen, bestätigten uns in den vergangenen Tagen Gespräche zwischen Lieferheld und Lieferando. Ziel der Verhandlungen: Eine Fusion der beiden Start-ups, die sich in der Vergangenheit nicht immer lieb hatten – siehe “Krieg der Lieferdienste: Griff Lieferheld Lieferando an?“. Wie der Berliner Flurfunk verkündet, befinden sich die Gespräch aber in einem sehr frühen Stadium. Lieferando-Macher Christoph Gerber dementiert jedoch jegliche Fusionsgespräche: “Wir sprechen regelmäßig mit Just Eat, Lieferheld, Pizza.de, Takeaway.com, die Verhältnisse sind mit allen Wettbewerbern mittlerweile gut”. Verhandlungen über eine Fusion gäbe es aber nicht. Und dann folgt ein Satz, der hoffentlich nicht nur so dahergesagt ist: “Bevor ich mit Lieferheld fusioniere, verkaufe ich lieber meine Mutter”. Auch Oberlieferheld Niklas Östberg dementiert jegliche Fusionsabsichten. Ungefragt dementiert es zudem direkt jegliche Fusionsabsichten mit Just Eat. Damit wäre die Luft dann wohl raus – vorerst! Oder doch nicht? Reizvoll und vor allem sinnvoll, wäre eine Fusion der beiden Unternehmen auf jeden Fall.

Lieferheld gehört zum weltweit aktiven Start-up Delivery Hero (www.deliveryhero.com) uns somit zu Team Europe, der auf das Thema Pizzadienstvermittler eine extrem hohe Wette abgeschlossen hat. Der härteste Schlag gegen das Projekt kam im vergangenen Jahr, als Strafbefehle gegen die Lieferheld-Macher bekannt wurden – siehe “Lieferheld ganz unheldenhaft: Strafbefehl gegen Führungsteam erlassen“. Mitbewerber Lieferando wurden in der Vergangenheit maßgeblich von DuMont Venture, Doultin (ehemals Moraún), Mountain Super Angel, Rheingau Ventures und der KfW unterstützt. Im Sommer des vergangenen Jahres investierte die australische Investmentbank Macquarie 15 Millionen Euro ein. Die Lieferheld-Mutter Delivery Hero sammelte bisher 80 Millionen Euro ein – wovon die Berliner große Summen in Übernahmen von diversen Anbietern wie der OnlinePizza Norden Group steckten. Während die Delivery Hero-Familie mittlerweile weltweit aktiv ist, ist Lieferando bis auf wenige Ausnahmen – unter anderem Frankreich – kaum international aktiv. Bei einer geplanten Fusion geht es somit vor allem um die Marktstellung in Deutschland.

In Deutschland konnten Lieferando und Lieferheld Marktführer Pizza.de (www.pizza.de) – trotz sehr großer Marketingausgaben – nie vom Thron schubsen. Und selbst wenn es wirklich zu einer Fusion kommen sollte, wird es weiter schwer. Vor allem, weil die Kontrahenten schon sehr viel Geld verbrannt haben und offenbar immer weiter neues Geld brauchen. Klar dürfte aber auch sein, dass Lieferando in einer solchen Konstellation nur der Juniorpartner sein dürfte. Eine Fusion auf Augenhöhe wird es sicherlich nicht. Man darf gespannt sein, was die beiden Start-up künftig treiben.

Foto: Pizzeria from Shutterstock

Hausbesuch bei Lieferheld

Anfang November 2011 durfte sich deutsche-startups.de beim Berliner Start-up Lieferheld einmal ganz genau umsehen. In den riesigen Büroräumen – umweit der Friedrichstraße – arbeiten über 100 Lieferhelden in sehr schicken Räumlichkeiten. Das Büro ist vollgepackt mit Bildern von Superhelden aller Art, etlichen großen Pappkameraden und ganz ganz vielen leeren Pizzakartons. Einige heldenhafte Eindrücke gibt es in unserer kunterbunten Fotogalerie.

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